Interview

Ein enttäuschter Ueli Fisch nach den Thurgauer Regierungsratswahlen: «Das laste ich den Grünen schon etwas an»

Nur 864 Stimmen haben Ueli Fisch für den Einzug in den Regierungsrat gefehlt. Er scheidet als Überzähliger aus. Gewählt sind Urs Martin (SVP) sowie die bisherigen Regierungsräte. 

Larissa Flammer
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GLP-Politiker Ueli Fisch.

GLP-Politiker Ueli Fisch. 

Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Welche Emotion herrscht bei Ihnen vor?

Ueli Fisch: Im Moment ganz klar die Enttäuschung. Wohl nicht viele hätten gedacht, dass es so knapp wird, dass ich vor allem so nah an einen SVP-Kandidat herankomme. Ich auch nicht. Dass über 25'000 Thurgauer doch glauben, dass ich dieses Amt ausführen könnte, das macht mich auch stolz.

Es war ein ruhiger Wahlkampf. Hätten Sie angriffiger auftreten sollen?

Es hätte durchaus Themen gegeben, mit denen ich auf die Person hätte zielen können. Es ist aber nicht meine Art, so Wahlkampf zu machen.

Hätten Sie sich mit den Grünen besser abgesprochen und wären von ihnen unterstützt worden, hätte es vielleicht für Sie gereicht.

Das ist so. Ich hätte meine Kandidatur früher bekannt geben müssen. Aber ich muss auch sagen: Die Grünen wussten früh genug, dass ich mir diese Gedanken nochmals mache. Sie hätten Zeit gehabt, die Kandidatur Bétrisey nicht zu bringen.

«Schlussendlich sieht man klar: Ich war der massiv stärkere Kandidat.»

Das konnte man im Vorfeld schon erahnen. Insofern laste ich es den Grünen schon etwas an, dass sie diese Chance nicht genutzt haben – denn die Gespräche fanden statt.

Es ist wie vor vier Jahren: Sie sind gewählt, scheiden aber als Überzähliger aus. Nur noch sehr viel knapper. Also reicht es in vier Jahren?

In vier Jahren bin ich 61 und wir haben hier ja keine amerikanischen Verhältnisse. Wenn es in den nächsten vier Jahren eine überraschende Vakanz gibt, kann man sich überlegen, ob nochmals jemand kommt. Wir sind jetzt dabei, Leute aufzubauen in der GLP.

«Vielleicht ist es dann jemand anders, der davon profitieren kann, was ich als Vorarbeit geleistet habe.»

Wie lange meine politische Karriere noch dauert, weiss ich nicht. Ich habe gerade mit der Corona-Krise im eigenen Unternehmen ernsthafte Sorgen. Die beherrschen mich im Moment fast mehr als die Regierungswahlen. Das andere schauen wir vorzu.

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