Die Todesdrohungen gegen Aadorfer Sekschüler sind aufgeklärt

Polizei und Jugendanwaltschaft konnten die Morddrohungen gegen Sekundarschüler aufklären. Ob es sich um einen oder mehrere Täter handelt, darf die Leitende Jugendanwältin indes nicht sagen.

Olaf Kühne
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Das Sekundarschulhaus Löhracker in Aadorf. Hier erhielten mehrere Schüler anonyme Drohbriefe. (Bild: Reto Martin)

Das Sekundarschulhaus Löhracker in Aadorf. Hier erhielten mehrere Schüler anonyme Drohbriefe. (Bild: Reto Martin)

Der Fall sorgte im Februar für landesweite Schlagzeilen, nun liegt er bei der Jugendanwaltschaft: Anonyme Morddrohungen gegen Schüler hielten die Aadorfer Sekundarschule während Wochen auf Trab.

Wie Schulpräsidentin Astrid Keller gestern mitteilte, konnte die Urheberschaft der Drohungen geklärt werden. Für weitere Auskünfte verweist sie indes an die Jugendanwaltschaft. Dort ist die Leitende Jugendanwältin Barbara Reifler für den Fall zuständig. Sie darf sich wegen des im Jugendstrafrecht ausgeprägten Persönlichkeitsschutzes nicht konkret äussern.

Auf Anfrage unserer Zeitung will sie nicht mal sagen, ob hinter den Drohungen einer oder mehrere Jugendliche stecken. «Es läuft eine Strafuntersuchung», sagt sie. «Und wir werden weitere Einvernahmen mit Verfahrensbeteiligten machen.»

Konkreter darf sich Barbara Reifler hingegen zum allgemeinen Verfahren im Jugendstrafrecht äussern. «Es handelt sich klar um eine Straftat», sagt sie. Hierfür sehe das Gesetz Erziehungsstrafen oder Schutzmassnahmen vor. Erstere reichen von Verweis bis Freiheitsentzug, letztere von therapeutischen Gesprächen bis Fremdplatzierungen.

«Im Vordergrund steht immer die sogenannte Kriminalprävention», sagt Barbara Reifler. «Sprich, wir schauen, dass der Jugendliche nicht wieder straffällig wird.» Die Arbeit der Jugendanwaltschaft sei mit der Verurteilung eines Täters denn auch nicht beendet. Vielmehr sei man bis zum Abschluss einer allfälligen Massnahme involviert – mit stets derselben Ansprechperson. «Das kann auch mal Jahre dauern», sagt Barbara Reifler.

Im Sinne der Kriminalprävention sei deshalb auch der sehr ausgeprägte Persönlichkeitsschutz zu verstehen. «Wenn wir den straffällig gewordenen Jugendlichen die Zukunft verbauen und sie in ihrem Umfeld stigmatisieren, ist niemandem gedient», sagt Barbara Reifler.

In ihrer Medienmitteilung schreibt die Aadorfer Schulpräsidentin Astrid Keller weiter, die vergangenen zwei Monate seien für alle Beteiligten und Betroffenen eine schwierige und belastende Zeit gewesen. Herausfordernd sei auch, die Beweggründe zu verstehen und dieses Verhalten nachzuvollziehen. «Aus heutiger Sicht wird das Verhalten als Hilferuf interpretiert.»

Ferner sei in diesen Wochen die Aadorfer Sekundarschule in Zusammenarbeit mit der Jugendanwaltschaft bemüht, eine passende Lösung für den oder die Beschuldigten zu finden, «um deren Schulabschlüsse zu gewährleisten».

Aadorfer Schulpräsidentin: «Wir mussten sogar Kameraleute wegweisen»

An der Aadorfer Sekundarschule erhielten mehrere Schüler Todesdrohungen. Die Schulleitung ging in die Offensive und informierte sämtliche Schüler persönlich und alle Eltern per Brief. Seit unsere Zeitung am Donnerstag über die Vorfälle berichtete, sieht sich Schulpräsidentin Astrid Keller im Zentrum eines Medienrummels.
Olaf Kühne