Interview

«Ein Burn-out war der Auslöser»: Der Wallenwiler Kampfkunstlehrer Roland Mötteli bietet nun auch Samurai-Workshops an

Kampfkunstpädagoge Roland Mötteli unterrichtet in Wallenwil neu auch die Methoden der Samurai.

Christoph Heer
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Konzentriert: Roland Mötteli in seinem Wallenwiler Dojo.

Konzentriert: Roland Mötteli in seinem Wallenwiler Dojo.

Bild: PD

Nach 20 Jahren Judo-Unterricht hat sich Roland Mötteli einst aus gesundheitlichen Gründen auf die Kampfkunst Shozindo spezialisiert. In seinem Wallenwiler Dojo, das demnächst nach Weinfelden umzieht, bietet der bald 64-Jährige nun auch Samurai-Workshops an.

Roland Mötteli, wie kamen Sie auf die Idee mit den Samurai-Workshops?

Roland Mötteli: Auch in meiner früheren langjährigen Tätigkeit in der Finanzbranche nahm ich meine Aufgaben ernst und stellte mich ganz in den Dienst meiner Mandanten. Ich war jederzeit erreichbar und genau dieses Engagement ging nach beinahe 20 Jahren nicht spurlos an mir vorüber. 2013 diagnostizierte mein Arzt eine Erschöpfungsdepression, also ein Burn-out. Die anspruchsvollen, aber auch wertvollen Erfahrungen, die ich während der folgenden Monate gemacht habe, gebe ich nun in den Samurai-Workshops weiter.

Was beinhaltet das genau?

Im Zentrum der Samurai-Workshops stehen Achtsamkeit und Wahrnehmung. Und zwar auf den Ebenen des Denkens, Sprechens und Handelns. Die zahlreichen Übungen und Experimente zielen darauf ab, die dem Menschen angeborene Intuition wieder zum Leben zu erwecken. Basis dafür bilden Methoden und Techniken der japanischen Kampfkünste.

Gesund werden und gesund bleiben mit Samurai-Workshops?

Absolut. Meine jahrelange Budo-Erfahrung und die sich dadurch entwickelte Körperwahrnehmung half mir, die Burn-out-Symptome frühzeitig wahrzunehmen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen. Ohne diese ereilen einen Schicksalsschläge unverhofft und vielfach aus dem Hinterhalt.

Sind die Workshops für jedermann geeignet?

Meine Erfahrung zeigt, dass der grösste Nutzen dann entsteht, wenn Teilnehmende nach Möglichkeiten suchen, sich selbst zu finden. Innere Ruhe, Gelassenheit, ein ausgeglichenes Dasein zwischen Spannung und Entspannung. Und die meisten Kursbesucher wünschen sich auch, dass sie lachen dürfen und etwas über die Samurai erfahren. Alle, die sich mit diesen Aussagen angesprochen fühlen, sind für meine Workshops geeignet, denn die Teilnehmenden lernen, die täglichen Routinen zu durchbrechen und immer wieder das Hier und Jetzt.

Dazu unterrichten Sie nun auch noch Towado. Was ist das denn?

Towado ist eine Schwertkunst, welche ich aus Iaido, dem Weg des Schwertziehens, und Karate, dem Weg der leeren Hand, entwickelt habe. Während der Lektionen lernen die Praktizierenden eine exakte Schwertführung, also das Ziehen, Schneiden, Reinigung und Zurückführen sowie die mentalen Kräfte einzusetzen. Towado ist eine edle, etwas mystische Kampfkunst, welche zur Hauptsache alleine ausgeführt wird. Die Bewegungen sollen nicht mechanisch ausgeführt werden, sondern beseelt und somit mit Leben gefüllt werden.

«Alles, was ich in die Hand nehme, kann ich zum Schlechten oder zum Guten verwenden», sagt Roland Mötteli.

«Alles, was ich in die Hand nehme, kann ich zum Schlechten oder zum Guten verwenden», sagt Roland Mötteli.

(Bild: ZVG)

Das Schwert für Körper, Geist und Seele?

Das Schwert ist Kunst und Waffe zugleich. Der Umgang und die Einstellung dazu macht es zu einem Mittel, Freundschaften zu trennen, oder Menschen zu verbinden. Alles, was ich in die Hand nehme, kann ich zum Schlechten oder zum Guten verwenden. Es liegt in meiner Hand. Die Schwertkunst ist geprägt von höchster Präzision und Präsenz. Der achtsame Umgang mit dem Samurai-Schwert hilft, auch achtsamer im Tagesablauf zu sein.

Bereits seit 1993 unterrichten Sie in Wallenwil Shozindo. Wie kam es dazu?

Ich war früher geplagt von regelmässigen Rückenbeschwerden. Von einfachen Blockaden des Iliosakralgelenkes bis hin zu mehreren Diskushernien habe ich alles kennen gelernt. Selbst von mehrfachen Wirbelbrüchen blieb ich nicht verschont. Daher musste ich meine 20-jährige Judo-Praxis beenden und eine Alternative im Bereich der japanischen Kampfkünste suchen.

Und weshalb Shozindo?

Shozindo wurde in Zusammenarbeit mit Yoga- und Tai-Chi-Lehrern sowie Physiotherapeuten und Osteopathen entwickelt. Es beinhaltet zahlreiche gesundheitsfördernde Übungen und verzichtet trotzdem nicht auf die Eigenschaften der traditionellen, japanischen Kampfkünste. Zudem suchte ich eine Kampfkunst, in welcher die Gesundheit im Mittelpunkt steht und nicht der Wettkampf.

Trainieren ja, Wettkämpfe nein

Roland Mötteli führt in Wallenwil eine asiatische Kampfkunst-Schule. Der Wiler betrieb früher Judo, hat sich aber seit 20 Jahren dem Shozindo verschrieben. Shozindo ist eine Mischung aus Karate, Judo und Aikido.
Urs Nobel