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Ein Guckloch für Datenspäher auf der Webseite des Kantons Thurgau

Der US-Konzern Amazon sammelt Daten über die Nutzer der kantonalen Webseite, befürchten Politiker. Der Thurgauer Datenschützer hat sich das Problem angeschaut und schlägt eine Massnahme vor.
Silvan Meile
Im Quellcode von www.tg.ch ist ersichtlich, dass die Schrift von eine Amazon-Server geladen wird. (Printscreen: Silvan Meile)

Im Quellcode von www.tg.ch ist ersichtlich, dass die Schrift von eine Amazon-Server geladen wird. (Printscreen: Silvan Meile)

«Kümmern Sie sich um unsere Daten – sonst tun es die amerikanischen Grosskonzerne», sagte Stefan Leuthold an der letzten Sitzung des Grossen Rats vor den Sommerferien. Im Thurgau bestünde Handlungsbedarf. Der grünliberale Kantonsrat verwies auf einen Bericht der Zeitschrift «K-Tipp». Demnach sei ein Teil der kantonalen Internet-Seite beim amerikanischen Internetgiganten Amazon ausgelagert. Dieser erfahre somit, wer online welche Dienste nutzte, welche Dokumente herunterlade und sich über welche Themen bei den Behörden erkundige. «Fügt man diese Informationen passend zusammen, entstehen deutliche Datenspuren, welche den Benutzern direkt zugeordnet und zu deren Nachteil verwendet werden können», warnte Leuthold.

Fritz Tanner kennt den Sachverhalt. Der Thurgauer Datenschutzbeauftragte hat die Schnittstellen zwischen der Webseite des Kantons und dem US-Konzern Amazon unter die Lupe genommen. Und Tanner gibt grösstenteils Entwarnung: Der Kanton hat keine eigenen Daten auf externen Webservern ausgelagert, auch nicht bei Amazon. Doch er greift zur Darstellung auf den US-Konzern zurück. «Es werden beim Aufruf der Webseite Schriftarten eingebunden, die dafür bei Amazon heruntergeladen werden», sagt Tanner. Unproblematisch ist das nicht. Dadurch öffnet sich für den US-Konzern zumindest ein Spalt zum Blick hinter die Fassade der Webseite des Kantons. Es muss davon ausgegangen werden, dass Amazon über die Nutzer der Thurgauer Kantonswebseite «bestimmte Profile erstellen und dadurch gewisse Rückschlüsse ziehen könnte», sagt Tanner. Um das zu verhindern, müsste der Kanton die Schriftdaten auf dem eigenen Server zur Verfügung haben, ohne auf externe Daten zugreifen zu müssen. «Das wäre mit relativ kleinem technischen Aufwand machbar», sagt Tanner. Von Webdesignern werde aber mit lizenzrechtlichen Argumenten begründet, weshalb auf Amazon zurückgegriffen werde.

Firmen sammeln Daten und verkaufen sie

Die externen Schriftarten sind für den Datenschutzbeauftragten aber nur ein kleiner Mangel. «Der Datenschutz ist sonst sehr gross», sagt Tanner. Der Kanton verzichte beispielsweise auf den Einsatz von «Google Analytics». Solche Angebote liefern detaillierte Statistiken darüber, welche Informationen von wo und mit welcher IP-Adresse abgerufen werden. Das nützt nicht nur den Webseitenbetreibern. «Die Daten werden von spezialisierten Firmen fleissig gesammelt, weiter verwertet und verkauf», warnte Kantonsrat Leuthold in der Debatte.

Während Tanner in diesem Bereich beim Kanton nur eine kleine Lücke sieht, erkennt er auf anderen Webseiten ein offenes Scheunentor. Gerade vor dem Hintergrund der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung dürfte ein Webseitenbetreiber, der auch EU-Bürger anspricht, noch Anpassungen machen müssen. Ob die aktuelle europäische Rechtsgrundlage, die auch Analysen über das Surfverhalten der EU-Bürger verhindern will, den konkreten Fall einer Schrifteinbindung von Amazon erlaubt, sei unklar, sagt Tanner:

Fritz Tanner, Thurgauer Datenschutzbeauftragter.

Fritz Tanner, Thurgauer Datenschutzbeauftragter.

«Noch fehlt eine Rechtsprechung. Es könnte aber allenfalls problematisch werden.»

Auch beim kantonalen Amt für Informatik wurde die Amazon-Diskussion geführt. Bei einer Überarbeitung der Webseite, die durch eine externe Firma erst im vergangenen März fertig gestellt wurde, dürften auch diese datenschutzrechtlichen Bedenken beseitigt werden. Ein Sicherheitsproblem liege aber nicht vor, sagt Amtschef Leo Kuster. Die Daten des Kantons und seinen Bürgern seien jederzeit durch mehrere Absicherungen vor unerlaubtem Zugriff geschützt.

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