Direkte Demokratie
«Von so einem Projekt weiss niemand im Gemeinderat etwas»: Die ausserordentliche Gemeindeversammlung in Schlatt sorgte für Zündstoff

An der Gemeindeversammlung vom Montagabend gab es hitzige Diskussionen. Thema war unter anderem die neue Kommunalplanung. Trotz vieler Einwände wurden sowohl der Zonenplan als auch das Baureglement angenommen.

Thomas Güntert
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Die Gemeinde Schlatt hat dem neuen Zonenplan zugestimmt.

Die Gemeinde Schlatt hat dem neuen Zonenplan zugestimmt.

Bild: Thomas Güntert

Es war eine Gemeindeversammlung, welche die Gemeindepräsidentin verärgerte. Grund dafür: Meinungsverschiedenheiten betreffend die neue Kommunalplanung. Matthias Ott vom Schaffhauser Raumplanungsbüro Winzeler + Bühl hat diese am Montagabend vorgestellt. Nach einer teilweise hitzig geführten Diskussion haben die 89 Stimmberechtigten den neuen Zonenplan mit 51 Ja, 29 Nein und 5 Enthaltungen angenommen. Ähnliches gilt für das neue Baureglement, das mit 70 Ja-, 11 Nein-Stimmen und 4 Enthaltungen angenommen wurde.

Die Stimmberechtigten interessierten sich vor allem für die Teilauszonung der rund 4800 Quadratmeter umfassenden Wohnzone W1 im Gebiet Schetterenberg am südwestlichen Ortsrand von Mettschlatt sowie für die flächengleiche Einzonung im Gebiet Ietelburg an der Verbindungsstrasse von Schlatt zum Kundelfingerhof. Nach der öffentlichen Auflage sind zahlreiche Einsprachen gegen die Änderung des Zonenplans eingereicht worden. Eine davon wurde von 58 Personen unterschrieben. Jedoch alle Einsprachen wurden vom Gemeinderat abgewiesen.

Trotz hitziger Diskussion wurden der neue Zonenplan und das Baureglement angenommen.

Trotz hitziger Diskussion wurden der neue Zonenplan und das Baureglement angenommen.

Bild: Thomas Güntert

Verschiedene Votanten kritisierten bei der Versammlung, dass bei einer Bebauung im Feldgehölz wertvoller Lebensraum für verschiedene Tierarten verloren geht. Sie sehen darin einen schlechten Abtausch gegen die Wiese mit den alten Hochstammbäumen auf dem Schetterenberg. Gemeindepräsidentin Marianna Frei bemerkte, dass lediglich ein Drittel des Wäldchens verloren ginge und dass sich in diesem Teil eine ehemalige Deponie mit Altlasten befindet, die irgendwann sowieso saniert werden muss.

Revision Kommunalplan

Schlatt liegt laut dem kantonalen Richtplan von 2018 in der «Kulturlandschaft», in der die Anzahl Raumnutzer gehalten, aber kaum mehr wachsen soll. Die Gemeinde hat mit rund 65 Hektaren Wohn-, Misch- und Zentrumszonen noch genügend Bauland, um das prognostizierte Wachstum langfristig auffangen zu können. Die letzte Gesamtrevision wurde im Jahr 1999 bei der Fusion von Mett-Oberschlatt und Unterschlatt vorgenommen. Der neue Kommunalplan soll sicherstellen, dass die Gemeinde Schlatt nach innen wächst, ohne den ländlichen Siedlungscharakter zu verlieren. (gün)

Jakob Möckli meldete sich immer wieder zu Wort und animierte das Stimmvolk zur Ablehnung der Revision. Möckli würde wohl den Schetterenberg auszonen, aber auf die Einzonung vom Ietelburg verzichten. Kurt Engel entgegnete, dass die Gemeinde nicht auf 47 Aren Bauland verzichten kann, wo jeder Quadratmeter bis zu 500 Franken Wert hat. Der alt Gemeindeammann bemerkte zudem, dass eine Einzonung nur möglich ist, wo es keine Fruchtfolgeflächen gibt und Ietelburg das einzige gemeindeeigene Gebiet sei, das in dieser Grössenordnung noch eingezont werden kann.

Stimmungsvolle Diskussionsrunde

Als Möckli der Gemeindepräsidentin noch vorwarf, den 58 Einsprechenden zu wenig Gehör zu schenken, und eine geplante Treppenhaussiedlung eines Spekulanten ins Spiel brachte, war Frei sichtlich verärgert. «Von so einem Projekt weiss niemand im Gemeinderat etwas, und von den 58 Einsprechenden wird uns der Garaus an den Kopf geworfen», schimpfte sie. Unterstützung bekam die Gemeindepräsidentin von Monika Fischbach, die es als egoistisch bezeichnete, wenn man schön wohnt und niemanden in der Nähe haben will.

Reto Vetter, stellvertretender Gemeindepräsident Schlatts.

Reto Vetter, stellvertretender Gemeindepräsident Schlatts.

Bild: Thomas Güntert

Heidi Baumann beklagte sich noch über das hohe Verkehrsaufkommen auf der Klostergutstrasse im Teilort Paradies und dass dort nun auch noch ein Hotel der Georg Fischer AG in Planung sei. Sie habe den Umweltreferenten und stellvertretenden Gemeindepräsidenten Reto Vetter darauf angesprochen, aber keine Auskunft erhalten. «Auf der Strasse plaudert man nicht über laufende Geschäfte», entgegnete er ihr. Frei erklärte ihr, dass bis jetzt lediglich ein nicht öffentliches Seminarhotel in der Vorplanung sei, das den Verkehr nicht gross belasten werde. Das zweite Traktandum über die Revision des Abwasserreglements wurde dann zur Formsache und mit lediglich zwei Enthaltungen durchgewunken.

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