Ein Annäherungsversuch in Lommis: Der Chraiehof will fürs Dorf Kultur-Treffpunkt werden

Der Lommiser Gemeinderat Josef Schönenberger und die Leiterin des Chraiehofs, Tanja Baer, wollen einen kulturellen Treffpunkt gründen. Sie erhoffen sich einen positiven Nebeneffekt für das Dorf und die Wohnstätte

Roman Scherrer
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Der Lommiser Gemeinderat Josef Schönenberger und die Leiterin des Chraiehofs, Tanja Baer, im Aufenthaltsraum der Wohn- und Werkstätte.Bild: Roman Scherrer

Der Lommiser Gemeinderat Josef Schönenberger und die Leiterin des Chraiehofs, Tanja Baer, im Aufenthaltsraum der Wohn- und Werkstätte.Bild: Roman Scherrer

Josef Schönenberger gibt nicht so schnell auf. Der Lommiser Gemeinderat vereint in seinem Ressort die Themen Kultur und Freizeit. Bereits 2017 suchte er einen Raum für den Tausch von Büchern in der Gemeinde. Ein Angebot, das auch er gerne nutzen würde.

«Ich bin ein Vielleser und tue mich schwer damit, Bücher fortzuwerfen.»

Mit dem Vorhaben sei er auf grosses Interesse gestossen, sagt Schönenberger. Einen geeigneten Raum dafür hat er aber bisher nicht gefunden. Er kenne Beispiele aus Frauenfeld oder Weinfelden, wo man Bücher in alten Telefonkabinen tauschen könne. «Das will ich aber nicht. Ich will dort nicht täglich aufräumen müssen», erklärt Schönenberger. Als er wegen einer anderen Sache kürzlich ein Gespräch mit der Leiterin der Chraiehofs, Tanja Baer, führte, kamen sie auf Josef Schönenbergers Anliegen zu sprechen.

Aufenthaltsraum am Abend kaum genutzt

Die beiden spannen den Gedanken weiter. Schönenberger erinnerte sich, dass im Chraiehof – einer Wohn- und Werkstätte für psychisch kranke Erwachsene – bereits einmal die Präsentation für das Lommiser Jahrbuch stattfand. Schnell war die Idee geboren, im Aufenthaltsraum des Chraiehofs eine Art kulturellen Treffpunkt zu veranstalten. Tanja Baer sagt:

«Der Raum ist am Abend sowieso meistens leer.»

Für die 25 Bewohner sei es keine Belastung, wenn immer wieder mal Besucher von Veranstaltungen vorbeikommen. «Es wäre dann problematisch, wenn das täglich der Fall wäre», erklärt die Chraiehof-Leiterin. Einige der Bewohner würden aber selber gerne an solchen Anlässen teilnehmen. Schönenberger ergänzt:

«Die Veranstaltungen würden sowieso höchstens einmal pro Monat stattfinden.»

Baer und Schönenberger sind sich einig, in der Gemeinde besteht ein Bedürfnis nach kulturellen Anlässen. Man wolle damit aber nicht die Massen anziehen. Von einem regelmässigen Treff erhoffen sich die beiden vielmehr einen positiven und nicht unwesentlichen Nebeneffekt. «Wir wollen die drei Dörfer in der Gemeinde und die Bewohner des Chraiehofs einander näher bringen», sagt Josef Schönenberger. Immer wieder würden im Dorf Fragen auftauchen, welche die Chraiehof-Bewohner betreffen. Die Wohnstätte sei in der Vergangenheit auch eher isoliert gehalten worden, erklärt Tanja Baer.

«Und es ist klar, dass bei manchen Leuten vielleicht ein mulmiges Gefühl entsteht, wenn von psychisch kranken Menschen die Rede ist.»

Der kulturelle Treff im Chraiehof soll dem nun entgegenwirken. Vorlesungen, Vorträge, Konzerte, Kochen im Freien oder ein seltenes Handwerk vorstellen – Schafe scheren zum Beispiel; an Ideen für Veranstaltungen mangelt es Baer und Schönenberger nicht.

Die Präsentation des Lommiser Jahrbuchs 2018 im Aufenthaltsraum des Chraiehofs. (Bild: PD)

Die Präsentation des Lommiser Jahrbuchs 2018 im Aufenthaltsraum des Chraiehofs. (Bild: PD)

Am Montagabend ist die Lommiser Bevölkerung in den Aufenthaltsraum des Chraiehofs eingeladen, um weitere Ideen und Bedürfnisse auszutauschen. «Ich bin gespannt, welche Vorschläge kommen», sagt Josef Schönenberger. Er suche unter anderem noch einen geeigneten Namen für den kulturellen Treffpunkt.

Ideenaustausch am «Grossen Lommiser Tisch» heute Montagabend, um 19.30 Uhr, im Aufenthaltsraum des Chraiehofs.