Das Eschliker Verkehrsproblem ist gravierender als gedacht

Anderthalb Jahre, nachdem die Eschliker Grünen ihre Petition eingereicht haben, veröffentlicht der Gemeinderat die Ergebnisse einer umfassenden Verkehrserhebung: Die Zahlen überraschen doppelt.

Olaf Kühne
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Im Februar 2019 nahm Gemeindepräsident Hans Mäder (vorne, 2. v.l.) von den Eschliker Grünen die Petition entgegen.

Im Februar 2019 nahm Gemeindepräsident Hans Mäder (vorne, 2. v.l.) von den Eschliker Grünen die Petition entgegen.

(Bild: Olaf Kühne, 15. Februar 2019)

«360 Unterschriften gegen 13'000 Autos», titelte unsere Zeitung vor anderthalb Jahren. Gemeint war die Einreichung einer Petition der Eschliker Grünen. Die mehrere hundert Unterzeichner und die Ortspartei forderten mit dem Anliegen den Gemeinderat auf, Massnahmen zur Verkehrsberuhigung zu planen. Auch wenn die Petition der Grünen eher vage formuliert war, und in der Verkehrspolitik ganz allgemein ein langer Atem gefragt ist: Seit der Einreichung im Februar 2019 ist schon einiges geschehen.

So erhielt im Frühling dieses Jahres die Bahnhofstrasse auf der Höhe der Post einen Fussgängerübergang mit Mittelinsel. Mit diesem Schritt, dessen Planung schon vor Einreichung der Petition erfolgte, erfuhr Eschlikon zwar noch keine Verkehrsberuhigung. Immerhin aber verbesserte sich die Fussgängersicherheit. Entsprechend zufrieden zeigte sich denn auch Kurt Egger. «Wir sind froh über diesen Schritt in die richtige Richtung», sagte der Nationalrat und Grünen-Präsident im März gegenüber unserer Zeitung.

Die Eschliker Bahnhofstrasse erhielt auf Höhe Post jüngst einen Fussgängerübergang mit Mittelinsel. Hier noch der alte Zustand der vielbefahrenen Durchgangsstrassse.

Die Eschliker Bahnhofstrasse erhielt auf Höhe Post jüngst einen Fussgängerübergang mit Mittelinsel. Hier noch der alte Zustand der vielbefahrenen Durchgangsstrassse.

(Bild: Roman Scherrer, 10. März 2020)

Binnenverkehr nicht mitgezählt

Bezüglich Verkehrsberuhigung wollte der Gemeinderat aber nicht einfach ins Blaue schiessen. Vielmehr beauftragte die Behörde, zusammen mit dem Kanton, ein Ingenieurbüro mit einer umfassenden Verkehrserhebung. Und deren Ergebnis überrascht gleich doppelt: Anstelle der vermuteten 13'000 bis 15'000 Motorfahrzeuge sind es täglich gar deren 22'000.

Aber: Nur gerade ein Drittel davon, rund 7000 Fahrzeuge, ist eigentlicher Durchgangsverkehr. Die restlichen rund 15'000 Fahrten gehen auf das Konto des sogenannten Quell- und Zielverkehrs. Damit sind einerseits Eschlikerinnen und Eschliker gemeint, die beispielsweise mit ihrem Auto auswärts zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren. Andererseits auch Auswärtige, die nach Eschlikon kommen. Darunter wiederum zahlreiche Lastwagen mit dem Ziel Industriegebiet, südlich der Bahnlinie.

Nicht enthalten in all diesen Zahlen ist zudem der reine Binnenverkehr, also Autofahrten innerhalb Eschlikons. Diesen Verkehr könne man kaum erfassen, erklärt Hans Mäder auf Anfrage. Vor allem aber sagt der Eschliker Gemeindepräsident: «Das Ergebnis der Verkehrserhebung war für uns im Gemeinderat eine grosse Überraschung.»

Obwohl ein guter Teil des Eschliker Verkehrsproblems also hausgemacht ist: Das Thema Umfahrungsstrasse ist damit nicht vom Tisch. «Je nach Verkehrsführung könnte sie mindestens den ganzen Industrieverkehr vom Dorf fernhalten», sagt Hans Mäder.

Da die Realisierung einer Umfahrung aber erfahrungsgemäss eher Jahrzehnte als Jahre dauert, setzt der Eschliker Gemeinderat – auch – auf die Karte Neugestaltung, sprich Verkehrsberuhigung der Bahnhofstrasse. Im Mai hat er hierfür, wiederum in Zusammenarbeit mit dem Kanton, eine Machbarkeitsstudie sowie ein Vorprojekt in Auftrag gegeben. Begleiten soll das Vorhaben eine Begleitgruppe aus Politik, Schule, Petitionären und Gewerbe.

Für das Jahr 2040 prognostizieren Verkehrsplaner Eschlikon übrigens gar 28'000 Autos und Lastwagen. Der Begleitgruppe wird die Arbeit also noch lange nicht ausgehen.

Eine Umfahrung bleibt in Eschlikon Thema

Der Eschliker Gemeinderat kritisiert das kantonale Gesamtverkehrskonzept. Um eine Basis für allfällige Massnahmen zu haben, lässt er nun eine Verkehrszählung durchführen.
Roman Scherrer