Durch und durch nachhaltig: In einem spätmittelalterlichen Gebäude in Frauenfeld kann man schon bald unverpackte Lebensmittel kaufen und Bio-Kaffee trinken

Ende April soll im Trompetenhüsli an der Thundorferstrasse ein Bistro mit einem Unverpackt-Laden öffnen.

Rahel Haag
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Isabelle Zarn, Eliane Hirschi, Gabriel Dos Santos und Janina Keller eröffnen im Trompetenhüsli die Füllstation Frauenfeld und das Bistro Hansi.

Isabelle Zarn, Eliane Hirschi, Gabriel Dos Santos und Janina Keller eröffnen im Trompetenhüsli die Füllstation Frauenfeld und das Bistro Hansi.

(Bild: Donato Caspari)

«Es war quasi Schicksal», sagt Eliane Hirschi. Sie ist eine der Gründerinnen des Vereins Füllstation Frauenfeld. Hinter dem Namen verbirgt sich die Idee, in der Stadt einen Laden mit unverpackten Produkten zu eröffnen. Schicksal war, dass Hirschi im vergangenen Jahr Architekt Gabriel Müller kennen lernte. «Ich habe ihm in der Walzmühlebar frech von unserem Projekt erzählt», sagt sie, «einfach so, ohne zu wissen, wer er ist.»

Müller auf der anderen Seite hat im Sommer 2018 das Trompetenhüsli an der Thundorferstrasse gekauft. Im ersten Stock wird er sein Büro einrichten, für die Räumlichkeiten im Erdgeschoss suchte er passende Mieter.

«Ähnlich wie Eliane habe ich allen von meiner Abbruchhütte erzählt.»
Gabriel Müller.

Gabriel Müller.

(Bild: Andrea Stalder)

Das sagt er und schmunzelt. Die Idee eines Unverpackt-Ladens habe ihm gefallen. «Ich möchte das Haus, welches 45 Jahre nicht bewohnt war, beleben.» Kurz zuvor hatten bereits Gabriel Dos Santos und seine Frau Janina Keller mit Müller Kontakt aufgenommen. Ihre Idee: die Eröffnung des Bistros Hansi. Er habe den Eindruck gehabt, dass die beiden Projekte zusammenpassen könnten, sagt Müller.

Synergien nutzen und Produkte teilen

«Wir haben gleich gemerkt, dass wir eine gemeinsame Philosophie haben», sagt Keller. Die Füllstation Frauenfeld wie auch das Bistro Hansi setzen auf saisonale sowie regionale Produkte.

«Wir haben uns gewünscht, dass unser Laden zu einer Begegnungszone wird.»

Das sagt Hirschi. Ein Ort, an dem man nicht nur einkaufen, sondern sich auch über Nachhaltigkeitsthemen austauschen kann. Die Verbindung aus Laden und Bistro sei ideal. Nun wollten sie Synergien nutzen und die «Produkte teilen», wie Hirschi sagt. So können die Kunden in der Füllstation Frauenfeld den Kaffee kaufen, den sie im Bistro Hansi trinken, und umgekehrt wird Dos Santos Produkte der Füllstation verarbeiten. «Dann können die Kunden den Kuchen im Bistro Hansi essen und bei uns das Mehl kaufen», sagt Hirschi. Räumlich wird es keine Trennung zwischen Bistro und Laden geben. So gelten auch dieselben Öffnungszeiten.

Das Trompetenhüsli im September 2018 während des Umbaus.

Das Trompetenhüsli im September 2018 während des Umbaus.

(Bild: Donato Caspari, 14.September 2018)

Idee entstand auf einer Reise durch Neuseeland

Dos Santos ist gelernter Koch. Zuletzt arbeitete er in einem Grossunternehmen. Mit der Zeit habe er gemerkt, dass er nicht mehr dahinter stehen kann.

«Da dachte ich mir, dass ich selber etwas auf die Beine stellen muss.»

Die Idee entstand bereits vor rund zwei Jahren auf einer längeren Reise durch Neuseeland. Nebst Kaffee und Gebäck will Dos Santos ein Mittagsmenu anbieten. Insgesamt wird es im Bistro Hansi 20 Sitzplätze geben, hinzu kommen zehn im Aussenbereich. Aktuell liegt ein Baugesuch öffentlich auf. «Es geht dabei lediglich um eine Zweckänderung von Gewerberäumen zu Gastgewerbe- und Verkaufsräumen», sagt Müller. Zudem gibt es eine Gastroküche für 30'000 Franken.

Spenden als Startkapital

Der Verein Füllstation Frauenfeld hat ein Crowdfunding lanciert. Das Ziel von 30'000 Franken wurde bereits um mehr als 1400 Franken überschritten. Aktuell haben 230 Personen Geld gespendet. Die Summe soll als Startkapital dienen. Davon sollen nebst den Produkten auch die Möbel gekauft werden. Auch in diesem Bereich setzt der Verein auf Nachhaltigkeit. Die Aktion läuft noch bis am Montag, 3. Februar. (rha)

www.gnussvoll.ch/site/frauenfeld

Aktuell ist der Umbau des Trompetenhüsli in vollem Gange. «Jeden Tag arbeiten hier zwischen fünf und zehn Handwerker», sagt Müller. Das Ziel: Ende März soll das Trompetenhüsli bezugsbereit sein. Anschliessend gehe es ans Einrichten und für Ende April sei die Eröffnung geplant. Auch beim Umbau spielt Nachhaltigkeit eine grosse Rolle. Müller erklärt:

«Das Haus wird sozusagen recycelt.»

Sprich: Vorhandene Baumaterialien, etwa Fenster, würden wiederverwertet. Auch die Geschichte des drittältesten Gebäudes der Stadt, das in seiner Form erhalten blieb, soll erlebbar werden. Zwischen 1879 und 1935 wurden hier Blasinstrumente hergestellt. «Diese wollen wir im ganzen Haus ausstellen», sagt Müller.