«Ein kulturelles Erlebnis»: Wanderer aus der ganzen Schweiz zieht es nach Weinfelden auf den Weinweg

Vor vier Jahren haben Weinfelder Winzer den Weinweg gestaltet. Insgesamt erstreckt er sich über neun Kilometer. Aktuell zieht er Wanderer aus der ganzen Schweiz an.

Manuela Olgiati
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Sandra und Thomas Bosch bewirten Weinwanderer aus Bern und Luzern.

Sandra und Thomas Bosch bewirten Weinwanderer aus Bern und Luzern.

Bild: Manuela Olgiati

Die Kombination von Wandern und Kulinarik kommt gut an. Am Bahnhof Weinfelden holen Wanderer den Weinrucksack ab. Er enthält ein Glas, Brot zum Knabbern und – das Wichtigste – den Code für den Weinsafe. Dort stehen Weine zur Verkostung bereit. Die Mitarbeiter am Bahnhof erwähnen noch, dass man die Karte genau studieren soll und raten, mehr Zeit einzurechnen. An diesem Samstag sind hier Wanderer aus der ganzen Schweiz unterwegs.

Vor vier Jahren haben Winzer den Weinweg rund um Weinfelden gestaltet. Dieser führt über den Ottoberg durch idyllische Rebberge, vorbei an verschiedenen Weingütern. Der Weinfelder Winzer Hansruedi Wolfer sagt:

«Die Verbindung von Weinfelden und Wein besteht seit Jahrhunderten.»
Hansruedi Wolfer, Winzer

Hansruedi Wolfer, Winzer

Andrea Stalder

Er war von Beginn an aktiv am Aufbau des Weinwegs beteiligt. Wolfer hat in Archiven Dokumente gefunden, die den Rebbau urkundlich erstmals im Jahr 1570 erwähnen. Die Rebparzellen gingen damals noch bis ins flache Thurtal hinunter. Er sagt:

«Es wurde immer spekuliert, ob der Ortsname Weinfelden vom Wein herrührt.»

In alten Schriften hiess es öfters: Bei guten Ernten waren die Kassen voll. Gab es Fehljahre, sprach man nicht mehr von Weinfelden, sondern von «Weh-felden». Bürger und Gemeinden mussten Darlehen aufnehmen, um ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Zürcherinnen geniessen die ländliche Ruhe

Die Weinwanderer orientieren sich an Info-Tafeln über Rebsorten. Im Weinsafe unterhalb des Rebgutes Sunnehalde von Beat Zivica gibt’s später ein Glas kühlen Wein. Tamara Bernhard und Melanie Baumann aus dem Kanton Zürich sagt:

«Wir geniessen die ländliche Ruhe.»
Mitten in den Reben: Tamara Bernhard und Melanie Baumann.

Mitten in den Reben: Tamara Bernhard und Melanie Baumann.

Bild: Manuela Olgiati

Auch Flavio Eggenberger aus Horn lobt die Region und lässt den Blick von den Südhängen des Ottenbergs hinab ins Thurtal schweifen. Michael Burkart vom gleichnamigen Weingut schenkt oben einer Gruppe junger Männer Wein aus. Ruedi Meier aus Arbon sagt:

«Der Weinweg ist ein kulturelles Erlebnis.»

Deshalb machen er und seine Kollegen einen Tagesausflug daraus. Im Restaurant Thurberg sehen sich Wanderer wieder und winken sich zu. «Hier wandern oft junge Leute im Alter zwischen 20 und 30 Jahren», sagt Thurberg-Wirtin Irene Franz.

«Es ist inspirierend, von den Winzern etwas über die Weinkultur zu erfahren», sagt Martin Aregger aus Luzern. Mit Freunden aus dem Berner Oberland findet er einen schattigen Platz auf dem Weingut von Thomas Bosch in Boltshausen. Er fügt hinzu:

«Schade, ist die Weinwanderung schon bald zu Ende.»

Das letzte Stück des Weinwanderwegs führt wieder zum Bahnhof Weinfelden. Nach insgesamt neun Kilometern steht man wieder am Anfang.