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Diplomatischer, anständiger und fairer Umgang am TZ-Podium in Frauenfeld

Die Spannung steigt im Rennen um die vier Sitze im Frauenfelder Stadtrat. Beim Podium der Thurgauer Zeitung mussten sich die Kandidatinnen und Kandidaten zwar zu heissen Eisen äussern. So richtig haben sie sich aber nicht aus der Reserve locken lassen.
Samuel Koch
Die Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat stellen sich den Fragen: Stefan Leuthold, Johannes Eiholzer, Elsbeth Aepli, Barbara Dätwyler, Andreas Elliker, Roland Wyss und Fabrizio Hugentobler flankiert von den beiden Moderatoren Mathias Frei und David Angst. (Bild: Reto Martin)

Die Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat stellen sich den Fragen: Stefan Leuthold, Johannes Eiholzer, Elsbeth Aepli, Barbara Dätwyler, Andreas Elliker, Roland Wyss und Fabrizio Hugentobler flankiert von den beiden Moderatoren Mathias Frei und David Angst. (Bild: Reto Martin)

Das Rennen um die Sitze im Stadtrat biegt in die entscheidende Phase ein. Viele Stimmbürger können wohl kaum erwarten, die Namen ihrer Kandidaten auf den Wahlzettel zu schreiben. Dass die Spannung steigt, hat sich am Dienstagabend im Rathaus auch beim Podium der Thurgauer Zeitung gezeigt. Knapp 300 Besucherinnen und Besucher liessen sich das rund zweistündige Kreuzverhör durch die beiden Moderatoren David Angst und Mathias Frei nicht entgehen. Aufmerksamkeit und ein hoher Puls im Saal war gewiss – nicht nur bei den Kandidatinnen und Kandidaten auf der Bühne.

Spannender könnte die Ausgangslage kaum sein: Eine Bisherige und sechs Neue machen die vier Sitze im Stadtrat unter sich aus. Zwar haben sich die Protagonisten auf der Bühne klar zu diversen heissen Eisen in der aktuellen Lokalpolitik wie Stadtentlastung, Landverkauf an Twerenbold, Finanzlage oder Stadtkaserne positioniert. So richtig aus ihrer Reserve locken lassen haben sich die Kandidaten aber nicht. Selbst Andreas Elliker (SVP) beantwortete die Frage, ob er denn überhaupt ein geeigneter Typ für eine Kollegialbehörde sei, gelassen:

«Im Stadtrat geht es darum, überparteiliche Mehrheiten zu finden, das haben wir auch bei der Wärme Frauenfeld AG gesehen.»

Diplomatische Äusserungen folgten auch auf den Vorwurf an die drei Neuen, sie würden mit ihrer Kandidatur die Konkordanz mit Füssen treten. «Ich bin ein Vertreter der progressiven Mitte und mit meinem Wissen und meinen Fähigkeiten gerne vorne dabei», sagte Stefan Leuthold (GLP). Aus der Mitte heraus «besser vernetzt auf beide Seiten» sieht sich auch Roland Wyss (EVP), für den die Person und nicht die Partei im Zentrum steht. Und weil die Freisinnigen mit Stadtpräsident Anders Stokholm bereits einen Sitz im Stadtrat besetzen, pflichtete Fabrizio Hugentobler (FDP) seinem Vorredner bei und ergänzte: «Es soll gewählt werden, wer am besten für den Stadtrat geeignet ist.»

Uneins über Stadtentlastung und Landverkauf an Twerenbold

Etwas hitziger, wenn auch stets anständig und fair ging es bei der Gretchenfrage nach dem Tunnel vonstatten. Barbara Dätwyler (SP) bemängelte das Kosten-Nutzen-Verhältnis: «Deshalb sage ich Nein zur zentrumsnahen Stadtentlastung.» «Extrem kritisch» gibt sich auch Johannes Eiholzer (CH), «denn der Tunnel löst nicht all unsere Probleme». Stark macht er sich vielmehr für flankierende Massnahmen, wie auch Stefan Leuthold, der wegen «des Gnusch zu Stosszeiten» für Tempo 40 oder punktuellem Einbahnverkehr plädiert. «Das eine tun, das andere nicht lassen», sagte Roland Wyss.

Hingegen geschlossen hinter der zentrumsnahen Stadtentlastung stehen die Bürgerlichen, denen die von Eiholzer angesprochene Veränderung der Mobilität zu wenig rasch vorwärtsgeht, um auf einen Tunnel zu verzichten. «Es ist zwar eine teuere, aber die beste Lösung», sagte Elsbeth Aepli (CVP), die sich als einzige Bisherige im Wahlrennen befindet. Sie hofft deshalb auf eine Mehrheit, «sonst müssen wir irgendwann sagen, dass wir es so lassen, so wie es ist».

Ebenso die Meinung des Stadtrates teilt Aepli auch beim Grundstückverkauf im Sonnmatt-Quartier an Twerenbold, worüber das Volk gleichzeitig mit den Stadtratswahlen am 10. Februar befindet.

«Es ist zwar eine teuere, aber die beste Lösung», sagte Aepli. Sie hofft deshalb auf eine Mehrheit, «sonst müssen wir irgendwann sagen, dass wir es so lassen, so wie es ist». Ebenso die Meinung des Stadtrates teilt Aepli auch beim Grundstückverkauf im Sonnmatt-Quartier an Twerenbold, worüber das Volk gleichzeitig mit den Stadtratswahlen am 10. Februar befindet.

Kritik wegen «Vogel-friss-oder-stirb»-Taktik

Kritik hagelte es hingegen von Andreas Elliker und Johannes Eiholzer zur Bodenpolitik und zum Standort. «Twerenbold wäre in der Industriezone im Osten besser aufgehoben», sagte Letzterer. Zwar seien die Arbeitsplätze wichtig, betonten alle Gegner des Landverkaufs unisono. «Unter diesen Umständen und mit einer ‹Vogel-friss-oder-stirb›-Taktik sage ich Nein», betonte Stefan Leuthold und sprach den bereits budgetierten Millionengewinn an. Elsbeth Aepli entkräftigte dieses Argument postwendend:

«Die Budgetierung hat mit dem neuen Rechnungslegungsmodell HRM2 zu tun und ist sicher nicht matchentscheidend.»

Von einem Ja überzeugt ist Barbara Dätwyler: «Die Stadt soll nicht nur Wohnraum sein, sondern die Leute sollen auch hier arbeiten.» Fabrizio Hugentobler teilt zwar die Ängste der Anwohner und Gegner, kritisiert aber deren Strategie. «Wir müssen bei den Fakten bleiben und nicht Halbwahrheiten erzählen», sagte er, etwa betreffend der Zufahrt der Reisebusse. Roland Wyss befürwortet die Twerenbold-Ansiedlung ebenso und möchte die Anwohner wegen der befürchteten Lärmzunahme beruhigen:

«Twerenbold geht selber davon aus, dass der Lärm zumutbar ist, sonst würde er direkt nebenan ja nicht eigene Wohnungen vermieten wollen.»

Uneinigkeit herrscht auch bei den Finanzen. Der Gemeinderat versenkte eine vom Stadtrat geplante Steuersenkung. Einzig dafür ausgesprochen hatten sich die Sozialdemokraten. «Mit den anstehenden Projekten wie dem Hallenbad, Verkehr oder Stadtkaserne wäre es Zeit gewesen für einen moderaten Anstieg», sagte Barbara Dätwyler.

Den Zeitpunkt bemängelte Johannes Eiholzer und fragte: «Warum genau jetzt?» Zuerst müsse feststehen, wie hoch die Preisetiketts für die anstehenden Investitionen seien. Zudem stehe das Projekt «Balance» in der Pipeline, um die Selbstfinanzierung zu erhöhen.

Träumen von lebendigem Areal bei Stadtkaserne

Prophetische Züge nahm die Diskussion beim Thema Stadtkaserne an, bei welchem viele von Hotels, Restaurants und kulturellen Veranstaltungen träumten. Johannes Eiholzer forderte, den Bund als Liegenschaftsbesitzerin mit Wohntürmen auf dem Unteren Mätteli unter Druck zu setzen. «Das Militär sitzt am längeren Hebel, mit Druck seitens der Stadt passiert gar nichts», erwiderte Elsbeth Aepli. Zudem kritisierte sie einzelne Voten, wonach ins Kasernengebäude auch Büros gebaut werden sollten und erntete einige Lacher:

«Mit Büros bringt man sicher nicht mehr Leben in die Stadtkaserne.»

Dass das zentrumsnahe Areal für ganz Frauenfeld eine grosse Chance darstellt und viel Leben in die Innenstadt bringt, darüber waren sich für einmal alle Kandidaten einig.

Vor und nach dem Kreuzverhör durfte sich auch Stadtpräsident Anders Stokholm auf die Bühne begeben, der sich zwar ebenso zur Wiederwahl stellt, aber ein einsames Rennen ohne Konkurrenz führt. Auf die Frage nach vier Zielen für die Zukunft rückte er die Teambildung im ab Juni neu besetzten Stadtrat, stabile Finanzen, Digitalisierung sowie die Stadtentwicklung ins Zentrum. «Wir müssen vorwärtsgehen und die Stadt je länger, je mehr zum Dienstleistungsunternehmen entwickeln.»

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