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Drei Viertel der Fische im Bodensee haben Plastik im Bauch

Mikroplastik in Gewässern beschäftigt Forscher aller Generationen. In seiner Maturaarbeit hat Moritz Stöckel aus Landschlacht untersucht, wie sehr Bodenseefische darunter leiden. Geblieben sind ihm ein Preis und ein erhöhtes Bewusstsein im Umgang mit Plastik.
Ursula Ammann
Mikroskop-Ansicht eines Plastikpartikels, das Moritz Stöckel aus einem Fischmagen isoliert hat. (Bild: Ursula Ammann)

Mikroskop-Ansicht eines Plastikpartikels, das Moritz Stöckel aus einem Fischmagen isoliert hat. (Bild: Ursula Ammann)

Wenn Moritz Stöckel heute achtlos weggeworfenen Plastikmüll auf dem Bodensee herumschwimmen sieht, beunruhigt ihn das mehr als früher. «Ich weiss jetzt, was er auslösen kann», sagt der 20-Jährige aus Landschlacht. Er hat seine Maturaarbeit über Mikroplastik in Bodenseefischen geschrieben. Dabei untersuchte er neun von 35 dort vorkommenden Fischarten, darunter äusserst beliebte Speisefische wie Egli, Hecht, Saibling und Zander.

Das Resultat: 18 der 24 Tiere, die er unter die Lupe respektive unters Mikroskop nahm, wiesen in ihren Mägen Mikroplastik auf. Einzig Egli und Rotauge, die in höheren Wasserschichten oder an der Wasseroberfläche leben, waren nicht damit belastet. In allen anderen Fischarten fand der Thurgauer ein bis zwölf Plastikteile pro Exemplar. Dass drei Viertel der untersuchten Fische Mikroplastik in sich trugen, habe ihn schon etwas schockiert, sagt Moritz Stöckel. «Ich hätte höchstens mit zwei oder drei von 24 Exemplaren gerechnet», sagt er.

Plastik als «Beifang» aufgenommen

Wie der ehemalige Gymnasialschüler der Kanti Kreuzlingen in seiner Maturaarbeit festhält, gelangt Plastik aber nicht nur in Form von Müll in Meere, Seen und Flüsse, sondern auch durch Stoffe, die übers Abwasser zufliessen: etwa solche aus Duschgels, Peelings oder Kunststofffasern, die sich beim Waschen aus Kleidern lösen. Stoffe, die zu klein sind für die Filter der Abwasserreinigungsanlagen.

Zwar dürfte gemäss Stöckels Recherchen der Verzehr von Fischen, die mit Mikroplastik belastet sind, keine gravierenden Folgen auf die menschliche Gesundheit haben. Den Fischen selbst schadet er aber. Als «Beifang» aufgenommen, kann er durch seine kantige Form die inneren Organe der Tiere verletzen. Je nach Inhaltsstoffen sind zudem Unfruchtbarkeit und Entwicklungsstörungen beim Nachwuchs möglich.

Aufgefallen, dass immer weniger Fische gefangen werden

Der Fischbestand am Bodensee schrumpft. Das hat Moritz Stöckel selbst mitbekommen. Am See aufgewachsen, hat er früher oft mit einem Kollegen am Ufer gefischt. «Irgendwann ist uns aufgefallen, dass wir immer weniger fangen», sagt er. Diese Tatsache habe ihm schliesslich den Anstoss gegeben, seine Maturaarbeit den Fischen im Bodensee zu widmen. Ob der Mikroplastik ebenfalls ein Faktor ist, weshalb die Fischanzahl zurückgeht, musste er unbeantwortet lassen. Das herauszufinden, hätte den Rahmen seiner Arbeit gesprengt.

Dem üblen Geruch getrotzt

Die Maturaarbeit habe ihm in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet, sagt der 20-Jährige. So sei er heute viel sensibilisierter im Umgang mit Plastik. Während der Arbeit aber zweifelte er zwischendurch daran, ob er wirklich das richtige Thema gewählt hatte. In einem von ihm weitestgehend selbstentwickelten Verfahren löste er den Magen der Fische in Natronlauge und schliesslich in Salzwasser auf, um verdächtige Partikel zu isolieren.

Moritz Stöckel, Medizinstudent und ehemaliger Maturand Kanti Kreuzlingen. (Bild: Ursula Ammann)

Moritz Stöckel, Medizinstudent und ehemaliger Maturand Kanti Kreuzlingen. (Bild: Ursula Ammann)

Durch die Zersetzung des Fischfleischs entstand in jenem kleinen Untersuchungsraum der Kanti Kreuzlingen ein starker Geruch. «Dieser war sehr schwer zu ertragen», erinnert sich Moritz Stöckel. Das Durchhalten hat sich jedoch gelohnt. Seine Maturaarbeit ist mit einem Preis der Stiftung Jugendförderung ausgezeichnet worden, wie im letzten Jahresbericht der Stiftung nochmals erwähnt.

Moritz Stöckel hat mittlerweile ein Medizinstudium in Bern begonnen. Dort setzt er sich nun mit der Gesundheit des Menschen auseinander. Wie es den Fischen im Bodensee geht, interessiert ihn aber nach wie vor.

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