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Schwere Türen, fehlende Schilder: In Frauenfeld tut sich die Post schwer mit dem barrierefreien Zugang

Das neue Postgebäude in Frauenfeld lässt beim barrierefreien Zugang zu wünschen übrig. Die Umsetzung des Wegs vom Parkplatz zum Schalter ist noch nicht ausgereift. Laut CVP-Nationalrat Christian Lohr gibt es nicht «ein bisschen barrierefrei».
Dinah Hauser
Markus Böni ist auf dem Rückweg in die Tiefgarage. Die schwere Brandschutztür ist nur mit grosser Anstrengung zu öffnen. (Bild: Olaf Kühne)

Markus Böni ist auf dem Rückweg in die Tiefgarage. Die schwere Brandschutztür ist nur mit grosser Anstrengung zu öffnen. (Bild: Olaf Kühne)

Anfang Oktober eröffnete das neue Postgebäude in Frauenfeld. Alles schön und gut. Doch zumindest ein Makel besteht: Der Zugang vom behindertengerechten Parkplatz auf der Rückseite des Gebäudes zum Schalter war nicht gegeben. In den letzten Tagen arbeitete die Post mit Hochdruck an einer Lösung, welche nun in Betrieb ist.

Markus Böni, Präsident des Rollstuhlclubs Thurgau und Mitarbeiter von Pro Infirmis Thurgau-Schaffhausen, besichtigt mit der Thurgauer Zeitung den beschilderten Weg. Vor der Tür zur Tiefgarage ist ein Drehschalter installiert; mit ihm lässt sich die Tür öffnen. Dann kommt das erste Hindernis: eine schwere Brandschutztür. Böni kann sie unter Anstrengung öffnen. Dahinter ist noch eine Tür. Böni sagt:

«Eine Tetraplegikerin oder eine Person mit Rollator hat wohl keine Chance.»

Weitere Schilder folgen. Im Lift ist das Stockwerk des Postschalters markiert. Die Knöpfe sind mit Brailleschrift versehen und eine Stimme sagt die Stockwerke an. «Dies ist wichtig für Menschen mit einer Sehbehinderung», sagt Böni. Dann noch eine letzte schwere Türe aufmachen und man steht vor dem Posteingang. Von hier ist alles gut erreichbar. Sogar einen rollstuhlgerechten Schalter gibt es.

Rückweg ist nicht beschildert

Auf der Aussenseite der Zugangstür zum Lift hat es zwar einen Knopf, der die schwere Tür entriegelt, aber nicht öffnet. Böni schlägt eine Automatik vor, die die Türen im Gebäude auf Knopfdruck öffnet und wieder schliesst. Auf dem Rückweg stellt Böni fest, dass dieser gar nicht beschildert ist. Prompt verfährt er sich ins falsche Stockwerk. Für Böni ist der neue Zugang eine Verbesserung, aber trotzdem sei der Weg noch nicht zumutbar; vor allem wegen der Türen.

Allgemein findet er es schade, wenn im Nachhinein etwas korrigiert werden muss. Böni sagt:

«Die Zusammenarbeit mit Fachstellen betrachte ich als elementar.»

Besonders ein Gebäude wie die Post sollte seiner Meinung nach selbstbestimmt und autonom zugänglich sein.

Postsprecher Markus Werner sagt, dass in den letzten Tagen mit Hochdruck an der Lösung gearbeitet wurde. Aus Sicht der Post sei diese «tragfähig und langfristig». Nächste Woche soll dann die Umsetzung von der Stadt Frauenfeld abgenommen werden. «Zudem haben wir mit Pro Infirmis einen Besichtigungstermin am Freitag vereinbart. Die Vertreter werden uns Rückmeldung geben, was noch verbessert werden soll», sagt Werner.

Optimierung der ursprünglichen Idee

Der neu eingerichtete Weg sei eine optimierte Version der ursprünglichen Idee, die Betroffenen in Begleitung eines Mitarbeiters innen durch das Gebäude zu führen. Die Kunden müssten sich dafür auf der Rückseite anmelden. Im Konzept sei dies eine gute Lösung gewesen. «Wie sich aber herausstellte, ist sie in der Praxis zu aufwendig und zu kompliziert», sagt Werner.

Die Post klärt nun zusätzlich mit dem Kanton ab, ob es möglich ist, einen Kurzzeitparkplatz für Menschen mit Behinderung auf der Vorderseite einzurichten. Werner sagt:

«Wir sind uns aber bewusst, dass es noch völlig offen ist, ob aufgrund der begrenzten Platzverhältnisse ein solcher Parkplatz realisiert werden kann.»

Der steile Weg aussen um das Gebäude herum sei allerdings nie im Gespräch gewesen. Ein Selbstversuch zeigt, dass es tatsächlich unmöglich ist.

Aufgedeckt wurde der Missstand von «Tele Top». Der Frauenfelder Taxifahrer Bruno Kull wollte sich vor Ort erkundigen, wo er Passagiere mit einer Gehbehinderung aussteigen lassen kann. «Auch wir werden älter und brauchen vielleicht einen Rollator oder sitzen in einem Rollstuhl», sagt er im Beitrag.

Frauenfeld arbeitet mit Pro Infirmis zusammen

Im Bundesgesetz sowie im kantonalen Baugesetz ist festgehalten, dass Menschen mit Behinderung keine Nachteile erfahren sollen. Die praktische Umsetzung wird in den Kantonen unterschiedlich gehandhabt. Im Thurgau hat Pro Infirmis eine beratende Funktion inne. Endabnahmen durch die Organisation sind nicht Pflicht. Sie kann aber bei Beauftragung eine schriftliche Stellungnahme verfassen und etwaige Mängel aufzeigen. Diese muss in der Regel während der Baugesuchsphase erstellt und eingereicht werden. Danach können nur noch direkt Betroffene vom Klagerecht gebrauch machen.

«Seit knapp zwei Jahren pflegen wir im Rahmen eines Projektes eine engere Zusammenarbeit mit der Stadt Frauenfeld», sagt Urs Hähni, Fachberater für behindertengerechtes Bauen bei Pro Infirmis. Punktuell findet mit allen Gemeinden eine Zusammenarbeit statt. Zudem werden ab und zu, bei Beauftragung Endbegehungen durchgeführt . (dh)


Interview: «Ein bisschen barrierefrei gibt es nicht»

Christian Lohr (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Christian Lohr (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Der CVP-Nationalrat Christian Lohr setzt sich für Menschen mit Behinderung ein. Er selbst ist auf einen Rollstuhl angewiesen und Präsident von Pro Infirmis Thurgau-Schaffhausen.

Kennen Sie die Situation bei der Post Frauenfeld?

Ich wurde von Kollegen darauf aufmerksam gemacht und bin kürzlich selber daran vorbeigefahren. Ich bin negativ überrascht, dass bei einem so bedeutenden Bau wie der Post, die Barrierefreiheit vernachlässigt wurde. Von einem nationalen Unternehmen besonders in einer Kantonshauptstadt hätte ich eine geeignetere Lösung erwartet.

Ursprünglich plante die Post, dass sich Personen mit Mobilitätseinschränkungen am Hintereingang melden können. Was meinen Sie dazu?

Das ist eine sehr unbeholfene Lösung. Der selbständige und selbstbestimmte Zugang wird so Kunden mit einer Mobilitätseinschränkung verwehrt. Entweder ist ein Gebäude barrierefrei oder eben nicht. Ein bisschen barrierefrei gibt es nicht.

Was raten Sie Behörden, Bauherren und Architekten, damit so eine Situation gar nicht erst entsteht?

Das Behindertengleichstellungsgesetz schreibt vor, was zu tun ist. Zudem gibt es Fachstellen und Gremien, die man zu Rate ziehen kann. Plant man die Massnahmen von Anfang an ein, halten sich die Kosten im Rahmen. Muss nachher etwas angepasst werden, so ist das meist mit erheblichem Aufwand verbunden.

Wird im Kanton Thurgau grundsätzlich genug für die Barrierefreiheit getan?

Ich stelle fest, dass das Thema zunehmend ernster genommen wird. Man muss es aber immer wieder ansprechen. Wir haben 2018 und das Thema sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ich spreche hier nicht nur von Rollstuhlfahrern, sondern auch von Reisenden mit Rollkoffern und Menschen mit Rollatoren oder Kinderwagen.

Wie kann die Bevölkerung Menschen mit Behinderung im Alltag unterstützen?

Indem man aufmerksam durch die Welt geht und Missstände anspricht. So, wie der Taxifahrer, der die Post konfrontiert hat. Weder ich noch Pro Infirmis wollen Prozesse führen oder jemanden in die Pfanne hauen. Aber wir möchten die Dinge anpacken, damit Bauprojekte von Anfang an richtig laufen.

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