E-Mobilität
«Für die Stadt ein Nullsummenspiel»: Im Juli kehren E-Scooter für knapp zwei Jahre zurück nach Frauenfeld

Ab 3. Juli sind die E-Scooter zurück auf Frauenfelds Strassen. Die Spielregeln bleiben grosso modo dieselben. Hier gibt's die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Samuel Koch
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Solche E-Trottinetts des schwedischen Anbieters Voi gehören bald wieder ins Strassenbild der Stadt Frauenfeld.

Solche E-Trottinetts des schwedischen Anbieters Voi gehören bald wieder ins Strassenbild der Stadt Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

1. Für welchen Zeitraum kommen die E-Scooter zurück?

Nach dem letztjährigen Testlauf für 90 Tage sind die E-Trottinetts des schwedischen Anbieters Voi vom 3. Juli bis Ende März 2023 für einen ausgedehnten Versuchsbetrieb wieder verfügbar. In seinem Beschluss bezieht sich der Stadtrat – anders als während der Testphase – auf einen gesteigerten Gemeingebrauch. «Die Stadt will das Angebot als Ergänzung zur bestehenden Mobilität auf ihre Langfristigkeit und Saisonalität prüfen», sagt Robert Scherzinger, Abteilungsleiter Stadtplanung. Dafür hat die Stadt mit Voi einen Vertrag unterzeichnet, der für die Dauer des Versuchsbetriebs mögliche weitere Anbieter ausschliesst.

2. Wie viele E-Scooter sind im Einsatz?

Im Gegensatz zum Vorjahr mit rund 100 E-Trottinetts sind ab dem 3. Juli mit 200 Geräten rund doppelt so viele verfügbar. Scherzinger sagt:

«Die Nachfrage ist da. Und letztes Jahr hat sich gezeigt, dass gerade abends und an Wochenende zu wenig Scooter vorhanden waren.»
Robert Scherzinger, Abteilungsleiter Stadtplanung.

Robert Scherzinger, Abteilungsleiter Stadtplanung.

Bild: Andrea Stalder

Es werden «Voiager 3X» eingesetzt, welche bereits im zweiten Teil des letztjährigen Testlaufs zur Verfügung standen. Zudem sei der Einsatz der neuesten E-Scooter-Generation denkbar. «Beide Versionen sind modern und einfach im Unterhalt», sagt Scherzinger. Denn die Stadt habe Wert darauf gelegt, dass möglichst wenig Lärm entsteht und Voi vorwiegend erneuerbare Energiequellen verwendet. «Voi tauscht die leeren Batterien aus und muss selten ganze Scooter mit Lieferwagen vom Abstell- zu den vorgesehenen Parkplätzen transportieren», sagt Scherzinger. Zudem geschieht der Transport voraussichtlich ab August mit E-Fahrzeugen.

3. Wo kann man sich mit den E-Scootern bewegen?

Der Rayon bleibt vorerst identisch mit jenem während des Versuchsbetriebs 2020. So sind die Scooter grundsätzlich überall freischaltbar, können jedoch bloss innerhalb des Stadtgebietes und Gerlikon wieder abgestellt und gesperrt werden. Ausreisser wie im Vorjahr, als einzelne E-Trottinetts in Nachbargemeinden wie Felben-Wellhausen oder Uesslingen-Buch gefunden worden sind, soll es nicht mehr geben. «Wer sein Gerät ausserhalb des Rayons nicht mehr sperrt, muss mit einer Busse rechnen, die der Betreiber verschickt», sagt Scherzinger.

Weiterhin Sperrzonen zum Abstellen sind etwa auch die Grosse Allmend, der Murg-Auen-Park oder Waldabschnitte. Voraussichtlich unverändert bleibt auch die Langsamverkehrszone mit 5 statt 20 km/h auf der Zürcherstrasse in der Altstadt. Vorgesehen ist auch ein Belohnungssystem. Wer den E-Scooter an dafür vorgesehenen Parkplätzen abstellt, bekommt vom Anbieter eine kleine Gutschrift. Scherzinger sagt dazu:

«Dafür müssen wir aber zuerst noch Erfahrungen sammeln und geeignete Standorte definieren.»

4. Was verändert sich für die Nutzerinnen und Nutzer?

Im Gegensatz zum Vorjahr wenig. Mit dem Download der Voi-App erhalten sie gegen Entgelt ein zusätzliches Mobilitätsangebot. Wer es nutzen will, zückt sein Smartphone, fotografiert mit nach erstmaliger Registration mit der Voi-App den QR-Code auf der Lenkstange, entsperrt den Scooter und zieht vor der Fahrt mit rund 20 km/h möglichst noch einen Helm an. Für zusätzliche Sicherheit im Strassenverkehr sorgen zwei Bremsen, wie beim Velo je eine vorne und hinten. Eine Entsperrung kostet einmalig einen Franken, jede Fahrminute weitere 39 Rappen. Für Dauerfahrer gibt es Tages- und Monatspässe.

Zugangs-QR-Code zum Entsperren eines E-Scooters.

Zugangs-QR-Code zum Entsperren eines E-Scooters.

Bild: Reto Martin

5. Welche Regeln gelten im Strassenverkehr?

Wer mit einem E-Scooter unterwegs ist, muss gemäss Anbieter 18 Jahre alt sein und sich an die gängigen Regeln im Strassenverkehr halten. Das Fahren mit Helm ist nicht Pflicht, sondern bloss eine Empfehlung. Ein elektrisch betriebener E-Scooter entspricht einem Leicht-Motorfahrrad. Es gelten deshalb dieselben Regeln wie beim Velo. Auf Trottoirs und Fusswegen sind Fahrten mit E-Trottis also verboten – ebenso Fahrten zu Zweit. Voi bietet online eine virtuelle Fahrschule «RideLikeViola» zu Verkehrsregeln an. Wer sie absolviert, erhält Freifahrten.

6. Welche Kosten entstehen für die Allgemeinheit?

Keine, wie Robert Scherzinger betont. Vielmehr erhält die Stadt von Voi jährlich 4000 Franken, um die Unkosten der Koordination und für den Werkhof zu decken, dessen Mitarbeitende hie und da herumliegende oder in der Murg versenkte E-Scooter bergen müssen. Scherzinger sagt:

«Für die Stadt ist es voraussichtlich ein Nullsummenspiel.»

Übrigens: Für Voi ist Frauenfeld die mit Abstand kleinste Stadt, in welcher die Firma E-Trottinetts anbieten will, meint Scherzinger. Während der letztjährigen Testphase gab es innert drei Monaten rund 21'000 Fahrten, was täglich rund 233 Fahrten mit durchschnittlich 22 Fahrern entspricht. Registriert und einen E-Scooter entsperrt haben in dieser Zeit 1980 Personen, die total 23'000 Kilometer zurückgelegt haben. Im Vergleich dazu legen die Stadtbusse in derselben Zeit rund 190'000 Kilometer zurück. «Das zusätzliche Mobilitätsangebot funktioniert», sagt Scherzinger. Ob sich die E-Scooter auf Fahrten des Stadtbusses auswirken, weiss er indes nicht. Er sagt: «Dazu fehlen uns wegen Corona verlässliche Zahlen.»

Fahrsicherheitstraining auf dem Unteren Mätteli

Am Freitag, 9. Juli, von 14 bis 17.30 Uhr findet auf dem Unteren Mätteli in Frauenfeld ein Pop-up-Event mit einem Fahrsicherheitstraining mit dem E-Scooter-Anbieter Voi statt, bei dem Neugierige die E-Trottis mit einem geschulten Team testen und sich Freifahrten in der Onlinefahrschule RideLikeVoila.com verdienen können. Teilnehmende, die den Trainingsparkour und einen Teil der Fahrschule abgeschlossen haben, erhalten einen Gratishelm als Geschenk. (red)