Ein Defizit liegt noch drin in Hüttlingen

Die gut besuchte Bechtelisgemeinde in Hüttlingen sagt Ja zum Budget 2019 mit unverändertem Steuerfuss von 54 Prozent. Doch schon im nächsten Jahr könnte eine Erhöhung des Satzes anstehen.

Stefan Hilzinger
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Gemeindepräsident Florian Ibig (rechts) überreicht dem neu gewählten Gemeinderat Thomas Brändle ein Präsent. (Bild: Donato Caspari)

Gemeindepräsident Florian Ibig (rechts) überreicht dem neu gewählten Gemeinderat Thomas Brändle ein Präsent. (Bild: Donato Caspari)

Florian Ibig fand keinen Sponsor. «Möchte jemand das Defizit übernehmen?», fragte der Hüttlinger Gemeindepräsident gegen Ende der Bechtelisgemeinde in die Runde. 199 Stimmberechtigte waren in die Mehrzweckhalle gekommen, um das Budget 2019 zu beraten und einige Sachgeschäfte zu entscheiden. Auf die nicht ernst gemeinte Frage gab es keine Antwort aus dem Plenum, und so bleibt es am Gemeinderat, eine Lösung zu finden, wie die Gemeinderechnung künftig entlastet werden kann.

«Zwei Drittel des Defizites sind strukturell»

Für 2019 rechnet der Rat bei einem Ertrag von 2,7 Millionen Franken und einem Aufwand von 3,1 Millionen Franken mit einem Defizit von knapp 390000 Franken. «Zwei Drittel dieses Defizits sind strukturell, das heisst der Gemeinderat kann dies kaum aus eigener Kraft verbessern», sagte Ibig. Er erwähnte unter anderem die Kosten für das Gesundheitswesen.

Strukturell benachteiligt sei die Gemeinde halt auch, weil sie flächenmässig gross sei, aber nur wenig Einwohner zähle. «Felben-Wellhausen ist fast gleichgross wie wir, hat aber dreimal so viele Einwohner». Das Defizit zu Lasten des Eigenkapitals müsse für 2019 noch einmal hingenommen werden. Doch für 2020 dürfte wohl eine Erhöhung des Steuerfusses zur Diskussion stehen. «Ist besser, ich erwähne das heute schon», sagte Ibig. Die Versammlung bewilligte das Budget samt unverändertem Steuerfuss von 54 Prozent einstimmig.

Bahnhofstrassen werden zu Baustellen

Ende Januar beginnen die Bauarbeiten für Sanierung und Ausbau der Mehrzweckhalle, parallel dazu wird der Sportplatz erneuert und die Hüttlinger Bahnhofstrasse entwässert. «Wir wollten die Arbeiten daran schon im Herbst beginnen, haben aber die Bewilligung des Kantons noch nicht erhalten», sagte Ibig. Nun stellte Gemeinderat Manfred Manser auch ein Projekt zur Entwässerung der Bahnhofstrasse in Mettendorf vor. Hier dürfe nicht mehr einfach über die Strassenschulter entwässert werden.

Gegen den Betrag von 400000 Franken regte sich Widerstand, weil manche sich fragten, warum die Entwässerung nicht schon bei der letzten Sanierung der Strasse eingebaut worden sei. «Das ist jetzt 20 Jahre her und eine andere Lösung gibt es nicht», sagte Manser. Schliesslich passierte der Kredit bei einigen Nein-Stimmen und Enthaltungen deutlich.

Ja sagte die Versammlung ferner zur Sanierung der Burgstrasse zwischen Geigenhof und Harenwilen sowie zum Ersatz von Wasserleitungen und Elektro-Anlagen im Oberdorf Eschikofen.

Gemeinderat für die neue Legislatur bestimmt

Mit 183 von 199 Stimmen wählte die Versammlung Florian Ibig zum Gemeindepräsidenten für die Legislatur 2019 – 2023. Bestätigt wurden Frank Zehnle (180), Jan Müller (179) und Brigitte Hascher (185). Neu in den Gemeinderat zieht der 37-jährige Forstspezialist und vierfache Vater Thomas Brändle (183 Stimmen). Er ersetzt Manfred Manser, der Ende Legislatur aufhört.

Nach der Versammlung die Verpflegung


Die Bechtelisversammlung findet in Hüttlingen jeweils am ersten Samstag nach Neujahr statt. Nach der gewalteten Diskussion über Budget und Baukredite begeben sich die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in die Restaurants der Gemeinde. Dort essen sie das traditionelle Bechtelismahl, dessen Kosten die Gemeinde übernimmt. Die Bezahlung erfolgt mit den eigens dafür ausgegebenen Bechtelistalern.

Wohl deswegen gehört die Budgetversammlung der Thurtalgemeinde zu einer der am besten besuchten des Kantons. Auch heuer waren wieder 199 Stimmberechtigte von 602 Stimmberechtigten anwesend, was einer Beteiligung von stolzen 33 Prozent entspricht.

In diesem Jahr musste wegen der kulinarischen Tradition sogar die Traktandenliste angepasst werden. Die langjährige Rössli-Wirtin Mira Wullschläger, eine gebürtige Kroatin, wurde nebst vier anderen Gesuchstellern mit grossem Mehr eingebürgert. Das Traktandum wurde vorgezogen, damit der Wirtin danach noch genügend Zeit blieb, Salzissen und Kartoffelsalat vorzubereiten. (hil)

HÜTTLINGEN: Auch die Lehmschicht hilft nichts

Weil Schulanlage und Bahnhofstrasse in einer Schutzzone liegen, muss die Gemeinde das Oberflächenwasser separat ableiten. Die Gemeindeversammlung sagte murrend Ja zu einem Sanierungskredit.
Stefan Hilzinger