Im Thurgau erhalten einige Dutzend Ärzte Spenden der Pharmaindustrie

Am stärksten profitiert die Spital Thurgau AG. Daneben gehören im Thurgau auch einige Dutzend Ärzte auf der Liste der Empfänger von Spenden der Pharmafirmen. Diese dürfen dafür beispielsweise an der Jahresversammlung der Ärztegesellschaft einen Stand betreiben.

Thomas Wunderlin
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Die Thurgauer Ärzte dürfen ihren Patienten Medikamente verkaufen: Blick in Freidorfer Arztpraxis. (Bild: Archiv)

Die Thurgauer Ärzte dürfen ihren Patienten Medikamente verkaufen: Blick in Freidorfer Arztpraxis. (Bild: Archiv)

Meist sind es ein paar hundert, manchmal einige tausend Franken. Empfänger sind etwa fünf Dutzend Ärzte aus dem ganzen Kanton Thurgau. Sie gehören zu den Schweizer Ärzten, Spitälern und Gesundheitsorganisationen, die laut «Beobachter» in den letzten drei Jahren fast eine halbe Milliarde Franken von den Pharmaherstellern erhalten haben.

2014 hat sich die Branche neue Transparenzregeln für den Umgang mit Spenden und Sponsoring gegeben. Die rund 60 in der Schweiz tätigen Firmen veröffentlichen seither die Namen der von ihnen beglückten Akteuren des Gesundheitswesens, sofern die Empfänger damit einverstanden sind.

Patient findet Spenden kaum heraus

Die heikle Frage ist, ob sich ein Arzt bei der Verschreibung eines Medikaments von einer Spende beeinflussen lässt. Ein Patient kann kaum herausfinden, ob sein Arzt von einer Pharmafirma einen Beitrag erhalten hat. Dazu müsste er die Websites aller Pharmafirmen durchsuchen. Und auch dann wird er nicht fündig, falls sein Arzt einer Veröffentlichung nicht zugestimmt hat. Der «Beobachter» und das deutsche Rechercheportal «correctiv» haben im Sommer 2017 die auf den Websites der Schweizer Pharmafirmen verzeichneten Spenden der Jahre 2015 und 2016 zusammengesucht, die bislang letzte Übersichtsdarstellung.

Mark Ebneter, Thurgauische Ärztegesellschaft. (Bild: Archiv)

Mark Ebneter, Thurgauische Ärztegesellschaft. (Bild: Archiv)

Die Zuwendungen der Pharmafirmen seien immer an einen bestimmten Zweck gebunden, sagt Mark Ebneter, Chefarzt in der Privatklinik Clienia Littenheid AG, im Vorstand der Thurgauischen Ärztegesellschaft für Public Relations verantwortlich.

Kugelschreiber mit Namen des Präparats ist unzulässig

Beispielsweise lade man an eine Veranstaltung bewusst immer mehrere Firmen ein, um keine zu bevorzugen. Diese könnten im Foyer einen Stand betreiben, hätten aber auf den fachlichen Teil keinen Einfluss. Das sei jeweils auch bei der Jahresversammlung der Thurgauischen Ärztegesellschaft der Fall.

Mark Ebneter: "Die Richtlinien sind in den letzten Jahren deutlich verschärft worden."

«Wenn ein Vertreter mit einem neuen Präparat auf Besuch kommt, darf er heute nicht einmal mehr einen Kugelschreiber mit dem Namen des Präparats abgeben, höchsten der Firmenname ist zulässig.», sagt Ebneter. Teilweise übernehmen die Pharmafirmen einen Teil der Reisekosten für einen Kongressbesuch; der betreffende Arzt muss aber den Hauptteil selber zahlen.

Ebneter erwähnt als Beispiel einen Kongress in Berlin; an die gesamten Kosten für Reise, Hotel und Kongressbesuch von 3000 Franken geht vielleicht ein Drittel auf Kosten der Pharmafirma. Die Firmen entschädigen auch Ärzte, die als Referenten an einer Fachtagung über ihre Erfahrungen mit einem neuen Medikament berichten.

Spital Thurgau AG hält sich an Kodex

Unter den Empfängern im Kanton Thurgau stechen die Kantonsspitäler hervor. Sie erhielten 2015 und 2016 rund 150000 Franken. Die Spital Thurgau AG hat sich laut CEO Marc Kohler vertraglich verpflichtet, die Regeln des Pharma-Kooperations-Kodex einzuhalten. Sämtliche Sponsoring-Beiträge an Ärzte der Spital Thurgau AG oder diese selber seien «im voraus zu deklarieren und bei uns intern zu bewilligen». Die Zahlungen würden nicht an die Ärzte, sondern auf Konti der Spital Thurgau erfolgen.

Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. (Bild: Reto Martin)

Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. (Bild: Reto Martin)

Die Ärzte haben damit laut Kohler «keinerlei persönlichen Nutzen», und damit bestehe auch keine Beeinflussung. Verwendet werde das Geld der Pharmafirmen, um externe Kosten, zum Beispiel Kongressgebühren, für die vorgeschriebenen Weiterbildungen der Ärzte teilweise zu finanzieren. «Die effektiven externen Weiterbildungskosten», schreibt Kohler, «können damit allerdings nur zu einem geringen Teil gedeckt werden.»