Doris Schoch und Markus Albrecht pflegen ein Stück Island auf dem Seerücken

Der Hof Weiherholz zwischen Ammenhausen und Klingenzell ist die Heimat von mehr als hundert Islandpferden. Angefangen hat alles 1997 mit sechs Tieren.

Viola Stähelin
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Die Islandpferde auf dem Hof Weierholz toben sich auf der Winterweide aus.

Die Islandpferde auf dem Hof Weierholz toben sich auf der Winterweide aus.

(Bild: Donato Caspari)

«Im Winter sind die Pferde länger auf der Weide», sagt Doris Schoch. Eine Gruppe junger Islandpferde mit wuscheligem Winterfell und dichter Mähne tollt auf dem auftauenden Boden herum. Schliesslich wird das Gras interessanter als das Spielen und es kehrt Ruhe ein. Ein kühler Wind ist spürbar. Doris Schoch sagt:

«Mit Regen, Schnee, Kälte und Wind werden Islandpferde gut fertig. Keine Freude haben sie hingegen an Mücken und anderen Insekten, die ihnen in der warmen Jahreszeit das Leben schwermachen.»

Deshalb sind die Pferde des Islandpferdehofs Weierholz im Sommer nur fürs Fressen auf der Weide, während sie im Winter länger draussen bleiben – und die Zeit mit Spielen oder Entspannen in der Wintersonne verbringen.

Doris Schoch.

Doris Schoch.

(Bild: Viola Stäheli)

Das Ehepaar Doris Schoch und Markus Albrecht haben auf dem Seerücken ein Stück Island auf den Seerücken geholt. Der Hof liegt unweit der Wallfahrtskirche Klingenzell. Derzeit sind rund 120 Islandpferde auf dem Hof untergebracht. 20 Tiere gehören dem Paar, die anderen Pferde sind Pensionäre, Feriengäste oder Jungtiere, die hier ihre Jugend verbringen. «Die Anzahl Pferde auf dem Hof variiert ständig. Die Spitze ist in der Zeit um Weihnachten und Neujahr», sagt Albrecht.

Der Hof produziert das Futter für die Pferde selbst

In dieser Grösse gibt es nicht nur im Thurgau, sondern auch in der restlichen Schweiz keinen vergleichbaren Islandpferdehof. Aber nicht nur die Anzahl Pferde macht den Hof besonders, sondern auch die Kombination von Pferdehaltung und Pferdeausbildung mit Landwirtschaft. «Wir betreiben Ackerbau und produzieren auch das Pferdefutter selbst», sagt Markus Albrecht, der gelernter Landwirt ist.

Auch rund 30 Rinder sind auf dem Hof, sie übernehmen in Abwechslung mit den Pferden das Beweiden der Naturwiesen. Die Islandpferde werden in Gruppen gehalten, die von Zeit zu Zeit durchmischt werden, und sind so oft wie möglich auf den Weiden rund um den Hof. Die restliche Zeit verbringen sie im Freilaufstall. Doris Schoch sagt:

«Dank dieser Haltung ist es nicht zwingend notwendig, die Pferde jeden Tag zu reiten.»

Eine solche Haltung ist wiederum nur möglich, weil Islandpferde sehr verträglich sind. Und nicht nur das: Islandpferde sind zudem robust und selten krank. Die Liebe zu den Islandpferden hat Doris Schoch vor gut 30 Jahren entdeckt, als sie ihr erstes Islandpferd kaufte.

Über die Jahre schrittweise gewachsen

Markus Albrecht

Markus Albrecht

(Bild: Viola Stäheli)

Auch Markus Albrecht hat sie damit angesteckt, als sich die beiden kennen lernten. 1997 übernahm das Paar den Hof. «Zu Beginn hatten wir nur sechs Pferde, ahnten aber, dass es bald mehr sein würden», sagt Albrecht lachend. Dazu war der Hof ausserdem aus landwirtschaftlicher Sicht interessant.

Tatsächlich wurden die Pferde schnell viel zahlreicher und es mussten immer wieder einige Teile angebaut werden, bis der Islandpferdehof zu seiner heutigen, stattlichen Grösse herangewachsen ist. «Wir haben aber keine weiteren Anbauten geplant, sondern sind nun mit der Instandhaltung beschäftigt», sagt Albrecht.

Kóngur frá Lækjamóti: Der superschnelle Passgänger

Auf dem Hof ist auch ein besonderes Pferd zu Hause: der Weltmeister Kóngur frá Lækjamóti. Er steht entspannt an eine Boxwand gelehnt. Sein hellbraunes Winterfell ist flauschig, die helle Mähne wuschelig und sein Blick lausbübisch – er ist mittlerweile 18 Jahre alt, zweiter auf der Weltrangliste und hat zusammen mit Markus Albrecht schon viele Siege errungen.

Kóngur und Albrecht glänzen in den Rennen im Passgang über 250 Meter: Beim Passrennen gilt eine Zeit unter 22 Sekunden als hervorragend, beim Speedpass liegen die Spitzenzeiten unter acht Sekunden. Der Rekord von Kóngur ist im Passrennen 21,46 Sekunden, im Speedpass 7,38 Sekunden. Kóngur ist nicht das einzige Spitzenpferd auf dem Hof. Auch einige der jüngeren Pferde in Ausbildung, sind viel versprechend. Die sind derzeit aber damit beschäftigt, auf der Weide herumzutollen.

Ein vielfältiges Sportpferd

Islandpferde können nebst den Gangarten Schritt, Trab und Galopp zwei weitere Gänge: Tölt und Pass. Der Tölt ist ein Viertakt, das Pferd verliert nie den Kontakt zum Boden. Dadurch sitzt der Reiter ohne Erschütterung im Sattel. Beim Rennpass springt das Pferd von einem lateralen Beinpaar auf das andere, dazwischen liegt eine Flugphase. Beim Passrennen an Turnieren beträgt die Distanz 250 Meter, gestartet wird aus dem Stand. Beim Speedpass ist der Start fliegend, die Distanz beträgt 100 Meter. (vst)

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