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Glosse

Ein Lied der Trauer, das niemand singt

Auf der Bahnstrecke Wil-Frauenfeld wurde die Haltestelle Murkart aufgehoben. Doch die Trauer hielt sich in engen Grenzen.
Sebastian Keller
Sebastian Keller, Redaktor «Thurgauer Zeitung».

Sebastian Keller, Redaktor «Thurgauer Zeitung».

Die Haltestelle Murkart ist nicht mehr. Also sie ist noch, aber ihr wurde die Daseinsberechtigung entzogen: Seit dem 9. Dezember hält kein Zug mehr in der Aussenwacht der Stadt Frauenfeld. Die Frauenfeld-Wil-Bahn hat den Halt aus dem Fahrplan gestrichen wie ein Wirt ein Gericht von der Speisekarte, das nie bestellt wird. Müssten die Züge weiterhin in der Murkart halten, würden rund 170 Personen in Frauenfeld den Anschluss Richtung Weinfelden verpassen. Täglich.

Die Haltestelle Murkart. Heute halten hier keine Züge mehr; der Billettautomat wurde bereits abmontiert. (Bild: Donato Caspari, 19.September 2017)

Die Haltestelle Murkart. Heute halten hier keine Züge mehr; der Billettautomat wurde bereits abmontiert. (Bild: Donato Caspari, 19.September 2017)

Das Wartehäuschen steht noch da. Aber Wartende dürfen nicht mehr auf den Halt der Schmalspurbahn hoffen. Es waren in der Vergangenheit denn auch wenige: maximal zehn Ein- und Aussteiger pro Tag. «Nächster Halt auf Verlangen», sagte die Lautsprecherfrau im Zug jeweils. Doch verlangt wurde der Halt eben fast nie. Auch das Haus auf der anderen Strassenseite mit dem roten Lämpchen, das nicht nur vor Weihnachten leuchtet, hat kaum für öffentlichen Mehrverkehr in die Murkart gesorgt.

Die wenigen Tränen, die wegen des Aus der Haltestelle vergossen wurden, hätten nicht gereicht, um den Pegel der nahen Murg zu heben. Obwohl sie das wegen der Trockenheit bitter nötig gehabt hätte. Wenn niemand trauert, wenn niemand weint, hilft der Volksmund: «Ä chlini Wält isch verruckt.» Und in Zeiten der Globalisierung ist man froh, dass es diese kleine Welt noch gibt – auch wenn sie nicht mehr an den öffentlichen Verkehr angeschlossen is

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