Digitalisierung
Smarte Technologie für mehr Effizienz und Klimaschutz: Der Kanton Thurgau startet eine landwirtschaftliche Versuchsstation

Der Kanton Thurgau will smarte Technologien in Landwirtschaftsbetrieben anwenden und prüfen. Die Erkenntnisse sollen schliesslich der ganzen Schweiz dienen. Den Start macht ein Projekt für eine effektivere Stickstoffdüngung.

Roman Scherrer
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Bevor sie in Landwirtschaftsbetrieben zum Einsatz kommen, werden smarte Technologien in der Swiss Future Farm in Tänikon getestet.

Bevor sie in Landwirtschaftsbetrieben zum Einsatz kommen, werden smarte Technologien in der Swiss Future Farm in Tänikon getestet.

Bild: Andrea Stalder

Die eidgenössischen Agrarinitiativen vom 13. Juni hatten im Thurgau keine Chance. Die umweltschonendere und dennoch effiziente Lebensmittelproduktion beschäftigt die hiesige Landwirtschaft aber weiterhin. Das zeigt der Kanton mit dem Start der Versuchsstation «Anwendungsregion smarte Technologien». Dabei sollen digitale Hilfsmittel im Praxisbetrieb geprüft und optimiert werden – mit dem Ziel einer klimaschonenderen und effizienteren Produktion. Die Erkenntnisse daraus sollen schliesslich der gesamten Schweizer Landwirtschaft zur Verfügung gestellt werden.

Konkret startet die Versuchsstation nun mit einem Projekt zur effizienteren Stickstoffdüngung. Die Grundlage dafür ist während einer Testphase von drei Jahren in der Swiss Future Farm auf dem Agroscope-Areal in Tänikon erarbeitet worden, sagt Ueli Bleiker, Chef des Landwirtschaftsamtes des Kantons Thurgau.

Spezifischer Einsatz von Stickstoffdünger

Mittels Drohnen und Satellitenbildern habe man die sogenannte Grünmasse von Pflanzen ermittelt und auf dessen Basis Stickstoffdünger spezifischer eingesetzt. «An Stellen, wo die Grünmasse dunkel ist, braucht es weniger Stickstoffdünger, an helleren Stellen mehr», erklärt Bleiker und ergänzt:

«Die Ergebnisse zeigten, dass man den Stickstoff um rund 20 Prozent reduzieren konnte, bei gleich bleibendem Ertrag.»

So verbleibe weniger Stickstoff im Ökosystem.

Ueli Bleiker Leiter Landwirtschaftsamt Thurgau.

Ueli Bleiker
Leiter Landwirtschaftsamt Thurgau.

Bild: Andrea Stalder

In der Versuchsstation geht es nun darum, dieses Projekt in Landwirtschaftsbetrieben in den beteiligten Kantonen Thurgau und Schaffhausen anzuwenden, um Erfahrungen im Praxisalltag zu machen. «Wir wollen nun Landwirte motivieren, dabei mitzumachen», sagt Bleiker. Für die Startphase sei es optimal, wenn sich fünf bis zehn Betriebe beteiligen.

In der Startphase konzentriert sich die ortsspezifische Stickstoffdüngung auf den Getreideanbau. Die Betriebe, welche sich an der Versuchsstation beteiligen, erhalten beratende Unterstützung des BBZ Arenenberg. Im Zeitraum August/September soll das erste Projekt der Versuchsstation starten. «Die Beratungsphase ist auf vier Jahre begrenzt», sagt Bleiker. Danach, so die Erwartung, sollte das Potenzial dieser Technologie für die Praxis besser sichtbar sein.

Vertreter der Versuchsstationspartner: Ulrich Ryser, Direktor Agridea, Nadja El Benni, Leiterin Wettbewerbsfähigkeit und Systembewertung Agroscope, Christian Eggenberger, Leiter Beratung BBZ Arenenberg, Ueli Bleiker, Leiter Landwirtschaftsamt Thurgau und Markus Leumann, Leiter Landwirtschaftsamt Schaffhausen.

Vertreter der Versuchsstationspartner: Ulrich Ryser, Direktor Agridea, Nadja El Benni, Leiterin Wettbewerbsfähigkeit und Systembewertung Agroscope, Christian Eggenberger, Leiter Beratung BBZ Arenenberg, Ueli Bleiker, Leiter Landwirtschaftsamt Thurgau und Markus Leumann, Leiter Landwirtschaftsamt Schaffhausen.

Bild: PD

Kein separates Budget für Beratung

Ein separates Budget gibt es für die «Anwendungsregion smarte Technologien» nicht, erklärt Ueli Bleiker. «Vom Kanton wird das im Rahmen der Beratungstätigkeit des BBZ Arenenberg finanziert.» Diesbezüglich gibt es zudem finanzielle Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft.

Daniel VetterliCo-Präsident Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Daniel Vetterli
Co-Präsident Verband Thurgauer Landwirtschaft.

Bild: Reto Martin

Nebst Agroscope und den Kantonen Thurgau und Schaffhausen ist auch die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea an der Versuchsstation «Anwendungsregion smarte Technologien» beteiligt. Ins Boot geholt haben sie die kantonalen Bauernverbände. «Wir begrüssen dieses Projekt und sind motiviert, in enger Zusammenarbeit mit der Forschung Lösungen für eine noch ressourcenschonendere Landwirtschaft zu finden», sagt Daniel Vetterli, Co-Präsident des Verbands Thurgauer Landwirtschaft.

Im kommenden Jahr könnte für die Anwendungsregion beispielsweise der Einsatz von Hackrobotern als Thema aufgenommen werden, blickt Bleiker voraus. Und in seiner Mitteilung gibt das Amt für Landwirtschaft des Kantons Thurgau einen Vorgeschmack auf die Möglichkeiten von datenbasierten Modellen in der Agrarwirtschaft. Durch diese könne man nämlich frühzeitig erkennen, ob sich Pflanzenkrankheiten ausbreiten oder wie es um die Gesundheit der Kühe steht.