Dunkle Geheimnisse: Die Steckborner Maturandin Sara Vivian Weber ergründet in ihrem Theaterstück Abgründe

Sara Vivian Weber aus Steckborn hat im Rahmen ihrer Maturaarbeit ein Theaterstück geschrieben. Mit Erfolg. Im Februar konnte sie «Secrets You Would Never Tell» zweimal am Jugendtheaterfestival «Grätsche» in Zürich aufführen.

Rahel Haag
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Die Maturandin Sara Vivian Weber in ihrem Jugendzimmer in Steckborn. Im Hintergrund hängt ein Plakat ihres Theaterstücks «Secrets You Would Never Tell».

Die Maturandin Sara Vivian Weber in ihrem Jugendzimmer in Steckborn. Im Hintergrund hängt ein Plakat ihres Theaterstücks «Secrets You Would Never Tell».

(Bild: Rahel Haag)

«Wo ist mein Platz?» Die Suche nach der Antwort auf diese Fragen haben sämtliche Figuren im Theaterstück «Secrets You Would Never Tell» gemeinsam. Geschrieben hat es die 19-jährige Sara Vivian Weber aus Steckborn. Es bildet ihre Abschlussarbeit an der Pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen. «Insgesamt habe ich ein Jahr daran gearbeitet», sagt sie.

Dass sie im Rahmen ihrer Maturaarbeit ein Theaterstück schreiben würde, sei schnell klar gewesen. Die Steckbornerin sagt:

«Theaterspielen ist seit Jahren ein Hobby von mir.»

Bereits als Kind habe sie auf der Bühne gestanden. Seit 2014 ist sie Teil des Jungen Theaters Thurgau. Auch ihr siebenköpfiges Ensemble hat Weber durch dieses Projekt kennen gelernt. «Wir sind ein eingespieltes Team.»

Während einer Probe von «Secrets You Would Never Tell».

Während einer Probe von «Secrets You Would Never Tell».

(Bild: PD)

Gleichzeitig sei es ihr manchmal schwer gefallen, sich gegenüber ihren Freunden durchzusetzen. Am heimischen Esstisch sagt Weber:

«Ich hatte ja als Regisseurin eine ganz neue Rolle.»

Zu Beginn habe sie gar nicht gewusst, wie sie anfangen soll. «Auf das Thema sind wir durch gemeinsames Improvisieren in der Gruppe gekommen.»

Sie sind sich nicht fremd, aber auch nicht nah

In ihrem Stück geht es – wie der Name schon sagt – um Geheimnisse. Geheimnisse, die du niemals erzählen würdest. Der Plot: Sieben Jugendliche erhalten eine Einladung, die lediglich einen Ort und eine Uhrzeit enthält. Dort treffen sie, die sich nicht fremd, aber auch nicht wirklich nah sind, aufeinander. Weber sagt:

«Sie wollen herausfinden, warum sie gemeinsam an diesem Ort gelandet sind.».

So kommt es, dass sich einer nach dem anderen der Gruppe öffnet und von seinen Problemen erzählt, seine dunklen Geheimnisse preisgibt. «Vom Leistungsdruck, der Einsamkeit, der Essstörung oder dem sexuellen Missbrauch», zählt sie auf. Im Zentrum stehe die Identitätsfindung und eben die grosse Frage, die wohl alle Jugendlichen beschäftigt:

«Wo ist mein Platz?»

Am 25. und 26. Oktober des vergangenen Jahres wurde das Stück im Eisenwerk in Frauenfeld aufgeführt. Eben dort, wo auch das Junge Theater Thurgau schon aufgetreten ist. Weber lächelt und sagt dann:

«Es war schön, auf vertrautem Boden spielen zu können.»

Kurz vor den Aufführungen habe sie aber kaum geschlafen. Das lag nicht nur an der Nervosität. «Nach einer sechsstündigen Probe kam ich nach Hause und musste mich noch mit dem schriftlichen Teil meiner Arbeit sowie den organisatorischen Dingen auseinandersetzen», sagt sie, «da bekam ich manchmal nur ein paar Stunden Schlaf.» Doch es hat sich gelohnt. Für ihre Arbeit erhielt sie die Note 5,5.

Das Ensemble von Sara Vivian Weber.

Das Ensemble von Sara Vivian Weber. 

(Bild: PD)

Und danach? «Das war ein seltsames Gefühl», sagt Weber, «nach dem Hoch kam die Leere.» Wahrscheinlich hätten sie auch deshalb direkt mit einem neuen Projekt angefangen. Weber und ihr Ensemble gründeten den Verein Freie Bühne Thurgau und nahmen das nächste Stück in Angriff. Nun wird auch Weber wieder auf der Bühne stehen.

«Das Spielen hat mir schon ein bisschen gefehlt.»

Am Jugendtheaterfestival «Grätsche» in Zürich

Ihr eigenes Stück verschwand aber nicht einfach in der Schublade. Mitte Februar führte die Gruppe es zweimal am Jugendtheaterfestival «Grätsche» in Zürich auf. Das sei eine coole Erfahrung gewesen. Weber sagt:

«Plötzlich sitzen Wildfremde im Publikum, um mein Stück zu sehen.»

Auch künftig soll «Secrets You Would Never Tell» nicht in der Schublade verschwinden. «Ich würde es gerne interessierten Gruppen zur Verfügung stellen.» Sie wolle derweil mit der Freien Bühne Thurgau weitere Stücke produzieren.