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Die Thurgauer Ständeratskandidatin Nina Schläfli (SP): «Ein paar Junge würden gut tun»

Ständeratskandidatin im Gespräch (2/5): Nina Schläfli (SP) will nach Bern. Sie kandidiert für beide Kammern.
Christian Kamm
Nina Schläfli: «Man muss wissen, was man wählt.» Bild: Reto Martin

Nina Schläfli: «Man muss wissen, was man wählt.» Bild: Reto Martin

Sie wollen Thurgauer Ständerätin werden. Darf es auch der Sitz der amtierenden Ständerätin Brigitte Häberli sein?

Nina Schläfli: Ja, aber ungern. Brigitte Häberli hat als einzige wiederkandidierende Frau im Ständerat und als erste Thurgauer Ständerätin natürlich schon so etwas wie einen Sonderstatus.

Ihr grosser Konkurrent heisst Jakob Stark von der SVP?

Natürlich.

Sie starten mit einem Handicap in diesen Wahlkampf. Das Frauenargument zieht nicht wirklich. Der Thurgau hat schon eine Ständerätin.

Und weshalb soll dieses Argument nicht ziehen?

Weil der Kanton von drei Nationalrätinnen und drei Nationalräten vertreten wird. Es spricht also vieles dafür, dass die Thurgauer Zauberformel im Ständerat eine Frau und ein Mann lautet und nicht zwei Frauen.

Wenn sich alle Kantone daran halten würden, könnte ich Ihnen vielleicht sogar recht geben. Aber in vielen Kantonen ist es eine Selbstverständlichkeit, dass zwei Männer in den Ständerat geschickt werden. Also finde ich es überhaupt nicht schlimm, fände es sogar sehr positiv, wenn es im Thurgau zwei Ständerätinnen wären.

Einen Frauenbonus haben Sie in diesem Fall aber nicht.

Doch. In der Gleichstellungspolitik unterscheide ich mich deutlich von Brigitte Häberli. Das sollten die Wählerinnen und Wähler entsprechend gewichten. Ich würde hier, verglichen mit ihr, noch einen drauflegen.

Der Ständerat ist ein Club von älteren Herren, die altersweise Kompromisse schmieden. Was macht diese Veranstaltung für eine junge Politikerin attraktiv?

Genau das ist ein Teil meiner Motivation. Der Ständerat müsste deutlich vielfältiger werden bezüglich Alter und Geschlecht. Der Altersdurchschnitt liegt irgendwo bei 60 Jahren. Deshalb würden ein paar Junge gut tun. Weil wir andere Ansichten haben, andere Aussichten und andere Hintergründe.

Altersklugheit kann auch nerven.

Das ist im Grossen Rat heute nicht anders:

Frauen sind krass untervertreten, Junge sind krass unterrepräsentiert.

Ich bin mir das gewohnt. Und es gehört einfach dazu, wenn man als junger Mensch Politik macht. Man hat nicht mit Seinesgleichen zu tun, sondern mit älteren beziehungsweise, wenn Sie so wollen, erfahreneren Menschen.

Wenn Sie vom Bundeshaus träumen, träumen Sie nicht vor allem vom Nationalrat?

Ich kandidiere für beides. Insofern kann ich mir auch beides gut vorstellen.

Was reizt Sie mehr?

Der Ständerat. Hier bieten sich tiefere Einblicke. Der Rat ist kleiner und das einzelne Mitglied kann deshalb mehr an den politischen Dossiers mitarbeiten. Und die Politik damit stärker prägen.

Ihre Parteikollegin Edith Graf-Litscher politisiert schon seit 14 Jahren im Nationalrat. Vier weitere sind so gut wie sicher. Dann könnte die Zeit reif sein für eine Nachfolgerin. Für Sie.

Das entscheide am Schluss ja nicht ich. Erstens hat die Partei hier mitzureden, die mich jetzt zwar unterstützt − aber das ist nie in Stein gemeisselt, sondern auch eine Frage des politischen Leistungsausweises. Und dann hat natürlich die Stimmbevölkerung das letzte Wort. Möglich ist es grundsätzlich aber, das stimmt.

Ist die kommende Legislatur die letzte von Edith Graf-Litscher?

Das sollten Sie nicht mich fragen.

Es gibt keinen Fahrplan für die Nachfolge?

Nein, den gibt es nicht.

Zurück zum Ständerat: Mit Blick auf die Parteistärke ist der SVP-Sitz eigentlich ausgewiesen. Das Problem der Übervertretung der SVP besteht eher im Nationalrat.

Ich kann die Perspektive wechseln und argumentieren: Die Bürgerlichen haben schon eine Ständerätin. Warum sollen sie zwei Sitze haben? Die Kantone mit je einem bürgerlichen Vertreter und einem der Linken fahren doch sehr viel besser − siehe Kanton St.Gallen, wo das Dream-Team Paul Rechsteiner und Karin Keller-Sutter gezeigt hat, wie man die beiden Lager miteinander vereinen und eine gute Politik für den Kanton machen kann.

Welche Themen stehen für Sie auf nationaler Ebene im Zentrum?

Gleichstellung, Klima und die Gesundheits- und Sozialpolitik. Auch der ganze Bereich Arbeit und Wirtschaft gehört dazu, der überall immer mitschwingt. Nicht zu vergessen der Service public, der für mich eine Grundsäule des Zusammenlebens in der Schweiz darstellt.

Und wo grenzen Sie sich von Jakob Stark ab?

Überall. In der laufenden Amtszeit im Grossen Rat hat sich gezeigt, dass wir relativ häufig Kontroversen ausgefochten haben. Zum Beispiel im Bereich Gleichstellung, aber auch in der Sozialpolitik und natürlich in der Steuerpolitik. Bedeutende Differenzen gibt es ebenso in Fragen, welche die Aussenpolitik betreffen.

Hier grenzt sich Jakob Stark seinerseits von der SVP ab.

Aber nicht sehr eindeutig. Die Position eines Politikers aus einem Grenzkanton gegenüber der Kündigungsinitiative der SVP etwa müsste klipp und klar sein. Denn diese Initiative hätte so verheerende Konsequenzen. Da gilt es, in einem Ständeratswahlkampf klar Stellung zu beziehen. Man muss wissen, was man wählt.

Glauben Sie, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommen wird?

Ja.

Zur Person

Nina Schläfli ist 29 Jahre alt und in Kreuzlingen aufgewachsen. Sie politisiert seit 2016 im Thurgauer Kantonsparlament. Vorher gehörte sie sechs Jahre dem Stadtparlament von Kreuzlingen an. Seit drei Jahren präsidiert Nina Schläfli auch die SP Thurgau. Die studierte Historikerin arbeitet als wissenschaftliche Assistentin am Historischen Institut der Universität Bern. Daneben schreibt sie an ihrer Dissertation über den Dampfschiffbau in der Schweiz. (ck)

Und wenn der dritte Platz nicht an Nina Schläfli, sondern Ueli Fisch geht: Wird die SP den Grünliberalen im zweiten Durchgang unterstützen?

Das kommt auf die gesamte Ausgangslage an, also auch, wie die Nationalratswahlen ausgehen. Ueli Fisch hat es selber auch schon gesagt: Wir können uns sehr gut vorstellen zusammenzuspannen. Denn Klimapolitik ist ein entscheidender Faktor für diese Wahlen und die kommende Legislatur. Da liegt es sehr in unserem Interesse, dass in Bern jemand sitzt, der für diese Inhalte einsteht.

Sie liessen sich lange bitten, bevor Sie ins Ständeratsrennen eingestiegen sind. Was liess Sie zögern?

Zuerst muss der basisdemokratische Prozess ins Rollen kommen. Dann wartet man sicher etwas ab, wie sich die Ausgangslage entwickelt. Und es ist ein Entscheid, der persönliche Konsequenzen hat − vor allem von der Belastung her. Ich bin ja nicht nur Kantonsrätin, sondern auch SP-Parteipräsidentin, und ich habe einen Job. Ich brauchte einfach diese Zeit für eine seriöse Abwägung und habe mir sie auch genommen.

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