Das Frauenfelder «Hexehüsli» ist umgezogen, beim Wiederaufbau spielt ein Handwerker-Orchester 

Architekt Gabriel Müller und eine Schar Handwerker erwecken das 168-jährige Rebhaus wieder zum Leben. Baubeginn in Althuben ist Mitte August. Bis vor anderthalb Jahren stand das Gebäude mitten in der Stadt.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Wo jetzt noch ein altes Hühnerhaus ist, kommt das «Hexehüsli» zu stehen: Architekt Gabriel Müller (vorne, mit Balken) mit der Schar engagierter Handwerker und Bauspezialisten. (Bild: Donato Caspari)

Wo jetzt noch ein altes Hühnerhaus ist, kommt das «Hexehüsli» zu stehen: Architekt Gabriel Müller (vorne, mit Balken) mit der Schar engagierter Handwerker und Bauspezialisten. (Bild: Donato Caspari)

Eine Wiederauferstehung der anderen Art: Aus rund 20'000 Teilen besteht das «Hexehüsli». Gabriel Müller weiss das. Denn der auf historische Bauten spezialisierte Frauenfelder Architekt hat das Rebhaus im Dezember 2017 an der Bachstrasse mitten in der Stadt abgebaut. Seither lagert der in Einzelteile zerlegte Bau in Müllers Speicher in Althuben – und harrt dem Start des Wiederaufbaus Mitte August.

«Es geht dabei nicht nur um den Erhalt unser Baukulturerbe, sondern auch um die Nutzung von Ressourcen.»

Früher sei für ein Lebensalter gebaut worden, heute kauft man sich alle zwei Jahre neue Möbel bei Ikea, gibt Müller zu bedenken.

Verschiedene Handwerker und Bauspezialisten aus der Region werden Müller bei seinem Vorhaben unterstützen (siehe Kasten). «Mit einzelnen Spezialisten arbeite ich schon seit 25 Jahren zusammen», meint Müller. Sie stellen ihre Arbeitskraft und ihr Wissen zum Selbstkostenpreis oder sogar gratis zur Verfügung, weil der Wiederaufbau des Drei-Zimmer-Wohnhauses mit Gewölbekeller für jeden einzelnen Beteiligten eine spannende Herausforderung darstellt. Gabriel Müller ist gewissermassen Dirigent eines Orchesters aus Handwerkern, die Profis sind auf ihren Werkzeugen. Sie müssen zusammen spielen, damit das Stück am besten zum Ausdruck kommt.

Rebhaus von 1851 neben Trotte von 1507

Dem Mansardendach-Bau aus dem Jahr 1851 an der Bachstrasse 7 hätte der Abbruch gedroht, wäre Gabriel Müller nicht gewesen. Nach dem Umzug auf Müllers Liegenschaft am Höhenweg 4, wo neben dem Speicher ein Trotte aus dem 16. Jahrhundert steht, wird dieses Stück Baukultur also wieder hochgezogen. Die Baubewilligung ist diesen Frühling eingegangen.

16 Unternehmen aus der Region helfen mit

Folgende Betriebe sind am Wiederaufbau des «Hexehüsli» beteiligt: Tschanen AG, Baumeister; Freihaus GmbH, Zimmermann; Beerli & Erne AG, Dachdecker; Thomas Eigenmann, Fensterrestaurierung; Portone AG, Gipser; Dorfschmiede Marek Krähenbühl, Schmiedearbeiten; Hetzel GmbH, Holzböden; Etavis AG, Elektroinstallationen; Keller Energietechnik, Haustechnik; Sasso Ofenbau, Ofenbau; Chaves Biedermann GmbH, Landschaftsarchitektur; Steinemann Creativwerkstatt, Malerin; Keller Fenster GmbH, Fensterarbeiten; Keim Farben, Farbenlieferant; Krähenbühl Zimmerei, Zimmermann; Trend Keramik, Plattenarbeiten. (red)

Nach dem Bau des neuen Fundaments für den Gewölbekeller sollen Ende September die Arbeiten an der Holzkonstruktion beginnen, damit man im Oktober ans Dach gehen kann. Nach Müllers Zeitplan soll der Innenausbau über den Winter vonstattengehen. Wiedereröffnung soll im Frühling 2020 sein. Müller will das Wohnhaus zukünftig als «Ort der Begegnung und der Reflexion» nutzen, sei es für ein Wochenende oder für die zweimonatige Auszeit eines Künstlers. Man wird das «Hexehüsli» aber definitiv nicht auf einer der gängigen Online-Buchungsplattformen für touristische Angebote wiederfinden.

Architekt Gabriel Müller vor dem «Hexehüsli» am alten Standort an der Bachstrasse 7. (Bild: Andrea Stalder)

Architekt Gabriel Müller vor dem «Hexehüsli» am alten Standort an der Bachstrasse 7. (Bild: Andrea Stalder)

Gabriel Müller plant in Zusammenarbeit mit seinen Bauspezialisten während der Bauzeit Vermittlungsangebote für Schulen und Handwerkersamstag für Interessierte. Müller sagt: 

«Wir wollen damit zeigen, was Qualitätshandwerk ist.»

Und es gehe darum, Jugendliche für den Wert von Handwerk und entsprechende Ausbildungen zu sensibilisieren.

Der Wiederaufbau ist natürlich nicht gratis. Müller geht von einem hohen fünfstelligen Betrag für das Projekt aus. Ein grosser Teil davon ist privat finanziert. Zudem hat der Architekt nun ein Crowdfunding aufgegleist. Ziel: 10000 Franken. Die ersten acht Tage der insgesamt 30-tägigen Kampagne sind vorbei, und bereits über 2000 Franken sind versprochen. Als Belohnungen winken geschmiedete Originalnägel, eine Walpurgisnacht oder auch eine Woche im «Hexehüsli».

Das Projekt auf wemakeit.com: wemakeit.com/projects/wiederaufbau-haexaehuesli