«Ein Paradies für Anarchisten»: Auf dem Fischinger Campingplatz Residenz Waldruh herrscht dicke Luft

Einige Camper in der Waldruh nerven sich über Nachbarn, welche die Platzregeln missachten würden. Zudem beklagen sie eine verwahrloste Infrastruktur. Der Betreiber spricht von zwischenmenschlichen Problemen. Er kündigt eine Veränderung an und will schlichten.

Roman Scherrer
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Eine von mehreren Parzellen auf dem Campingplatz Residenz Waldruh, die einen verwahrlosten Eindruck machen.

Eine von mehreren Parzellen auf dem Campingplatz Residenz Waldruh, die einen verwahrlosten Eindruck machen.

(Bilder: Roman Scherrer)

Der Name scheint zu passen. Wie ausgestorben präsentiert sich die Fischinger Residenz Waldruh an diesem Januarmorgen. Bewaldete Hügel sorgen dafür, dass sich die Sonne hier noch etwas später zeigt als andernorts.

Der Schein trügt aber. Auf den zweiten Blick macht der höchstgelegene Thurgauer Campingplatz nicht nur einen idyllischen Eindruck. Gleich mehrere Parzellen sehen verwahrlost aus, auf einigen liegen diverse Gegenstände herum oder es stapelt sich gar Müll. Andere wiederum präsentieren sich in sehr gepflegtem Zustand.

Der optische Gegensatz widerspiegelt offenbar das Klima unter den Campern. Rund zehn von ihnen wohnen nun auch während der Wintermonate in der Waldruh. Einer der Camper, die alle ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, sagt:

«Ich habe langsam genug.»

Er überlege sich nun, nach vielen Jahren seinen Platz zu räumen. Zu viele Leute, die in der jüngeren Vergangenheit auf den Platz gezogen seien, würden die Regeln missachten und hier eine Art Anarchie leben. «Für die ist das hier ein Paradies geworden», sagt ein anderer. «Einige Leute sind gegangen und haben alles auf ihrer Parzelle für einen Franken verkauft. Nur damit sie den Müll nicht entsorgen müssen.»

Kritik an der Infrastruktur

Einige Camper stören sich vor allem auch an der «vernachlässigten» Infrastruktur. Gebüsche und Rasen, die zur Anlage gehören, habe man einfach wuchern lassen. Die geplante Besenbeiz sei seit zwei Jahren eine Baustelle. Und erst kürzlich hätten ein paar Camper zusammen das Damen-WC – das Herren-WC ist in der Winterzeit geschlossen – geputzt, weil sie den Dreck nicht mehr ausgehalten hätten.

Das WC-Gebäude: Im Winter ist nur das Damen-WC geöffnet.

Das WC-Gebäude: Im Winter ist nur das Damen-WC geöffnet.

Auch eine verlassene und zugemüllte Parzelle hätten Bewohner schon auf eigene Kosten geräumt. «Wir sind hier eigentlich die Dummen», sagen die sichtlich entnervten Camper. Rund 3000 Franken, exklusive Nebenkosten, koste die Miete ihrer Parzellen für das komplette Jahr. «Wir erhalten aber kaum etwas dafür.» Investitionen, wie zur Erneuerung der Kläranlage, würden nur gemacht, wenn es nicht mehr anders gehe. Und die Person, welche die Unterhaltsarbeiten erledigen sollte, mache so gut wie nichts.

«Das kann ich so nicht unterschreiben», widerspricht eine Camperin, die sich seit mehreren Jahren jeweils in der Sommersaison in der Residenz Waldruh aufhält.

«Ich habe mich nie an der Hygiene oder der Infrastruktur gestört.»

Mehr machen könne man natürlich immer, gerade auch was die Ordnung auf einzelnen Parzellen betreffe. Diesbezüglich appelliert sie aber an die Eigenverantwortung und -initiative aller Camper. «Das ist möglicherweise eine Momentaufnahme im Winter», sagt die Camperin zu den aktuellen Spannungen. «Es kommt sicher auch drauf an, in welcher Ecke des Platzes man wohnt.»

Mitten auf dem Campingplatz befindet sich ein Schwimmbecken.

Mitten auf dem Campingplatz befindet sich ein Schwimmbecken.

Betreiber will neue Reinigungskraft einsetzen

«Baulich ist die Anlage in Ordnung», sagt Kai Zwicky, Inhaber und Betreiber der Residenz Waldruh. Einige Aussagen der verärgerten Camper seien sicher übertrieben, andere hätten auch ihr Wahres, räumt er ein. «Das mit dem Putzen klappte mehr schlecht als recht.»

Die Arbeit werde er nun an eine neue externe Reinigungskraft übergeben und mit ihr noch diesen Freitag den Platz besichtigen. «Die Besenbeiz ist eine ewige Baustelle.» Diesbezüglich stelle er der verantwortlichen Person ein Ultimatum, den Bau bis Ende März abzuschliessen. «Ansonsten mache ich das fertig.» Dass einige Parzellen verwahrlost sind, streitet Zwicky ebenfalls nicht kategorisch ab:

«Zwei Camper sind vom einen Tag auf den anderen gegangen und haben eine Sauerei auf ihren Parzellen hinterlassen.»

Nicht gelten lässt er den Vorwurf, dass nichts investiert werde. «Wir haben Solarzellen auf dem WC-Gebäude und eine neue Kläranlage installiert», sagt er. Zudem habe man das Bauernhaus im Zentrum des Platzes renoviert und Damen-WC wintertauglich gemacht. Letzteres habe alleine 10'000 Franken gekostet. «Die ganze Polemik macht mich sauer», sagt Zwicky.

«Es bestehen wirklich zwischenmenschliche Probleme.»

Einige Camper hätten vor einigen Jahren die damalige Platzwartin rausgeekelt und an ihrer Stelle eine andere Person gefordert – diejenige, die sie heute kritisieren. Ebenfalls am Freitag will Kai Zwicky mit den Wintercampern zusammensitzen und «versuchen, das Ganze auf einen sachlichen Nenner zu bringen».