Ein Elternrat soll in Wigoltingen die Brücke zur Schule sicherstellen

Die Wigoltinger Schulbehörde arbeitet auf ein besseres Verständnis mit Schulleitung und Eltern hin.

Hana Mauder Wick
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Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen hat die Mediatorin Annette Beichl beigezogen. (Bild: Andrea Stalder)

Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen hat die Mediatorin Annette Beichl beigezogen. (Bild: Andrea Stalder)

 Der Schulstreit in Wigoltingen zog sich über Monate hin, sorgte für Schlagzeilen in den Medien und für Unruhe in der Schule. Schulbehörde und Schulleitung wollen diese Dynamik durchbrechen. Mehr Transparenz und Information soll das Verständnis zwischen Schulleitung, Behörden und Elternschaft verbessern. Einen ersten Anlauf bot eine Informationsveranstaltung am Wochenende.

«Als weiteren Schritt in eine konstruktive Zukunft»

sagte Schulpräsidentin Nathalie Wasserfallen. Die Mediatorin Annette Beichl führte durch die Informationsveranstaltung. «Weil Emotionen die Aufnahmefähigkeit beeinflussen», sagte sie.

Eltern schreiben ihre Fragen auf gelbe Zettel. (Bild: Andrea Stalder)

Eltern schreiben ihre Fragen auf gelbe Zettel. (Bild: Andrea Stalder)

Die Schulbehörde hatte vier Zimmer mit jeweils einem Themenbereich vorbereitet. Die Fülle von Papier und Plakaten ergänzten Elternfragen. «Es ist wichtig, die Zielsetzungen in der Oberstufe klar zu kommunizieren», erklärte Vizepräsident Hanspeter Brauchli. Wie sieht die Sek in fünf bis zehn Jahren aus? Wo liegen die Mängel im Schulsystem? Oder wie sollen typendurchmischte Stammklassen funktionieren? Eltern nutzten die Gelegenheit, um ihre individuellen Fragen auf kleine gelbe Zettel zu notieren.

Gedränge in den Gängen 

Diese häuften sich Mitte Vormittag auf dem Tisch der Schulbehörde in der Mehrzweckhalle. Hier stand der nächste Punkt des Tages – Raum für Dialog im Plenum – auf dem Programm. Es herrschte volles Haus. Die Moderatorin reichte das Mikrofon von Tisch zu Tisch. Da und dort köchelten noch einmal die Emotionen hoch, aber auch wertvolle Inputs kamen zur Sprache.

Von Gedränge in den Gängen, dem Umgang mit dem Handy, Schutz der Privatsphäre bei Schülern über offene Unterrichtsformen, pädagogische Vorgaben, geplante Lernzentren bis hin zu Schulstruktur und möglichen Finanzierungen in der Zukunft.

Der Infoanlass in Wigoltingen ist gut besucht. (Bild: Andrea Stalder)

Der Infoanlass in Wigoltingen ist gut besucht. (Bild: Andrea Stalder)

Michael Schätzle, Sprecher der IG Wigoltingen, wies auf Mängel in den Bereichen Pädagogik und Raumsituation hin. Es zeigte sich, dass im Publikum die Meinungen nicht auf eine Schiene passten. Ein Teil der Eltern fühlt sich noch zu wenig gehört. Andere wollen nach vorne schauen.

«Wer gehört eigentlich zu dieser IG Wigoltingen?», fragte eine Votantin. «Ich lese von ihr in den Medien. Aber ich bin auch ein Elternteil – und die spricht nicht für mich.» Sie erntete Applaus. Einig war sich das Plenum in einem wichtigen Punkt: Ein Elternrat könnte künftig eine Brücke zur Schulbehörde und Leitung bauen.

Schulleiter Spada will das Gespräch suchen

Die Ereignisse haben von allen Beteiligten ihren Tribut gefordert. «Ich habe noch nie so viel gelernt wie in den letzten paar Monaten», meinte Schulleiter Mirko Spada und betonte, laufende Prozesse künftig mit weniger Tempo anzugehen. Trotz aller Turbulenzen sei man mit einem zum Teil neuen Team gut ins neue Schuljahr gestartet. Jetzt stehen Punkte wie Vertrauensbildung in der Agenda. «Wir müssen das Gespräch suchen.»

Schulbehörde und Schulleiter stellen sich den Fragen. (Bild: Andrea Stalder)

Schulbehörde und Schulleiter stellen sich den Fragen. (Bild: Andrea Stalder)

Demgegenüber stellte eine ehemalige Lehrkraft der Schule fest: «Mir wollte niemand wirklich zuhören. Es geht nicht, dass man sich weiter einen Panzer anzieht. Glaubt mir, euren Kindern geht es so nicht gut.»
Eine Mutter setzte dagegen: «Wir sind so oft durch die Presse gegangen. Ausbaden müssen es die Jugendlichen, die jetzt kurz vor der Berufswahl stehen. Es ist Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen.»