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Ein Dorf, zwei Kantone: Eine Chronik erzählt die besondere Geschichte von Wilen-Neunforn

Werner Schwendimann war der begnadete Chronist des thurgauisch-zürcherischen Grenzdorfes. Nun ist sein 900 Seiten umfassende Werk digitalisiert worden.
Evi Biedermann
Gäste blättern in den original Dokumenten, die Dorfchronist Werner Schwendimann seinerzeit zusammengetragen hat. (Bild: Evi Biedermann)

Gäste blättern in den original Dokumenten, die Dorfchronist Werner Schwendimann seinerzeit zusammengetragen hat. (Bild: Evi Biedermann)

«Einen Versuch, die wohl seltene Geschichte des thurgauisch-zürcherischen Grenzdorfes Wilen zusammenzufassen», nennt Werner Schwendimann im Vorwort sein Werk. «Ich hoffe, dass sich ein Nachfolger finden lässt, der dieses Provisorium zu einer perfekten Chronik verarbeitet», schreibt der 1991 im Alter von 78 Jahren verstorbene Dorfhistoriker.

Der Wunsch hat sich erfüllt, doch liegt die Perfektion nicht bei etwaigen Ergänzungen zu einer äusserst detaillierten Arbeit, sondern in der Technik. Die 900 Seiten von Schwendimanns Originalfassung lagerten bislang in Zeigetaschen. Doch es nagt der Zahn der Zeit an den wertvollen Dokumenten: Die Schriften beginnen sich zunehmend aufzulösen, bedingt durch Weichmacher in den Mäppchen. Schliesslich half nur noch eines: Digitalisieren. In die Wege geleitet haben diesen Schritt die beiden Wilener Helen Wiesmann und Gilg Stüssi sowie Daniel Reutimann, Präsident der Museumskommission Stammertal.

Der Zeitgeist der vergangenen hundert Jahre


So lagen denn Ende vergangener Woche in der Scheune von Wiesmanns drei frisch gedruckte Exemplare der digitalisierten Chronik zur Ansicht. Die meisten Hände griffen jedoch nach den Ordnern mit den Originalen, wenn diese denn mal frei waren. Es schien, als würden die mit Fingerabdrücken übersäten und zum Teil etwas zerknitterten Zeigetaschen den Zeitgeist der vergangenen hundert Jahre erlebbarer machen. Emotionen erzeugten vor allem die vielen zum Teil sehr alten Fotos, denn viele der etwa 50 Anwesenden entdeckten Bilder ihrer Angehörigen, die sie nie zuvor gesehen hatten.

«Wer ist denn das neben mir?»

«Schau mal, der Götti», «Da, meine Mutter als junge Frau», oder «Wer ist denn das neben mir?» – solche und ähnliche Sätze hörte man immer wieder. Die Chronik sahen viele zum ersten Mal. Koni Wiesmann attestierte dem Werk einen unschätzbaren Wert. «Die Chronik ist wichtig für die Geschichte und noch wichtiger für unsere Nachkommen», sagte er in seinem Grusswort. Gilg Stüssi erinnerte daran, dass das menschliche Gedächtnis vergesslich sei. «Deshalb müssen wir weiterhin aufschreiben und dokumentieren, was uns erinnerungswürdig erscheint.»

Eine grosse Liebe zum Dorf spricht aus der Chronik

Die Chronik ist mit vielen Dokumenten, Texten, Listen und Bildern bestückt. Die meisten brauchen keine Erklärung, doch wo nötig, hat Schwendimann eigene Texte dazu geschrieben. Zudem hat er Einzelpersonen und Familien porträtiert, die zwischen 1900 und 1950 «treibenden Kräfte zum Wohle des Dorfes» aufgelistet. Er hat sowohl die gesellschaftliche als auch die wirtschaftliche und politische Entwicklung von Wilen sehr genau beobachtet.

Man spürt eine grosse Verbundenheit zu seinem Dorf und staunt über das einst aktive Vereinsleben. So gab es im Dorf schon an der Wende zum 20. Jahrhundert einen Töchterchor und einen Männerchor, später gründeten die Schützen, Armbrustschützen und Turner eigene Vereine. Auch einen Eishockeyclub gibt es.

Dokumentiert ist auch die «Übereinkunft zwischen den Kantonen Zürich und Thurgau betreffend die Grenzortschaften zürcherisch und thurgauisch Wylen», und wie das steuerlich geregelt war. Das zeigen Regierungsprotokolle von 1895.

Die Originalbände sind in Stammheim

Die drei Originalbände der Wilemerchronik sind in der Bibliothek des Museums Stammertal aufbewahrt, im Keller des Gemeindehauses in Unterstammheim. Dort können sie auf Anfrage vor Ort eingesehen werden. Eine digitalisierte Wilemerchronik wurde der Familie Schwendimann übergeben, das zweite Exemplar befindet sich in der Bibliothek des Museums Stammertal, das dritte ist für die Wilemer: Einwohner und Einwohnerinnen, Bürger von ehemals Thurgau Wilen oder von Oberstammheim sowie Freunde und Interessierte.
Für die Ausleihe ist Margrit Plüer, Wilen, zuständig:
Telefon 052 745 24 39
. (bie)

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