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Auf den Spuren des abgebrannten Klosters Feldbach: Die Thurgauer Baukultur lebt seit tausend Jahren

Der Thurgauer Architektenverein und der Heimatschutz bitten zur Besichtigung von Bauarealen mit tausendjähriger Geschichte entlang von Bodensee und Rhein. Von drei Klöstern an der Route ist von Feldbach am wenigsten alte Bausubstanz übrig geblieben.
Thomas Wunderlin
Die ältesten Teile des Refektoriums (l.) stammen aus dem 14. Jahrhundert; hinten das Pumpenhaus, rechts der neue Teil des Hotels. (Bild: Thomas Wunderlin)

Die ältesten Teile des Refektoriums (l.) stammen aus dem 14. Jahrhundert; hinten das Pumpenhaus, rechts der neue Teil des Hotels. (Bild: Thomas Wunderlin)

Auf dem Parkplatz vor der Migros darf man eine Stunde lang gratis parkieren. Das reicht, um die Überreste des Klosters Feldbach zu besichtigen. Bevor der architekturinteressierte Laie etwas davon zu sehen bekommt, fällt ihm zunächst der riesige Baukomplex auf, in dem die Migros nur einen kleinen Teil füllt. Offenbar handelt es sich um eine renovierte ehemalige Fabrikhalle. Gegenüber steht ein neueres Schulhaus, an dessen Eingang Schülerinnen lautstark diskutieren. Daran grenzt eine in den Boden eingelassene Mehrzweckhalle an, ebenfalls mit enormem Fassungsvermögen.

Erst wenn man auf einem gewundenen Kiesweg durch eine Grünanlage Richtung See geht und über eine kleine Böschung hinabsteigt, steht man vor dem Refektorium, dem einstigen Speisesaal, des Klosters Feldbach. Dieses Gebäude wird auch Altkloster genannt; die ältesten Teile stammen aus dem 14. Jahrhundert. Es ist der wichtigste Überrest des von 1254 bis 1848 von Zisterzienserinnen bewohnten Klosters Feldbach.

Im ehemaligen Speisesaal speisen heute die Hotelgäste

Heute befindet sich das Restaurant des 1986 eröffneten Hotels Feldbach darin. Aus der Fassade sticht ein mächtiger Rundturm hervor, in dessen Innern eine Wendeltreppe zur Turmbar führt. Ans Refektorium grenzt ein Stück der alten Klostermauer. Sie ist von Kletterpflanzen überwuchert; frei gehalten wird nur die daran angebrachte Parkverbotstafel, die alle betrifft, die nicht Gäste des Hotels sind. Abgesehen vom Refektorium und diesem Mauerstück ist vom ehemaligen Kloster nichts übrig geblieben – abgesehen vom berühmten Feldbacher Altar, der im Historischen Museum im Schloss Frauenfeld zu bewundern ist.

Das Kloster Feldbach gehört dennoch zur Route «Klöster und Landgüter an See und Rhein», die wiederum die erste von fünf Routen ist, welche die Thurgauer Sektion des Vereins der Architekten und Ingenieure SIA zusammen mit dem Heimatschutz konzipiert hat, um das Interesse für die Baukultur im Kanton zu fördern. Die Baukultur-Route Eins führt zu den Klöstern Münsterlingen, Kreuzlingen und Feldbach, die alle 1848 aufgehoben wurden; ausserdem zum Landsitz Arenenberg und zur Stadt Diessenhofen. «Es sind alles Bauplätze auf dieser Tour», sagt die Architektin Heidi Stoffel, welche die Route Eins konzipiert hat. «Es ist einem oft nicht bewusst, dass sie so alt sind.» An der ursprünglichen Überbauung sei immer viel geändert worden. «Manchmal ist überraschend viel übrig, manchmal wenig. In Steckborn ist es wenig, aber es war mal viel.»

Die Gartenwirtschaft liegt im Schatten hoher alter Bäume wenige Meter vom Ufer entfernt

In eine Liste der zehn wichtigsten Baudenkmäler des Kantons würde sie das Kloster Feldbach nicht aufnehmen. Doch das Areal als Ganzes sei sehenswert, auch die schöne Lage am Seeufer trage dazu bei.

Im Unterschied zu Feldbach ist in Münsterlingen viel erhalten geblieben, unter anderem die Klosterkirche und ein Kreuzgang. Auch in Kreuzlingen stehen Kirche und Klostergebäude noch; nach einem Brand 1963 wurden sie wieder aufgebaut. Das Kloster Feldbach brannte auch ab, am 24. Juli 1895. Im Unterschied zu Kreuzlingen gab es hier keine Wiederauferstehung.

Im Gegensatz zum Hotelneubau macht das Pumpenhaus auf alt

Um Wärmepumpen zur Beheizung des benachbarten Fabrikareals unterzubringen, wurde an der Zufahrt zum Refektorium 1943 das Pumpenhaus gebaut; darin befindet sich seit 1990 das Phönix-Theater. Gemäss den Vorstellungen des sogenannten Heimatstils wurde es mit seinem Treppengiebel und dem Turm dem Refektorium angeglichen. «Man baut neu, vermeidet aber alles, dass man es sieht», erklärt die Architektin. In den 1980er Jahren entstand auf dem Klosterareal der Bettentrakt des neu gegründeten Hotels Feldbach. Mit seinen postmodernen Elementen bemühe er sich überhaupt nicht darum, seine Entstehungszeit zu verbergen, sagt Stoffel. «Er ist in den Achtzigerjahren gebaut worden und er sieht auch so aus.»

In einem Flügel des Klosters Münsterlingen entstand 1840 das Kantonsspital. Bild: Archiv

In einem Flügel des Klosters Münsterlingen entstand 1840 das Kantonsspital.
Bild: Archiv

Von Münsterlingen nach Diessenhofen

Die Route «Klostergüter entlang von See und Rhein» führt zu den Klöstern Münsterlingen, Kreuzlingen und Feldbach, auf den Arenenberg und nach Diessenhofen. Bei den Klöstern will die Architektin Heidi Stoffel, welche die Route konzipiert hat, die lange Zeit zeigen, die ein Bauplatz existieren kann. In Diessenhofen geht es um die Stadt als Ganzes. «Baukulturell ist eine Stadt eine wahnsinnige Leistung.» Den Arenenberg vergleicht sie mit einem Dorf. Er gehört zusammen mit den Dörfern Mannenbach, Salenstein und Fruthwilen zur Gemeinde Mannenbach-Salenstein. «Es gibt hier ein Schulhaus, ein Restaurant, ein Hotel, einen Bauernhof, eine Gärtnerei, ein Weingut, Wohnhäuser und ein früheres Herrschaftshaus, welches heute ein Museum beherbergt», heisst es auf der Website baukultur-entdecken.ch. Der Unterschied zu andern Dörfern: Der ganze Arenenberg gehört einem einzigen Besitzer, dem Kanton. «Alles andere ist ganz gewöhnlich. So ist es ganz normal für ein Dorf, das sich entwickelt, dass gebaut und investiert wird. Manchmal gibt es eine intensivere Bautätigkeit, manchmal ist über längere Zeit Ruhe. Der Arenenberg ist zurzeit mitten in einer intensiven Bauphase. (wu)

Auf dem Arenenberg (oben) befindet sich ein kleines Dorf mit einem einzigen Besitzer, dem Kanton. (Bild: Reto Martin)

Auf dem Arenenberg (oben) befindet sich ein kleines Dorf mit einem einzigen Besitzer, dem Kanton. (Bild: Reto Martin)

Baukultur entdecken

Als Beitrag zum internationalen Kulturerbe-Jahr 2018 lädt der Schweizerische Architekten- und Ingenieurverein SIA Sektion Thurgau zusammen mit dem Thurgauer Heimatschutz zu «Entdeckungstouren durch die Baukultur» ein. Auf Anfrage werden Führungen angeboten. Bei einem Selfie-Wettbewerb sind eine Woche Ferien in einem der 26 Baudenkmäler der Schweiz zu gewinnen.
Route eins: Klöster und Landgüter an See und Rhein. Route zwei: Scheunen und Schlösser auf dem Seerücken. Route drei: Bade- und Baukultur am Obersee. Route vier: Industriezeugen an Sornbach und Thur. Route fünf: Bau- und Industriekultur entlang der Murg. Details sind im Internet zu finden unter www.baukultur-entdecken.ch. (wu)

Das Kloster Kreuzlingen ist nach dem Brand 1963 wieder aufgebaut worden. (Bild: Reto Martin)

Das Kloster Kreuzlingen ist nach dem Brand 1963 wieder aufgebaut worden.
(Bild: Reto Martin)

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