Der Abriss der denkmalgeschützten Käserei Braunau ist noch nicht ausgestanden

Gemeinde, Hochbauamt und Grundeigentümer erarbeiten ein neues Projekt für den ehemaligen Standort der Käserei. Wegen des Abrisses des ­geschützten Gebäudes ist immer noch ein Strafverfahren hängig – und auch eine Aufsichtsbeschwerde gegen den Gemeinderat.

Thomas Wunderlin
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Ein neuer architektonischer Schwerpunkt des Dorfes soll am Bauplatz neben der St. Michaelskapelle entstehen. (Bild: Donato Caspari)

Ein neuer architektonischer Schwerpunkt des Dorfes soll am Bauplatz neben der St. Michaelskapelle entstehen. (Bild: Donato Caspari)

Der Thurgauer Heimatschutz reichte im Sommer 2016 Strafanzeige gegen unbekannt ein, weil die geschützte Käserei Braunau abgerissen worden war. Das Verfahren ist noch hängig, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Marco Breu mitteilt. Es verzögere sich wegen eines parallel laufenden Verwaltungsverfahrens. Die Staatsanwaltschaft werde demnächst anfragen, wie dort der Stand sei.

Uwe Moor, Präsident Heimatschutz Thurgau. (Bild: Sabrina Bächi)

Uwe Moor, Präsident Heimatschutz Thurgau. (Bild: Sabrina Bächi)

Das Parallelverfahren läuft aufgrund einer Aufsichtsbeschwerde, die auch vom Heimatschutz stammt. Gemäss Jahresbericht 2016/17 des Heimatschutzes soll das Vorgehen des Gemeinderats untersucht werden; dieser sei sich «des Schutzes bewusst» gewesen und habe «dennoch dem Abbruch zugestimmt». Trotz Hinweis der Denkmalpflege habe die Gemeinde den Heimatschutz nicht über das Abbruchvorhaben informiert. «Ein viel krasseres Vorgehen» gegen das Natur- und Heimatschutzgesetz sei «kaum vorstellbar». Der Generalsekretär des Departements für Bau und Umwelt (DBU) Marco Sacchetti bestätigt, dass ein Aufsichtsverfahren hängig ist. Am Ende entscheide die DBU-Vorsteherin darüber. Möglich sei auch, dass sich die Parteien einigen und die Beschwerde zurückgezogen werde.

Heimatschutz: Wiederaufbau wäre Stumpfsinn

Laut dem Präsidenten des Thurgauer Heimatschutzes Uwe Moor entwickelt eine Gruppierung unter der Leitung des Hochbauamts ein neues Projekt «mit dem wir alle einverstanden sein können». Am liebsten wäre ihm ein Architekturwettbewerb gewesen: «Sie sagten, er sei zu teuer.» Einen Wiederaufbau verlangt Moor nicht: «Das wäre Stumpfsinn.» Man suche jetzt einen Kompromiss. Als Berater beigezogen worden sei der St. Galler Architekt Bruno Bossart, der sich früher beim St. Galler Heimatschutz als Bauberater engagiert habe. Bossart bestätigt, dass er eine Studie erarbeite. Diese werde «in den nächsten zwei Monaten» der Projektgruppe vorgestellt.

In einem vergleichbaren Fall in Kreuzlingen hatte der Liegenschafteneigentümer laut Moor eine saftige Busse kassiert; sein Grundstück sei ausserdem mit einem Bauverbot belegt worden. Von einem Bauverbot anstelle der Käserei in Braunau hält Moor jedoch nichts. Die Käserei habe einen «historisch-architektonischen Schwerpunkt des Dorfes» dargestellt. Die Lücke müsse mit einem gleichwertigen Projekt gefüllt werden: «Immerhin befindet sich nebenan die national geschützte St. Michaels-Kapelle.»

Das ursprüngliche Projekt wird nicht gebaut

Anfang Juni 2016 hatte der Wiler Architekt und Immobilienunternehmer Josef Eisenring die alte Käserei abgerissen. Er plante auf dem rund 2500 Quadratmeter grossen Grundstück am Rande der Bauzone zwei Einfamilien- und ein Mehrfamilienhaus. Dieses «Renditeprojekt» ist laut Moor vom Tisch.

Der Gemeinderat hatte den Abbruch bewilligt. Dabei hatte er selber die Käserei 2002 unter Schutz gestellt; sie war eines von 24 geschützten Gebäuden in der Gemeinde am Nollen. Die Denkmalpflege hatte nur das um 1900 erbaute Wohnhaus von der Denkmalpflege als wertvoll eingestuft, nicht aber die ebenfalls abgerissenen Nebengebäude. Der dazugehörende Schweinestall wurde immerhin in die Denkmaldatenbank «aufgenommen», was der tiefsten der vier Einstufungen entspricht.

Gemeindepräsident hält sich zurück

Gemeindepräsident David Zimmermann hatte 2016 erklärt, die Käserei habe «nicht den Hauch eines architektonischen oder künstlerischen Werts». Sonst hätte er die Abbruchbewilligung nicht erteilt.

 David Zimmermann, Gemeindepräsident von Braunau. (Bild: Donato Caspari)

David Zimmermann, Gemeindepräsident von Braunau. (Bild: Donato Caspari)

Jetzt hält er sich zurück: «Ich muss ein bisschen aufpassen, wir sind in einem laufenden Verfahren.» Er bestätigt, dass die Planung in Absprache mit den zuständigen Ämtern komplett neu anfange. Der Grundeigentümer sei damit einverstanden und werde die Kosten des neuen Projekts übernehmen. Wie weit sich die Gemeinde daran beteilige, «werden wir sehen», sagt Zimmermann. Gestaltungsplanungen seien auch im Interesse der Gemeinde. Im Budget 2019 sei dafür nichts vorgesehen. Die Käserei war nach Meinung des Grundeigentümers Eisenring nichts Besonderes: «Es war kein Riegelhaus.» Der Abbruch sei bewilligt gewesen. Schadenersatz für sein gescheitertes Projekt werde er nicht verlangen.