Ein Dorfmarkt oder ein Mitfahrbänkli für Bichelsee-Balterswil? An der Gemeindeversammlung stellt die Jugend Fragen

Obwohl aussergewöhnlich viele Stimmbürger sie besuchten, verliefen die Gemeindeversammlungen von Politischer und Schulgemeinde unspektakulär. In der Pause sorgten sorgten allerdings Jungpolitiker für Abwechslung. 

Roman Scherrer
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Der Bichelseer Gemeindepräsident Beat Weibel durfte eine ruhige Budgetversammlung leiten. (Bilder: Roman Scherrer)

Der Bichelseer Gemeindepräsident Beat Weibel durfte eine ruhige Budgetversammlung leiten. (Bilder: Roman Scherrer)

Da ist etwas im Busch. Das hätte zumindest meinen können, wer am Dienstagabend die Versammlungen von Politischer und Schulgemeinde Bichelsee-Balterswil besucht hat. Die zunächst bereitgestellten Stühle in der Lützelmurg-Turnhalle reichten nämlich bei weitem nicht aus. Mit 142 Stimmberechtigten waren die Versammlungen vergleichsweise sehr gut besucht.

Der Schein trügte. Kein einziges Traktandum war umstritten– weder bei der Politschen Gemeinde noch bei der Schulgemeinde (siehe Kasten). Voten aus der Stimmbürgerschaft waren rar und die allgemeine Umfrage förderte keine überraschende Diskussion zu Tage.

Projekt Jugendpolitik nutzt die Pause

Dennoch verlief der Versammlungsabend nicht ganz wie andere. Grund dafür waren die auffällig vielen jungen Teilnehmer. So nutzte das von Projekt Jugendpolitik, in dem sich Jugendliche mit der Kommunalpolitik auseinandersetzen, die Pause zwischen den beiden Versammlungen, Anliegen in der Bevölkerung auszumachen.

Die Teilnehmer der Gemeindeversammlung konnten ihre Meinung zu drei Themen des Projektes Jugendpolitik auf Flipcharts und Plakate schreiben.

Die Teilnehmer der Gemeindeversammlung konnten ihre Meinung zu drei Themen des Projektes Jugendpolitik auf Flipcharts und Plakate schreiben.

Dazu hängten sie drei Plakate mit je einer Frage an der Hallenwand auf. «Was wären Gründe, dass Sie einen Dorfmarkt besuchen würden?», «Sind Sie zufrieden mit unserem ÖV-Angebot?» und «Würden Sie sich auf ein Mitfahrbänkli setzen?», wollten die Jugendlichen von ihren Mitbürgern wissen. Letztere schrieben ihre Antworten auf die Plakate. Beat Weibel erklärte: 

«Die Jugend wird auch künftig in einer Form ihre Anliegen präsentieren können.»

Der Bichelseer Gemeindepräsident durfte durch eine ruhige Budgetversammlung führen. So genehmigte der Souverän den Voranschlag 2020, der bei Einnahmen von 4,4 Millionen Franken ein Defizit von 276'000 Franken vorsieht, diskussionslos. Ebenso segneten die Stimmbürger den gleichbleibenden Steuerfuss von 49 Prozent und die Investitionsrechnung ab, welche mit Nettoinvestitionen von 650'000 Franken plant.

Nebst zwei Einbürgerungsgesuchen waren auch die drei traktandierten Kreditanträge unumstritten. Die Versammlung genehmigte 319'000 Franken für die Sanierung der Alten Landstrasse in Itaslen, 100'000 Franken für ein neues Kommunalfahrzeug mit Pfadschlitten und 225'000 Franken für ein neues Atemschutzfahrzeug.

Schulbürger genehmigen Investition zum zweiten Mal

Wie die Budgetversammlung der Politischen Gemeinde sorgte auch diejenige der Schulgemeinde Bichelsee-Balterswil für keinerlei Diskussionen. Die Schulbehörde rechnet im kommenden Jahr mit einem Verlust von rund 310'000 Franken. Zudem sind Nettoinvestitionen von 600'000 Franken vorgesehen. Die 142 Stimmberechtigten genehmigten den Voranschlag sowie einen gleichbleibenden Steuerfuss von 98 Prozent einstimmig.

Bereits vor einem Jahr stimmte die Versammlung der Investition über 380'000 Franken für die Sanierung der Aussenfassade der Schulanlage Lützelmurg zu. «Wir haben den Auftrag zu spät ausgeschrieben und deshalb keine Handwerker mehr gefunden, die den Auftrag in den Sommerferien ausführen konnten», erklärte Schulpräsident Daniel Stamm. Die Stimmbürger genehmigten den Betrag als Verpflichtungskredit nun ein zweites Mal. Zum Ende der Versammlung verabschiedete die Schulbehörde Stephan Rüegg, der aus dem Gremium zurückgetreten ist.

Noch kein konkretes Interesse für Landhaus

Der für die Liegenschaften zuständige Gemeinderat Urban Brühwiler informierte über die Landhaus-Sanierung. Im Frühling sollen als letzter Schritt die Malerarbeiten für den Restaurantsitzplatz ausgeführt werden. Brühwiler ergänzte:

«Wir hoffen nun, möglichst bald einen neuen Mieter zu finden.»

Das Anliegen der Bevölkerung, aus dem Restaurant keine «Kebap-Bude» zu machen, nehme man ernst. Beat Weibel ergänzte, man habe Besichtigungen durchgeführt. Konkretes Interesse sei aber noch nicht vorhanden.

Das Bichelseer Landhaus öffnet wieder

An der Budget-Versammlung informierte der Gemeinderat über die Liegenschaft Landhaus. Für das Restaurant konnte er bereits einen neuen Pächter finden, der am Sonntag in seinen Betrieb einlädt.
Roman Scherrer