Ein leichter «Don Pasquale» in Müllheim

Instrumental radikal reduziert, vokal in der ganzen Pracht des gut gesungenen Belcantos: so war das sonntägliche Gastspiel der St. Mark’s Opera Company im Modelhof in Müllheim.

Christof Lampart
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Viel Komik und hervorragende Stimmen prägen den «Don Pasquale», welche die St. Mark’s Opera Company aufführt. (Bild: Christof Lampart)

Viel Komik und hervorragende Stimmen prägen den «Don Pasquale», welche die St. Mark’s Opera Company aufführt. (Bild: Christof Lampart)

Was kann man von einer «Don Pasquale»-Aufführung auf dem Lande erwarten? Vor allem, wenn es sich um ein weitgehend unbekanntes Gastspiel-Ensemble handelt? Eine Konzentration auf das Schwankhafte der opera buffa vielleicht?

Das wäre irgendwie naheliegend, denn das Instrumentale tritt bei einer reinen Klavierbegleitung (sehr souverän: Riccardo Mascia) nun einmal komplett in den Hintergrund, auch wenn der Musik Donizettis, trotz der Leichtigkeit des Stoffes, in der vollen Orchesterbesetzung deutliche Anklänge an das Zeitalter der Moderne zu entnehmen sind. Hier, in Müllheim, war davon wenig zu hören.

Überzeugende Stimmen

Auf was man sich hingegen vollauf konzentrieren konnte, waren die wirklich hervorragenden Stimmen der Protagonisten. Allesamt verstanden sie es, differenziert und sicher zugleich zu singen, indem sie die gute Akustik des Raumes nutzten. Francesco Tuppo sang seinen Ernesto mit wunderbar leichter und warmer Stimme, schlank und elegant, ohne dabei – was bei Belcanto-Tenören ja häufig die Gefahr darstellt – irgendwie, irgendwann stimmlich ins Schmalzige zu kippen.

Genauso schön und sicher war Anna Delfinos Norina klarer, unprätentiöser Sopran. Sie sang locker sowie sicher die höchsten Register und brachte schauspielerisch das vermeintliche Landei genauso glaubhaft auf die Bühne, wie die schwärmerische Geliebte oder herrische Gemahlin. Allan Rizzetti offenbarte in der Darstellung des Fadenziehenden Malatestas ein grosses komödiantisches Talent sowie eine solide Stimme.

Und schliesslich war da noch der Don Pasquale gespielt von Albert-Bianchi-Lanzoni, einem Baum von Mann, der in seiner physischen und stimmlichen Massigkeit geradezu wie geschaffen war, um die dem Stück permanent innewohnende Komik aufs Treffendste auszudrücken.

Nach der Oper ist vor der Oper

Bei einer dermassen überzeugend singenden und in ziemlich engen Verhältnissen agierenden Ensembleleistung, fiel es somit mitnichten ins Gewicht, dass die Ausstaffierung historisch und das Bühnenbild als solches wenig Überraschendes bot. Letzteres mutete geradezu bieder an.

Was schliesslich blieb, waren Stimmen, die sich ganz selbst genügten und dadurch dem Publikum – der Saal war zu gut zwei Dritteln gefüllt – einen überaus vergnüglichen Opernabend spendeten. Die St. Mark’s Opera Company wird im November mit zwei Puccini-Opern – «La Bohème» und «Tosca» – erneut im Müllheimer Modelhof gastieren. Sollte die gesangliche Qualität ähnlich wie bei Don Pasquale sein, so darf man sich bereits jetzt darauf freuen.