Von Romanshorn per Zug direkt nach Lindau: SBB will neuen RegioExpress am Bodensee realisieren

Die Hafenstadt Romanshorn soll dank eines Direktzuges mit Lindau verbunden werden. Die SBB bestätigen, dass das Projekt relativ weit gediehen ist. Der erste Zug könnte bereits im Dezember 2021 vom Oberthurgau nach Südbayern verkehren.

Sebastian Keller
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Der Weihnachtsmarkt in Lindau. (Bild: PD/Wolfgang Schneider, Lindau Tourismus)

Der Weihnachtsmarkt in Lindau. (Bild: PD/Wolfgang Schneider, Lindau Tourismus)

Die bayerische Bodenseestadt Lindau rückt näher an den Thurgau und die Ostschweiz. Geplant ist eine neue direkte Bahnverbindung. Und zwar von Romanshorn über Rorschach, St.Margrethen und Bregenz bis auf die Insel Lindau. Aktuell dauert die Fahrt von Romanshorn nach Lindau eine Stunde und 15 Minuten – mit dreimal umsteigen.

SBB-Sprecher Christian Ginsig bestätigt auf Anfrage, dass das Projekt «relativ weit» gediehen ist. Es fanden Abklärungen zwischen SBB Infrastruktur, den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), dem Bundesamt für Verkehr (BAV), der Bayerischen Eisenbahngesellschaft sowie den Kantonen Graubünden, Thurgau und St. Gallen statt. «Sie sind gemündet in ein Projekt unter der Federführung des BAV.» Der Nutzen des neuen Angebotes sind gemäss Ginsig schnellere Verbindungen – bis zu 25 Minuten rascher. Zudem mehr Verbindungen mit weniger Umsteigen von Thurgau, St.Gallen und Graubünden aus entlang des Bodenseeufers nach Bayern und Baden-Württemberg.

Der erste Direktzug fährt frühestens ab Fahrplanwechsel im Dezember 2021. Ginsig sagt: «Aktuell befindet sich die Schweizer Seite, also die Kantone, das BAV und die SBB in Abstimmungen mit Vorarlberg und Bayern bezüglich Umsetzungshorizont, Fahrplankonzept und Finanzierung.»

Zusammenhang mit EC Zürich-München

Die neue Direktverbindung ist eng verknüpft mit dem Angebotsausbau des Eurocitys von Zürich über St. Gallen nach München. Derzeit werden auf dem deutschen Teilstück Lindau-Geltendorf die fehlenden 155 Kilometer elektrifiziert. Kostenpunkt laut Deutscher Bahn: 440 Millionen Euro, die Schweiz übernimmt 50 Millionen. «Die Infrastruktur in Deutschland wird bis Ende 2020 fertiggestellt», sagt SBB-Sprecher Ginsig.

Der schnellere Eurocity – dannzumal als Neigezug – fährt erstmals im Dezember 2020. Die Fahrzeit zwischen Zürich und München wird auf 3 Stunden und 30 Minuten reduziert, heute sind es 4 Stunden und 44 Minuten – auch wegen der Bauarbeiten. Von St.Gallen in die Oktoberfest-Stadt dauert die Reise noch zweieinhalb Stunden. Zudem fährt der Zug neu alle zwei Stunden, also sechsmal pro Tag. Heute sind es vier Verbindungen.

Der neue Zug soll den Takt «auffüllen»

Für die Direktverbindung ab Romanshorn würde nach heutigen Plänen die S7 bis nach Lindau verlängert. Und zwar in den Stunden, in denen kein Eurocity fährt. Wie in einer Präsentation des BAV, welche dieser Zeitung vorliegt, zu lesen ist, soll der Zug als RegioExpress geführt werden. Mit der Verlängerung des Zuges von Romanshorn bis nach Lindau soll der Takt «aufgefüllt» werden, wie es im Bähnlerjargon heisst.

Damit würde eine stündliche Direktverbindung aus der Ostschweiz bis nach Südbayern geschaffen. SBB-Sprecher Ginsig fasst es so zusammen: «Damit können mit relativ geringem Aufwand langlaufende und hochwertige Verbindungen quasi stündlich statt nur sechsmal am Tag angeboten werden.» Dies sei ein wesentlicher Beitrag für einen attraktiveren und grenzüberschreitenden Regionalverkehr am östlichen Bodenseeufer.

Wie auf einer weiteren Folie des BAV zu lesen ist, besteht für ein solches Angebot ein Marktpotenzial: so zum Beispiel für Tagespendler von der Schweiz nach Vorarlberg, aber auch für Wochenaufenthalter aus dem südlichen Bayern und dem ganzen Vorarlberg in die Schweiz. Weiter orten die Verantwortlichen Potenzial für Geschäftsreisende und natürlich für Touristen. Die Region Bodensee zählt pro Jahr rund vier Millionen Touristen. Die Stadt Lindau ist eine der Top-4-Destinationen am internationalen Gewässer.

Stadler-Züge fahren nach München

Der Ostschweizer Schienenfahrzeugbauer kann 22 Triebzüge für den Nahverkehr zwischen Lindau und der Landeshauptstadt Bayerns liefern. Derzeit wird die Strecke elektrifiziert. Pendler kommen künftig rascher und bequemer voran.
Thomas Griesser Kym