Nach Todesdrohungen gegen Thurgauer Schüler: «Wir nehmen jede Situation ernst, bis das Gegenteil bewiesen ist»

Aadorfer Sekschüler werden bedroht. Wegen dieses Falles wurde auch das Schulische Kriseninterventionsteam aufgerufen. Dieses Einsatzelement wird bei verschiedenen ausserordentlichen Ereignissen aufgeboten. Beat Brüllmann, Chef des Thurgauer Amtes für Volksschule, erklärt. 

Sebastian Keller
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Mehrere Schüler der Sekundarschule Aadorf haben Drohbriefe erhalten. (Bild: Reto Martin)

Mehrere Schüler der Sekundarschule Aadorf haben Drohbriefe erhalten. (Bild: Reto Martin)

Todesdrohungen an Sekschüler verängstigen Aadorf. «Teilweise sehr explizit formuliert und wirklich angsteinflössend», sagte die Schulpräsidentin Astrid Keller der «Thurgauer Zeitung». Bei der Kantonspolizei wurde deswegen mehrere Anzeigen erstattet.

Die Schulen werden in solchen Situationen nicht im Stich gelassen. Seit 2008 können alle Thurgauer Schulen – Volksschule, Berufs- und Mittelschulen – das Schulische Kriseninterventionsteam (Skit) aufbieten. Das hat auch die Sekundarschule Aadorf gemacht. Wobei Aadorf ein speziell gelagerter Fall ist. «Die Schulsozialarbeiterin ist Mitglied des Skit», sagt Beat Brüllmann, Chef des Thurgauer Amtes für Volksschule (AV). Das Team ist seinem Amt angegliedert.

Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule. (Bild:  Thi My Lien Nguyen)

Beat Brüllmann, Chef Amt für Volksschule. (Bild: 
Thi My Lien Nguyen) 

Handelt es sich bei den Drohungen in Aadorf um einen bösartigen Lausbubenstreich? Das sei schwierig abzuschätzen, sagt Brüllmann. Er verweist auf die grundsätzliche Haltung: «Wir nehmen jede Situation ernst, bis das Gegenteil bewiesen ist.» Lieber lasse sein Team sich eine Überreaktion als Nachlässigkeit vorwerfen.

Das Skit komme immer dann ins Spiel, wenn es von einer Schulgemeinde angefordert wird. Und das ist rund um die Uhr möglich. «Die Notfallnummer ist immer besetzt», sagt Brüllmann. Nach einer internen Lagebeurteilung werde über das weitere Vorgehen entschieden. Rückt das Team aus, sei dies immer mindestens zu zweit. Die Schulen können beispielsweise bei der Formulierung des Elternbriefs und generell der Informationspolitik beraten werden. «Dafür verfügen wir über Checklisten und Merkblätter», sagt Brüllmann.

Der Lead bleibt bei den Verantwortlichen vor Ort

Er hält fest: «Das Skit ist ein unterstützendes Element.» Die Führung verbleibt zu jeder Zeit bei der Schulleitung oder Schulbehörde vor Ort. «Das muss so sein», sagt er. Denn: Die örtlichen Verantwortlichen kennen die lokalen Gegebenheiten meist besser. Einen engen Draht hat das Skit auch zu anderen Institutionen. So auch zur Polizei.

«Drohungen wie in Aadorf sind eher selten», sagt Brüllmann. Häufiger werde das Skit um Hilfe ersucht, wenn Schüler beispielsweise schlimme Unfälle oder gar Todesfälle miterleben mussten.  «Oder wenn plötzlich eine Lehrperson verstirbt», nennt der AV-Chef ein weiteres Beispiel. In diesen Fällen handle es sich um notfallpsychologische Interventionen.  Das Team könnte auch bei Bränden angerufen werden. «Wir haben kein abschliessendes Einsatzgebiet, bei jedem aussergewöhnlichen Ereignis, bei welchem die Schule betroffen ist, stehen wir zur Verfügung.» Im vergangenen Jahr waren Skit-Mitglieder sechs Mal vor Ort, dazu kamen 25 Beratungen am Telefon.

Alle sind ausgebildet

Die Teammitglieder warten aber nicht wie Feuerwehrleute in Hollywood-Filmen auf solche Einsätze. Sie üben einen Beruf aus - meist im Schulumfeld. Sie arbeiten als Schulsozialarbeiterin, als Schulpsychologin oder als Schulberater. «Sie verfügen alle über eine notfallpsychologische Aus- oder Weiterbildung», betont Brüllmann. Regelmässige Weiterbildungen und Fallbesprechungen gehören ebenfalls dazu.

Aadorf hallt auch bei dem Skit nach. Nächsten Mittwoch ist der Fall an einer Sitzung traktandiert. «Jeder Einsatz wird nachbesprochen», sagt Brüllmann.