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Eigene Kinder intim berührt: Familienvater stand vor Bezirksgericht Münchwilen

Wegen sexueller Handlungen mit Kindern, Schändung und Pornografie stand am Dienstag ein 57-jähriger Mann vor Gericht. Er gestand teilweise.
Olaf Kühne
Das Bezirksgericht in Münchwilen. (Bild: Roman Scherrer)

Das Bezirksgericht in Münchwilen. (Bild: Roman Scherrer)

Das mit der Tochter, das sei schon sexuelle Absicht gewesen, sagte der Angeklagte. Das mit dem Sohn aber sicher nicht.

Die Vorsitzende des Bezirksgerichts Münchwilen hatte den Mann nach dem gefragt, was auch in der Anklageschrift stand: Vor über fünf Jahren kam es in einer Thurgauer Familie über einige Monate wiederholt zu sexuellen Übergriffen vom Vater, dem Angeklagten, auf zwei seiner drei Kinder. Die Tochter war damals gut dreizehn Jahre alt, der Sohn sieben Jahre.

Im Internet pornografische Texte gelesen

Laut Anklageschrift sind die Kinder häufiger, aber niemals zusammen, an Wochenenden ­morgens ins elterliche Bett ­gekrochen, um zu kuscheln. In mindestens drei Fällen habe der Vater dabei seine Tochter intim berührt und sich selber an ihr gerieben. Vor Gericht gestand er gestern, dabei sexuell erregt gewesen zu sein.

Bei sehr ähnlichen Vorkommnissen mit seinem Sohn hingegen habe Erregung keine Rolle gespielt. Er habe ihn zwar ebenfalls intim berührt, sich aber nicht an ihm gerieben oder Vergleichbares gemacht. Auf die Frage der Richterin, was er sich denn dabei gedacht habe, blieb dem Angeklagten lediglich die Antwort: «Nicht allzu viel.» Auch betonte er, dass er jeweils sofort von seiner Tochter abgelassen habe, wenn diese sich abwandte oder seine Hand wegschob.

«Ich wollte nur schauen, ob so etwas im Internet wirklich so einfach zu finden ist.»

Nichts mit seinen eigenen Kindern hatte der Anklagepunkt der Pornografie zu tun. Ein Jahr vor den sexuellen Handlungen hatte der Mann im Internet mit Stichwörtern nach Kinderpornografie gesucht und dabei laut Anklage «Texte mit verbotenem, kinderpornografischem Inhalt konsumiert». Er habe nur schauen wollen, ob so etwas wirklich so einfach zu finden sei im Internet, erklärte sich der Mann.

Die Ermittler fanden die Texte auf einer alten, ausgebauten Festplatte – im automatischen Zwischenspeicher. Vorsätzlich gespeichert habe er die Dateien hingegen nicht, beteuerte der Angeklagte. Ein juristisch bedeutendes Detail. Betonte doch sein Verteidiger, dass vor sieben Jahren der Konsum von Kinderpornografie noch gar nicht strafbar gewesen sei, nur deren Besitz. Folglich forderte er in diesem Punkt für seinen Mandanten einen Freispruch. Wie auch bezüglich der Übergriffe des Angeklagten auf seinen Sohn. Weil hier eben die sexuelle Komponente nicht erwiesen sei.

Die Staatsanwältin hingegen beharrte auf ihren Anklagepunkten und forderte eine bedingte Gefängnisstrafe von 24 Monaten; abzüglich der 26 Tage, welche der Angeklagte in Untersuchungshaft sass. Der Verteidiger verlangte neun Monate bedingt.

Von der Gerichtsverhandlung waren beide Kinder dispensiert. Der Opferanwalt berichtete indes, dass die heute erwachsene Tochter nach wie vor unter den Taten ihres Vaters leidet. Nach Klinikaufenthalten lebt sie bei einer Pflegefamilie und hat gar eine Invalidenrente zugesprochen erhalten, weil mehrere Anläufe für eine Berufsausbildung gescheitert waren. Den Kontakt zu ihren Eltern hat sie abgebrochen, während die restliche Familie nach wie vor zusammen lebt – und ebenfalls therapeutisch betreut wird.

Opfer zu alt für Schändung

Nach mehrstündiger Beratung sprach das Bezirksgericht Münchwilen den Angeklagten wegen sexuellen Handlungen mit Kindern und Pornografie schuldig, von der Schändung sprach es ihn hingegen frei. «Das ist eine sehr rechtliche Frage», sagte die Richterin. Gemäss Lehrmeinung dürfe ein Kind höchstens vier Jahre alt sein, oder beim Opfer müsse es sich um eine sogenannt widerstandsunfähige Person handeln. Bei einem normal entwickelten Siebenjährigen könne man nicht von Schändung sprechen.

Die pornografischen Texte wiederum seien auf seiner Festplatte gefunden worden, führte die Richterin weiter aus, folglich habe er sie besessen, was auch schon 2012 strafbar gewesen sei. Zu den sexuellen Handlungen schliesslich sagte die Richterin, dass sich diese zwar «am unteren Rahmen bewegten». Weil der Angeklagte sie aber an den eigenen Kindern vorgenommen habe, wögen sie dennoch schwer. Das Urteil: 20 Monate bedingt.

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