Drei Buchstaben bleiben: Der Fischinger Verkehrsverein steht vor der Auflösung

Die Leistungen des Verkehrsvereins haben heute nur noch wenig touristischen Nutzen. Zudem ist seine wichtigste Einnahmequelle weggefallen. Die Aufgaben des Vereins wird künftig wohl die Gemeinde übernehmen.

Roman Scherrer
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In der Gemeinde Fischingen – wie hier bei der Dussnanger Finnenbahn – befinden sich Dutzende Ruhebänkli des Verkehrsvereins (VVF).

In der Gemeinde Fischingen – wie hier bei der Dussnanger Finnenbahn – befinden sich Dutzende Ruhebänkli des Verkehrsvereins (VVF).

(Bild: Roman Scherrer)

Vergangenes Jahr war es noch eine Option, nun wohl bald eine Tatsache: die Auflösung des Verkehrsvereins Fischingen (VVF). Darüber entscheidet die ­Mitgliederversammlung am 17. März.

Ein Grund für diesen Schritt ist die Finanzierung des Vereins, der seit seiner Gründung 1952 stark auf den damaligen Kneipphof ausgerichtet war. Für dessen Gäste erstellte und unterhielt der VVF touristische Infrastruktur wie Wanderwege, Bänkli und Feuerstellen – und tut das bis heute. Der Verein wurde zum Grossteil durch die Kurtaxen der Kneipphof-Gäste finanziert. Auf diese Einnahmen muss der Verein aber seit Anfang 2019 verzichten, weil der Kneipphof mittlerweile eine Klinik ist.

Ein weiterer Grund für die Auflösung ist die Frage nach dem touristischen Nutzen der Leistungen, die der VVF erbringt. «Ein Tourismusverein braucht zur Finanzierung Mitglieder, die aus der Vereinstätigkeit einen Nutzen ziehen können. Und das gibt es in unserem Einzugsgebiet kaum mehr», erklärt Vereinspräsident Werner Ibig. Zudem werde die vom Verein gestellte Infrastruktur, besonders die Siedlungsnahe, heute mehr von der einheimischen Bevölkerung als touristisch genutzt.

Auch das Vermögen soll übertragen werden

Der Nutzer-Aspekt sei auch eine Motivation für den Fischinger Gemeinderat gewesen, sich mit einer Übernahme der VVF-Aufgaben zu beschäftigen. Mit der Behörde hat der Verein eine Vereinbarung entworfen, der die Übernahme der Aufgaben des VVF per Anfang 2021 regeln soll. Noch fehle die Zustimmung des Gemeinderates, sagt Ibig.

«Wir sind uns aber weitgehend einig. Und sollten noch Differenzen bestehen, wären das höchstens kleine.»
Werner IbigFischinger Verkehrsdirektor

Werner Ibig
Fischinger Verkehrsdirektor

(Bild: Reto Martin)

Mit den Aufgaben ­würde der VVF auch sein Vermögen – rund 80'000 Franken – der Gemeinde übergeben.

Zukunft von Veranstaltungen noch offen

Wie es mit den vom Verein durchgeführten Veranstaltungen – etwa den organisierten Wanderungen – weitergeht, «ist noch nicht entschieden», sagt Werner Ibig. Sie seien sicher geschätzt worden, das habe die Beteiligung gezeigt. «Es stellt sich die Frage, ob man die Veranstaltungen als Imagepflege weiterbetreiben will.»

In der Beantwortung dieser Frage ist der Verein aber relativ frei. «Die Anlässe sind nämlich nicht an Kosten gebunden», erklärt Ibig. Was ab kommendem Jahr vom Verkehrsverein sicher bleiben wird, sind die drei Buchstaben VVF auf den Dutzenden von Ruhebänkli in der Gemeinde Fischingen. Oder doch mehr? «Das wird sich zeigen», sagt Ibig. «Vielleicht wird den Leuten etwas fehlen, vielleicht auch nicht.»

Seit rund 20 Jahren präsidiert Werner Ibig den VVF. Dessen absehbares Ende sieht er pragmatisch:

«Ich finde es normal, dass man sich überlegt, ob es eine Organisation braucht.»

Vielmehr beschäftigt ihn, dass «mit mehr Aktivität mehr möglich wäre». Oft habe er das Gefühl gehabt, mehr investieren zu müssen, obwohl ihm die Zeit dafür fehlte. Ibig ist nach wie vor überzeugt, dass Fischingen ­grosses touristisches Potenzial birgt. Er würde es deshalb begrüssen, wenn sich die Gemeinde einer Tourismusorganisation anschliessen könnte.