Nachruf: Ein grosser Kämpfer für den Kanton Thurgau

Peter A. Schifferle rettete 1991 die Schleifmittelfabrik SIA. Ende der
90-er Jahre trug er zum wirtschaftlichen Aufbruch des Kantons bei.

Peter Maag
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Peter A. Schifferle (1944-2020)

Peter A. Schifferle (1944-2020)

Susann Basler

Der ehemalige Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Thurgau, Peter A. Schifferle, ist 76-jährig gestorben. Er wird als beeindruckende Unternehmerpersönlichkeit in Erinnerung bleiben. Am 28. März 1944 geboren, wuchs er im Kanton Aargau auf. Er absolvierte die Eidgenössische Handelsmaturität am Kollegium Schwyz. Es kamen Weiterbildungen in Unternehmungsführung und Betriebswirtschaft hinzu.

Der berufliche Einstieg erfolgte bei der Ciba in England. Er wechselte zur Holzindustrie und stieg bei der Hiag-Gruppe zum Mitglied der Gruppenleitung auf. Dass Schifferle im Jahr 1988 als Vorsitzender der Geschäftsleitung des Stammhauses und Mitglied der Gruppenleitung zur Firma Lista in Erlen stiess, war seinem Mentor Willi Hirt von der Provida in Romanshorn zu verdanken. Zwei Jahre später zog auch seine Familie in den Thurgau.

Sanierung der Schmirgel- und Schleifindustrie AG

Peter A. Schifferle verstand es, in schwierigen Situationen das Steuer in die Hand zu nehmen und einen Turnaround herbeizuführen. Als er im Jahr 1991 den Vorsitz der Geschäftsleitung der traditionsreichen SIA Schweizer Schmirgel- und Schleifindustrie AG in Frauenfeld übernahm, stand das Unternehmen am Abgrund.

Er brachte es auf einen profitablen Erfolgskurs. Es folgten ein Management-Buy-Out, die Umbenennung in Sia Abrasives und ein erfolgreicher Börsengang. Die Sanierung mit strategischer Neupositionierung zog nationale Aufmerksamkeit auf sich. Im Jahr 2002 wurde Peter A. Schifferle als EY Entrepreneur Of The Year Switzerland in der Kategorie Industrie/Hightech ausgezeichnet. Heute gehört Sia Abrasives zur Bosch-Gruppe.

In einer schwierigen Lage befand sich Mitte der 1990-er Jahre auch der Wirtschaftsstandort Thurgau. Der Strukturbericht, den die Regierung vorlegte, zeichnete ein düsteres Bild. Der Bericht stellte einen offenen und schleichenden Abbauprozess fest. Peter A. Schifferle trat im Jahr 1995 in den Vorstand der IHK Thurgau ein. Ein Jahr später übernahm er das IHK-Präsidium. Mit ihm wurde ein charismatischer Unternehmer gewählt, der nicht zum Thurgauer Establishment gehörte.

Massnahmenplan der Wirtschaftsverbände

Schifferle vertrat stets die Meinung, dass der Kanton Thurgau über ein grosses Potenzial verfügt, das ungenügend genutzt wird. Er setzte sich mit Werner Messmer, früherer IHK-Interimspräsident und inzwischen Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes (TGV), hartnäckig für bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein.

Die IHK Thurgau und der TGV erarbeiteten in der Folge ein 38-Punkte-Programm mit konkreten Vorschlägen. Zahlreiche Massnahmen konnten im Dialog mit der Politik umgesetzt werden. Diese liess sich auch davon überzeugen, dass der Thurgau nicht einseitig auf den Abbau von Schulden, sondern zusätzlich auf Steuererleichterungen setzen sollte. Später schloss sich der Verband Thurgauer Landwirtschaft dem Projekt «Chance Thurgau» an. Es gelang, die steuerliche Attraktivität und die Standortqualität zu verbessern.

Die grosse unternehmerische Leidenschaft, mit der Schifferle die SIA vor dem Untergang rettete, übertrug er während 15 Jahren auf die Führungsverantwortung bei der IHK. «Er hat die Chancen stets gesucht und beherzt zugepackt», sagte Peter Spuhler bei der Verabschiedung Schifferles aus dem IHK-Präsidium im Jahr 2011. Er habe frischen Wind in den Kanton gebracht.

Der Aargauer Peter A. Schifferle wurde zu einem grossen Kämpfer für die Interessen des Thurgaus. Nach dem schrittweisen Rückzug aus der operativen und strategischen Führungsverantwortung hatte er mehr Zeit für Jagd, Golf und Rotaryclub. Leider häuften sich zuletzt die gesundheitlichen Probleme. Am Abend des 31. Juli verstarb Peter A. Schifferle in seinem Heim in Weinfelden.

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