Die Gemeinde Sirnach erhält ein räumliches Leitbild

Der Gemeinderat hat mit dem kantonalen Departement für Bau und Umwelt das Pilotprojekt «Masterplanung» erarbeitet. Am Samstag stellt er es der Bevölkerung vor.

Roman Scherrer
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Der Masterplan zeigt auf, wie sich die Sirnacher Quartiere baulich entwickeln können. (Bild: Olaf Kühne)

Der Masterplan zeigt auf, wie sich die Sirnacher Quartiere baulich entwickeln können. (Bild: Olaf Kühne)

Die Sirnacher Stimmbürger befinden am Sonntag über die revidierte Ortsplanung. Allerdings ist dies nicht das einzige, das die Gemeinde in Sachen Bauwesen am Wochenende beschäftigen wird. An einer Infoveranstaltung stellt der Gemeinderat am Samstag nämlich das Projekt «Masterplanung Sirnach» vor, welches er mit dem kantonalen Departement für Bau und Umwelt und dem Frauenfelder Architekturbüro Stauffer und Hasler erarbeitet hat.

Der Masterplan wird für Sirnach kein Instrument mit Gesetzescharakter sein, sondern soll dem Gemeinderat als behördenverbindliches Leitbild dienen, erklärt Gemeindepräsident Kurt Baumann. Hintergrund des Projekts ist dennoch ein Gesetz: das neue Raumplanungsgesetz des Bundes. «Dieses hat die Raumplanung grundlegend verändert», sagt Baumann. So fordert es beispielsweise ein verdichtetes Bauen in den Siedlungsgebieten. Dazu macht der kantonale Richtplan den Gemeinden gewisse Vorgaben.

Übergeordnete Sichtweise hat gefehlt

Kurt BaumannGemeindepräsident Sirnach

Kurt Baumann
Gemeindepräsident Sirnach

Die Gemeinden können sich bisher, was die bauliche Entwicklung betrifft, auf ihre kommunalen Richt- und Zonenpläne stützen. «Wir haben aber festgestellt, dass ein Instrument von übergeordneter Sichtweise fehlt, sozusagen der Helikopterblick», sagt Kurt Baumann. Der Masterplan soll nun diesen Helikopterblick ermöglichen. Er analysiert etwa die Struktur einer Gemeinde, führt auf, wo welche Art von Bauten zu finden sind, und berücksichtigt dabei die Verkehrsführung sowie die historische Raumentwicklung. Zudem zeigt der Plan, welches Entwicklungspotenzial für die einzelnen Quartiere besteht. Das vorgesehene Ideal eines Dorfbilds wird dabei in sogenannten Szenenbildern gezeigt, also modellhaften Darstellungen, wie ein Quartier künftig aussehen könnte. Gemeindepräsident Baumann betont indes:

«Es handelt sich dabei nicht um konkrete Projekte. Der Masterplan soll lediglich die Bau-Charakteristik aufzeigen.»

Der Plan sei zwischen raumplanerischen und architektonischen Ansätzen einzuordnen. «Er geht aber darüber hinaus. Es geht vor allem darum, die räumliche Entwicklung nicht dem Zufall zu überlassen.» So soll der Sirnacher Gemeinderat bei der nächsten Überarbeitung des kommunalen Richtplans auf den Masterplan als Orientierungshilfe zurückgreifen. Und wie beim Gemeinde-Leitbild werden zum Plan konkrete Strategien und Massnahmen formuliert.

Vorstellung in den weiteren Gemeinden

Carmen Haag Vorsteherin Departement für Bau und Umwelt Kanton Thurgau

Carmen Haag
Vorsteherin Departement für Bau und Umwelt Kanton Thurgau

Den Masterplan will das kantonale Departement für Bau und Umwelt künftig auch den anderen Thurgauer Gemeinden vorstellen. Da jede von ihnen aber eine ganz andere Ausgangslage habe, müsse der Plan für jede Gemeinde massgeschneidert werden, sagt Departementsvorsteherin und Regierungsrätin Carmen Haag. In Sirnach würden sich ganz vielfältige Fragen bezüglich der weiteren Entwicklung stellen, was die Gemeinde als Pilot interessant gemacht habe. «Sirnach liegt gemäss dem kantonalen Raumkonzept im urbanen Raum, hat als regionales Zentrum eine gute Grösse, ist aber keine Stadt und hat auch sehr ländliche Gebiete», sagt Carmen Haag weiter.

Hinsichtlich der Infoveranstaltung vom Samstag ist Gemeindepräsident Kurt Baumann gespannt auf die Rückmeldungen: «Es ist uns wichtig, was die Bevölkerung denkt.» Für die Bevölkerung auf der anderen Seite dürfte der Masterplan an dem Anlass etwas fassbarer werden.

Info-Anlass

Infovermation zum Projekt «Masterplanung Sirnach» am Samstag, 22. September ab 9 Uhr in der Mehrzweckhalle Busswil.

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Roman Scherrer