Ein Nachtragskredit sorgt in Bichelsee für rote Köpfe

Die Gemeindeversammlung von Bichelsee-Balterswil hätte über 200'000 Franken für höhere Personalkosten befinden sollen. Zur Abstimmung kam – nach über eineinhalb Stunden Diskussion – aber ein anderer Betrag.

Christoph Heer
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Für Beat Weibel war es zweitletzte Versammlung als Gemeindepräsident, für Claudia Thalmann die erste als Gemeindeschreiberin.

Für Beat Weibel war es zweitletzte Versammlung als Gemeindepräsident, für Claudia Thalmann die erste als Gemeindeschreiberin.

Bild: Christoph Heer

Die Chance wäre gross gewesen, die erstmalig anwesenden Stimmbürger mit einer kurzen Gemeindeversammlung davon zu überzeugen, wieder zu kommen. Daraus wurde aber nichts. Die Angelegenheit in der Lützelmurghalle, an welcher 70 Stimmberechtigte (von total 2035) teilgenommen haben, knapp zweieinhalb Stunden. Und dies, obwohl die Traktandenliste für die coronabedingt auf vergangenen Mittwochabend verschobene Versammlung nichts Überwältigendes beinhaltete.

Der Grund dafür ist der Nachtragskredit von 200'000 Franken für zusätzliche Personalkosten und externe Unterstützung. Votum um Votum gingen die Meinungen in dieselbe Richtung. Und sie tönten so: «Wie genau setzt sich dieser Betrag zusammen?», «Um einen Drittel höhere Personalkosten, wie ist das zu rechtfertigen?», oder:

«Innerhalb der Verwaltung eine Erhöhung um 190 Stellenprozent auf neu 570 Prozente, warum genau?»

Immer wieder wird von fehlender Transparenz seitens der Behörde gesprochen. Der Gemeinderat, mit Gemeindepräsident Beat Weibel, wird wiederkehrend kritisiert, in der jüngsten Vergangenheit zu wenig detailliert informiert zu haben. Der Wurm scheint drin zu bleiben. Immer mehr und tiefer enervieren sich die Votanten und versteifen sich auf ihre Aussagen.

«Es besteht jedoch stets auch eine Holschuld», rechtfertigte sich der Gemeinderat. Insbesondere Vizegemeindepräsidentin Regula Meile und Gemeinderat Daniel Amrhein betonten, dass sie die volle Verantwortung betreffend dieses Nachtragskredites übernehmen.

«Jedoch lassen wir das mit der zu wenig vorhandenen Information und Transparenz nicht gelten».

Man sei stets bereit, zu informieren und Fragen zu beantworten. «Dafür müsste der Stimmbürger aber mit uns in Kontakt treten.»

Auf etwas tieferen Betrag geeinigt

Schlussendlich und nach über eineinhalb Stunden Diskussion gelangt der Antrag eines Votanten zur Abstimmung. Dieser muss – mittlerweile hat wohl fast niemand mehr den Durchblick– mehrfach wiederholt werden. Ohne Gegenstimme wurde der Antrag «180'000 Franken als Nachtragskredit für die externe Unterstützung im Bauamt» genehmigt. Somit entfiel die eigentliche Abstimmung über das vom Gemeinderat auferlegte Traktandum mit 200'000 Franken als Nachtragskredit.

Die Jahresrechnung 2019 hat der Souverän klar genehmigt. Diese schloss bei Ausgaben von insgesamt 4,7 Millionen Franken mit einem Gewinn von 263'000 Franken.

Des Weiteren wurden Themen angesprochen wie der neuste Stand betreffend Zonenplanänderung oder das Restaurant Landhaus in Bichelsee. Eine gute Falle machte zudem auch Claudia Thalmann. Die neue Gemeindeschreiberin strahlte am Behördentisch viel Ruhe aus, als sie das Protokoll abtippte.

Und für Gemeindepräsident Beat Weibel war es die zweitletzte Versammlung. Im November wird er dann als abtretender Gemeindepräsident noch einmal durch die Budgetgemeinde führen – dann, so bleibt zu hoffen – ohne all die Coronamassnahmen in der Turnhalle Lützelmurg.

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