Diessenhofer alt Stadtvater geht unter die Schriftsteller

30 Jahre lang war Walter Sommer Stadtpräsident von Diessenhofen. Gut ein Jahr nach seiner Pensionierung erscheint nun sein Buch zum Thema Leadership. Das Schreiben sei eine «Chnochebüez» gewesen, sagt er.

Rahel Haag
Merken
Drucken
Teilen
Der ehemalige Stadtpräsident Walter Sommer mit seinem Buch «Leadership – mit Menschen zum Ziel». (Bild: Andrea Stalder)

Der ehemalige Stadtpräsident Walter Sommer mit seinem Buch «Leadership – mit Menschen zum Ziel». (Bild: Andrea Stalder)

Eigentlich könnte er sich zurücklehnen, den Ruhestand geniessen. Aber er kann es halt doch nicht lassen. «Ich wollte Ordnung machen», sagt Walter Sommer. Im vergangenen Jahr wurde er nach 30 Jahren als Stadtpräsident Diessenhofens pensioniert. Nun hat er ein Buch zum Thema Leadership geschrieben. «Auch für mich.»

Buchvernissage

Das Buch «Leadership – mit Menschen zum Ziel» des ehemaligen Diessenhofener Stadtpräsidenten Walter Sommer wird am Donnerstag, 22. November, im Rahmen einer Buchvernissage vorgestellt. Der Anlass im Rathaussaal Diessenhofen beginnt um 19.30 Uhr. Zu Beginn wird der Verleger Fritz Franz Vogel über die Gestaltung des Buches sprechen. Anschliessen folgt eine Lesung des Autors. (rha)

Er sitzt am Esstisch. Im Rücken sieht man über die Dächer der Altstadt. Sommer hält sein Buch in der Hand und deutet auf die Galerie. Dort oben habe er geschrieben. «Mit Blick auf den Rhein.» Nach einem Schwumm im Fluss und dem Frühstück habe er jeweils zwei bis drei Stunden pro Tag geschrieben. «Manchmal mehr, manchmal weniger.»

Bewusst sozialen Druck aufgebaut

Nach nur sieben Monaten stand sein Buch. 224 Seiten umfasst es. Er sei eben ein «geduldig ungeduldiger» Mensch. Sommer lächelt spitzbübisch. Von Anfang an sei ihm klar gewesen: «Ich kann nicht fünf Jahre an einem Buch schreiben.» Er winkt ab, schüttelt den Kopf. Zudem habe er, als er noch im Amt war, bewusst sozialen Druck aufgebaut. «Indem ich allen erzählt habe, dass ich nach der Pensionierung ein Buch schreiben werde.»

Der Schreibprozess sei dann gleich gewesen, wie man einen Berg abtrage. «Man nimmt eine Schaufel und beginnt damit, die erste Garette zu füllen.» Es habe Spass gemacht. Gleichzeitig sei es eine «Chnochebüez» gewesen. Sommer dreht und wendet das Buch in seinen Händen, blättert darin und sagt schliesslich:

«Das tönt so blöd, aber ich bin schon auch ein wenig stolz.»

Von Anfang an sei ihm bewusst gewesen, dass es zum Thema Leadership schon gefühlte 10'000 Bücher gebe. Und, dass er in diesem Bereich das Pulver nicht neu «zum Chlöpfe» bringen könne. Doch er habe schon seit Jahren gespürt, dass da etwas in ihm drin sei, das er loswerden wollte.

Über die Jahre habe sich viel Material angesammelt. «Mein Ziel war, das Wissen zusammenzuführen.» Gleichzeitig sei das Buch für ihn auch eine Art Abschluss.

Ein Sachbuch mit Tiefe

In seinem Buch fänden sich denn auch viele Inhalte, die er erlebt und mit denen er gearbeitet habe. Sommer war es wichtig, dass das Sachbuch Tiefe hat – «es sollte nicht nur ‹blabla› sein». Im ersten Kapitel beschreibt er unter anderem den «idealen» Chef.

Auf die Frage, ob er der ideale Chef gewesen sei, winkt er ab. «Das müssten meine ehemaligen Mitarbeiter beurteilen.» Was er geschrieben habe, habe er aber auch gelebt. Beispielsweise die Mitarbeiter ihren Job machen zu lassen oder sie zu loben. «Ich habe ein Leben lang nur gelobt», sagt Sommer und lächelt. Auch Danke habe er oft gesagt – im Büro wie auch zu Hause. «Das bewegt Gutes.» Sommer denkt nach und sagt:

«Bei aller Bescheidenheit, denke ich schon, dass ich ein guter Chef war, aber auch der Sommer hat Fehler.»

Um gemeinsam ein Ziel zu erreichen, seien Respekt und Achtung essenziell. «Das zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.»

Vorgestellt wird es an einer Buchvernissage am Donnerstag, 22. November. Er habe lange überlegt, ob er das überhaupt machen solle. «Aber offenbar ist das üblich», sagt Sommer und zuckt mit den Schultern. Dort werde er nebst der Lesung auch zu einzelnen Punkten sprechen. Das Halten von Reden ist ebenfalls ein Thema, das in seinem Buch vorkommt.

Für Sommer etwas Wichtiges und etwas, das er gerne gemacht habe. Eine gute Rede müsse unterhaltsam sein, genau wie eine Vernissage. Als Diessenhofer Stadtpräsident habe er mehrmals an Anlässen eine Rede gehalten, an denen auch Regierungsrat Jakob Stark zu Wort kam. «Jeweils nach mir», sagt Sommer. Und mehr als einmal habe der Finanzminister einleitend gesagt:

«Es ist die grösste Strafe, nach Walter Sommer eine Rede halten zu müssen.»

Walter Sommer: «Leadership – mit Menschen zum Ziel»
edition ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ.
ISBN 978-3-03858-751-4 (Buch)
978-3-03858-752-1 (Digitalisat)
Bestellungen: unter 044 780 07 51 oder ffvogel@mus.ch