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Interview

Ein Mann mit Kühen: Tierschützer Reinhold Zepf im Interview

Reinhold Zepf setzt sich für Tiere im Kanton Thurgau ein. Auch mit 81 Jahren spielt er aus gesundheitlichen Gründen Tennis. Gelogen hat er nur als Kind. Gegnerschaft findet er nicht abwegig. Und für seine Fehler bittet er um Vergebung.
Interview: Lukas Gerzner
Reinhold Zepf mit Büsi der Familie Horber in Kalthäusern, wo er rund 20 Kühe untergebracht hat. (Bild: Andrea Stalder)

Reinhold Zepf mit Büsi der Familie Horber in Kalthäusern, wo er rund 20 Kühe untergebracht hat. (Bild: Andrea Stalder)

Was ist Ihr gefühltes Alter?

Bei mir hat es nie einen richtigen Übergang vom Jungsein zum Altsein gegeben. Doch das Alter ist schon lästig. Jeden Morgen tut es irgendwo weh. Wenn eine unserer pensionierten Kühe hinkt, sag ich jeweils: «Ich hinke auch!»

Was machen Sie, um mit 81 fit und gesund zu bleiben?

Ich spiele noch immer Tennis. Ich achte auch darauf, was ich esse. Doch was mich am meisten frisch hält, sind die Aktivitäten, die ich bis heute immer noch aus Überzeugung mache.

Haben Sie ein Morgenritual?

Mein Morgen beginnt damit, dass ich schon allerlei Telefonate bekomme von Menschen, die einen Verdacht hegen hinsichtlich eines Verstosses gegen das Tierschutzgesetz, und das geht dann den ganzen Tag so weiter.

Was hat Sie die letzte Woche besonders beschäftigt?

Der Lebensraum für Wildtiere, weil sie durch den Klimawandel gefährdet sind. Auch dieser Herbst war wieder viel zu warm.

Gibt es etwas, was Sie am Herbst besonders lieben?

Die herbstliche Stimmung. Sie zeigt, dass alles vergänglich ist.

Haben Sie ein Lieblingstier und was bewundern Sie daran?

Ich habe alle Tiere gern, doch am liebsten den Hund, weil er oft treuer und verlässlicher ist als der Mensch.

Gibt es einen Lieblingsort für Sie im Thurgau?

Ganz klar Bischofszell. Ich bin Bürger in Bischofszell. Ich habe die Menschen hier immer positiv erlebt: Es gab sogar einige Leute, die gegen meine Einbürgerung gestimmt haben.

Das finden Sie toll?

Ja, ich habe lieber jemanden, der offen gegen mich ist. Ich habe keine Freude an Anfeindungen, doch ich kann es akzeptieren. Und dann kann ich sie auch fragen, was ich denn falsch ­mache.

Zur Person

Der 81-jährige Reinhold Zepf wohnt in Bischofszell. Der gelernte Automechaniker ist pensionierter Kaufmann und Tierschützer aus Leidenschaft und seit 1991 Präsident des Thurgauer Tierschutzvereins. Sein Werk ist das Projekt «Viva la Vaccha» (Pension für Kühe). Er ist geschieden und hat zwei erwachsene Töchter. (lug)

Wenn Sie den Thurgau verlassen müssten, wohin würden Sie ziehen?

Ins Bündnerland. Ich habe da mal zwei Jahre Auszeit genommen auf der Lenzerheide.

Worauf freuen Sie sich an einem freien Wochenende?

Ich habe keine freien Wochenenden.

Wann können Sie ruhig einschlafen?

Ich kann grundsätzlich immer gut einschlafen. Die Leute fragen mich jeweils schon: «Wie kannst bei all dem Trubel noch schlafen?»

Was nehmen Sie immer mit, wenn Sie aus dem Haus gehen?

Ich hab immer ein Sackmesser dabei.

Die beste App auf Ihrem Handy?

Ich habe keine Lieblingsapp, für mich ist das Handy eher ein notwendiges Übel.

Was hören Sie im Auto?

Ich höre meistens Radio aus meiner Heimat Baden-Württemberg, um zu hören, was da so läuft. Ich habe 40 Jahre in Deutschland gelebt, bevor ich meine Partnerin in der Schweiz kennengelernt habe und hierher zog.

Was haben Sie zuletzt in ­Konstanz eingekauft?

Die Zeitschrift «Spiegel», die kaufe ich seit meiner Jugend. Und Jagdzeitschriften, damit ich weiss, was in ­diesem Metier so läuft.

Was haben Sie zuletzt in einem Thurgauer Laden gekauft?

Ich kaufe jeden Tag Brot und andere Lebensmittel für den Alltag.

Sie sind Vegetarier?

Nein. Ich möchte damit den Nutztierhaltern zeigen, dass ich nicht gegen sie bin. Ich stehe für eine ethisch saubere Nutztierhaltung. Zudem esse ich wenig Fleisch, da meine Partnerin Vegetarierin ist.

Bratwurst mit oder ohne Senf?

Mit Senf. Doch ich weiss, dass das hier ein heikles Thema ist.

Welches ist Ihre liebste Glace-Sorte?

Ich esse kaum mehr Glace. Als ich Lehrling war, waren die Eiscafés aufgekommen. Ich habe so viel gegessen, bis mir richtig übel wurde (lacht).

Mit wem würden Sie gerne eine Flasche Wein trinken?

Am liebsten würde ich mit einem Gegner zusammensitzen, der mich hasst, damit ich mich erklären kann, mit meinen Absichten und meiner Biografie. Ich habe das auch tatsächlich mal erlebt, als ich mit dem damaligen kantonalen Tierschutzbeauftragten Jörg Cadisch eine Flasche Wein getrunken habe und wir uns deshalb versöhnt haben.

Der Tierschützer Reinhold Zepf lässt Kühe leben. (Bild: Andrea Stalder)

Der Tierschützer Reinhold Zepf lässt Kühe leben. (Bild: Andrea Stalder)

Worüber kann man mit Ihnen nicht reden?

Über alles, wenn man bereit ist, auch meine Meinung zu hören. Anstand und Respekt sind mir wichtig.

Lügen Sie manchmal?

Als Kind habe ich viel gelogen, weil meine Eltern sehr streng waren. Heute ist es mir wichtig, dass meine Mitmenschen davon ausgehen können, dass ich die Wahrheit sage.

Was finden Sie gut an sich?

Ich bin vergebungsbereit und selber auf Vergebung angewiesen. Ich bin nicht nachtragend.

Haben Sie ein Vorbild?

Mein Stiefvater. Er war ein sehr gläubiger Mensch. Ich habe nie mehr einen Menschen erlebt, der seinen Glauben und das Leben so in Einklang gelebt hat.

Was liegt auf Ihrem Nachtisch?

Ganz viele Bücher. Ich lese hauptsächlich wissenschaftliche, aber auch ­religiöse Bücher.

Sind Sie gläubig?

Nein, doch die Werte kann man ja trotzdem leben.

Mit welchem Menschen würden Sie gerne einen Tag lang ­tauschen?

Mit jemandem, der Macht hat. Diejenigen mit der meisten Macht ­können am meisten verändern.

In welchem Job wären Sie eine Fehlbesetzung?

In jeder Form von Beamtentum.

Was möchten Sie unter allen Umständen in diesem Leben noch machen?

Ich möchte mich bei denjenigen entschuldigen, bei denen ich Fehler gemacht habe. Das hat es leider auch gegeben.

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