Die Frauenfelder Primarschulgemeinde wagt bei den Schülerzahlen einen fast präzisen Blick in die Zukunft

Bauen oder nicht bauen? Das ist bei Schulbauten oft die Frage, weil ein Anstieg der Schülerzahlen schwierig voraussehbar ist. Die Primarschulgemeinde geht den Mittelweg und plant in Huben im Budget 2019 ein Provisorium für bis zu 70 Schüler.

Mathias Frei
Merken
Drucken
Teilen
Am rechten Rand der Schulanlage Huben unterhalb des neuen Kindergartens soll das Provisorium zu stehen kommen. (Bild: Olaf Kühne/Bildbearbeitung: Selina Buess)

Am rechten Rand der Schulanlage Huben unterhalb des neuen Kindergartens soll das Provisorium zu stehen kommen. (Bild: Olaf Kühne/Bildbearbeitung: Selina Buess)

In der Primarschulanlage Huben wird bereits wieder der Platz knapp. Nächsten Sonntag geht es für die Schulbürger im Primar-Budget auch um einen Kredit von 1,35 Millionen Franken für ein Provisorium. Dabei ist es erst acht Jahre her, seit der Sanierung und Erweiterung im Huben zugestimmt wurde. Im Herbst 2012 war Eröffnung. Fehler bei der Kapazitätenplanung kann man der Schulbehörde aber nicht vorwerfen. Huben wurde einfach unerwartet schnell zum Boomquartier. Schulpräsident Andreas Wirth sagt:

«Schülerzahlen beschäftigen jede Schulgemeinde. Es ist eine grosse Herausforderung, Entwicklungen in diesem Bereich genau vorherzusehen.»

Als öffentliche Körperschaft sei man beim Bauen ungleich langsamer als Private, sagt Wirth. Bei grösseren Projekten rechnet er mit vier bis sechs Jahren von der Planung bis zu Realisierung. Planerisch startete die letzte Huben-Erweiterung 2005. Damals hätten sich grössere Überbauungen im Quartier noch nicht abgezeichnet.

Vor zehn Jahren 140 Schüler, heute 50 mehr

Andreas Wirth, Schulpräsident Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Andreas Wirth, Schulpräsident Frauenfeld. (Bild: Donato Caspari)

Dabei ist es nicht so, dass die Primarschulbehörde nicht versucht, die Schülerzahlen vorauszusehen. 2005 gab es im Huben 190 Schüler (ohne Kindergarten). Die Zahlen sanken bis auf 140 im Jahr 2008. Sodann ging man von einem leichten Anstieg aus. Heute sind es im Huben 209 Primarschüler, bis ins Schuljahr 2023/24 sollen es 230 werden. Betreffend Bevölkerungs- und Schülerzahlentwicklung stehe man im engen Austausch mit der Stadt. Einerseits gibt es Zahlenmaterial, wo es Bauland gibt und wie viele Wohneinheiten dort möglich sind. Andererseits ist über das Landinformationssystem bekannt, wo wie viele Personen in welchem Alter gemeldet sind.

Was das Bauland betrifft, so wird Huben kaum mehr wachsen, die Überbauungen Bsetzi, Stadtbach und Gertwies sind bezogen. Relevant ist, ob es Mietwohnungen sind oder Wohneigentum ist. Bei Eigentum rechnet man im Schnitt nach 20 bis 25 Jahren mit einem Wechsel. Wenn eine junge Familie nach Frauenfeld zieht, dauert es im Schnitt vier bis sechs Jahre, bis der Nachwuchs im Kindergarten in Erscheinung tritt. Schwierig für die Planung in den Partnerkindergärten macht es der Umstand, dass die Eltern über ein oder zwei Kindergartenjahre entscheiden können. Es folgen sechs Jahre Primarschule. Danach ist ein Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnung sicher für weitere zehn Jahre irrelevant, bis es zu einem Wechsel respektive zu einer neuen Familie kommt.

So sehen die Container-Schulzimmer in der Schulanlage Auen aus während Sanierungsprojekts. (Bild: Reto Martin, 27.Dezember 2017)

So sehen die Container-Schulzimmer in der Schulanlage Auen aus während Sanierungsprojekts. (Bild: Reto Martin, 27.Dezember 2017)

«Wir können nicht auf Vorrat bauen», sagt Schulpräsident Wirth. Vielmehr gehe es darum, dann Schulraum bereitzustellen, wenn es ihn effektiv braucht. Dabei gelte der Grundsatz, dass ein Kind in seinem Quartier in die Schule geht und dass es möglichst keine Schülertransporte gibt. Die grössten Herausforderungen in Sachen Schülerzahlentwicklung sieht Wirth derzeit im Langdorf am Wellhauserweg und im Erzenholz. Da wäre noch einiges möglich. Aber eben: Vielleicht sieht in fünf Jahren wieder alles anders aus. Nicht zuletzt kommt dazu, dass sich die Vorgaben des Kantons zu schulischen Raumprogrammen verändert. Nebst den eigentlichen Klassenzimmern sind Gruppen- und Therapieräume zu einem wichtigen Arbeitsort geworden.

Es musste schnell gehen

Ob der rasanten Entwicklung im Einzugsgebiet der Schulanlage Huben habe es schnell gehen müssen, sagt Wirth. Die Lösung: ein hochwertiges Provisorium.

«Wir machen mit den Containern im Auen gute Erfahrungen.»

In Falle des Provisoriums östlich des Kindergartens Huben 2 wird jedoch ein eingeschossiger Holzelementbau erstellt, weil er im Gegensatz zu den Auen-Containern wohl länger stehen bleibt und deshalb höhere energetische Anforderungen erfüllen muss. Im Holzbau hat es Platz für 60 bis maximal 70 Schüler. «Wobei das Provisorium nicht von Anfang an voll belegt sein wird.» Daneben gibt es zwei Gruppenräume, einen Vorraum, sanitäre Anlagen und einen Technikraum. Der Umstand, dass in Huben in Doppelklassen, also 1./2. Klasse, 3./4. Klasse und 5./6. Klasse, unterrichtet wird, die jeweils dreifach geführt werden, macht es derzeit einfach, den Zuwachs zu verteilen. Falls die Schülerzahlenspitzen nicht nur temporär wären, müsste man sich Gedanken machen über einen vierten Klassenzug – und über definitive bauliche Massnahmen. Der Schulpräsident sagt:

«Das Provisorium gibt uns etwas Luft für unsere Planungen.»

Bei einem Ja zum Budget sollen im März 2019 die Bauarbeiten beginnen. Auf August 2019 wäre der Bau bezugsbereit.