«Dumme Kuh» – «Ich bringe Sie um»: Zeugin berichtet, wie sie den Angriff auf einen 86-Jährigen im Frauenfelder Stadtbus erlebt hat

Theres Raimann fährt regelmässig mit dem Frauenfelder Stadtbus. Als sie am vergangenen Montagmittag vom Einkaufen nach Hause fuhr, beobachtete sie die Auseinandersetzung zwischen einem jungen und einem älteren Mann, die via Facebook den Weg in die Öffentlichkeit fand.

Roman Scherrer, Eva Wenaweser
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Am vergangenen Montag kam es auf einer Fahrt im Frauenfelder Stadtbus zu einer Auseinandersetzung.

Am vergangenen Montag kam es auf einer Fahrt im Frauenfelder Stadtbus zu einer Auseinandersetzung.

(Bild: Andrea Stalder)

Der Zwischenfall im Stadtbus Frauenfeld sorgte für Empörung: Am Montagmittag schlug ein Unbekannter auf der Fahrt zwischen Sonnmatt und Bahnhof Frauenfeld einen 86-Jährigen. Die Tochter des Opfers meldete sich daraufhin empört auf Facebook zu Wort. Niemand habe auf den Angriff auf ihren dementen Vater reagiert, auch der Busfahrer nicht.

«Das stimmt hinten und vorne nicht», sagt Theres Raimann. Regelmässig fährt die Frauenfelderin mit dem Bus, zum Beispiel, wenn sie einkaufen geht. Am vergangenen Montagmittag wurde sie so Zeugin der besagten Auseinandersetzung. «Das Ganze war sehr dramatisch, auch ich habe mich eingemischt», sagt Raimann und schildert ihre Sicht:

«Begonnen hat alles mit einem Wortgefecht zwischen einer anderen Passagierin und dem Buschauffeur.»

Die Frau sei erbost gewesen, weil der Fahrer aus ihrer Sicht hätte anhalten müssen, was er nicht tat. Der Chauffeur erklärte ihr, dass sie den Halt zu spät angemeldet habe und er den Fahrplan einhalten müsse. Nach längerem Disput sei die Frau wütend ausgestiegen. «Dabei sagte der ältere Herr zu ihr, sie sei eine dumme Kuh», berichtet Theres Raimann.

Daraufhin habe sich ein junger Mann, der hinter dem 86-Jährigen sass, eingeschaltet.

«Er sagte dem Herrn: ‹Alter Sack, so respektlos geht man nicht mit einer Frau um›.»

Der Angesprochene habe darauf nicht reagiert. Bevor der junge Mann bei der Haltestelle Burgerholz habe aussteigen wollen, sei er am älteren Mann vorbeigelaufen, habe ihn ins Gesicht geschlagen und gesagt:

«Ich bringe Sie um.»

Laut Raimann öffnete der Chauffeur dann nicht etwa gleich die Türen, wie es am Mittwoch von Seiten von Stadtbus Frauenfeld hiess. Im Gegenteil, er habe die Türen abgeschlossen und gesagt, dass er die Polizei rufe. «Machen Sie doch», entgegnete der Angreifer. Die Nummer 117 habe dann aber niemand gewählt, erzählt Theres Raimann. «Ich hatte auch kein Handy dabei.» Nach einer gewissen Zeit habe der Chauffeur die Türen geöffnet, und der junge Mann sei ausgestiegen.

Vanessa Fontes, Leiterin Administration beim Frauenfelder Amt für Tiefbau und Verkehr, sagt:

«Der Chauffeur hat richtig gehandelt.»

Er habe die Vorschrift, bei solchen Zwischenfällen den Betriebsleiter anzurufen, um das korrekte Vorgehen abzuklären. «Und das hat er getan.» Während des Anrufs seien die Türen deshalb verschlossen geblieben, bis der Betriebsleiter die Anweisung gab, sie wieder zu öffnen.

Polizei überprüft Kameraaufnahmen

Nachdem der Angreifer ausgestiegen war, ermutigten Theres Raimann und weitere Passagiere den älteren Herrn, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. «Er wollte aber nicht.» Entsprechend hatte die Kantonspolizei Thurgau am Montag keine Kenntnis von der Attacke im Frauenfelder Stadtbus und rückte deswegen nicht aus.

Nun bestätigt Matthias Graf, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau, auf Anfrage aber, dass das Opfer mittlerweile Anzeige erstattet hat. Die Ermittlungen würden nun laufen, und es werden weitere Abklärungen vorgenommen. «Einer unserer ersten Schritte ist die Überprüfung und Auswertung der Kameraaufnahmen aus dem Bus.»

Und Theres Raimann? Sie sah den Angreifer am Donnerstag, nachdem sie einkaufen gegangen war, erneut im Bus. «Er sass wieder hinter mir. Wir hatten wohl beide ein Déjà-vu.»

Der 86-Jährigen Buspassagier und dessen Tochter waren bis Freitagmittag für die «Thurgauer Zeitung» nicht erreichbar.

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