Digital-Campus, Berufsbildungs-Campus und Untergymnasium: Die FDP Thurgau hat Ideen für den TKB-Erlös

Der Thurgau weiss nicht recht, was er mit den 127 Millionen Franken aus dem Teilverkauf der Kantonalbank anfangen soll. Die FDP will 65 Millionen Franken in die Bildung stecken. Für die Kultur bleibe da noch genug.

Thomas Wunderlin
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Die FDP-Bildungspolitiker: Daniel Eugster, Brigitte Kaufmann, Kristiane Vietze, Anders Stokholm, David H. Bon.

Die FDP-Bildungspolitiker: Daniel Eugster, Brigitte Kaufmann, Kristiane Vietze, Anders Stokholm, David H. Bon.

Andrea Stalder
  • Die FDP Thurgau will 35 Millionen Franken in einen Digital Campus investieren.
  • 30 Millionen Franken sollen für einen Berufsbildungscampus Ostschweiz ausgegeben werden.
  • Mit 50'000 Franken soll ein Untergymnasium angeschoben werden.

In der Regel hat man Visionen, aber das Geld fehlt. Im Thurgau ist es nach Meinung des Freidorfer FDP-Kantonsrats Daniel Eugster zurzeit genau umgekehrt. Seit 2014 hat der Kanton 127,2 Millionen Franken Eigenkapital aus dem Verkauf der Partizipationsscheine der Thurgauer Kantonalbank (TKB), und er weiss nicht, was er damit tun soll. Nur dass die Millionen nicht in die allgemeine Haushaltskasse fliesen sollen, darüber ist man sich mehr oder weniger einig.

Nachdem der Grosse Rat die fünfjährige Sperrfrist um zwei Jahre verlängert hat, sollte er nun langsam wissen, was er mit dem Geld tun will. Am Mittwoch hat der Regierungsrat in einem Inserat das Publikum zur Einreichung von Projektideen aufgerufen. Mehr oder zufällig am selben Tag gab die FDP drei Vorschläge bekannt.

Bei Thurgau an Bildung statt an Äpfel denken

Laut Eugster soll der Bildungsstandort aufgewertet werden. Man soll bei Thurgau nicht nur an Äpfel denken. Von «Leuchttürmen im Bildungs- und Innovationsbereich» war in den Unterlagen zu lesen.

• 35 Millionen Franken sollen in den Digital Campus investiert werden. Dabei handelt es sich um ein Zentrum für Lehr- und Lernangebote für digitales Wissen und digitale Transformation. Das Projekt wird von der Industrie- und Handelskammer Thurgau entwickelt. In Kreuzlingen könnte er von der Nähe der Universität und der Technischen Fachhochschule Konstanz und der Pädagogischen Hochschule Kreuzlingen profitieren. Erweitert werden könnte er nach Frauenfeld, wo er mit dem Bildungszentrum für Technik, in Romanshorn mit dem Haus des Lernens zusammenarbeiten könnte. Laut der Frauenfelder FDP-Kantonsrätin Kristiane Vietze soll damit dem Fachkräftemangel im Kanton entgegengewirkt werden.

• 30 Millionen Franken will die FDP für den Berufsbildungscampus Ostschweiz ausgeben. An einem noch zu bestimmenden Standort sollen Lehrlinge verschiedener Branchen die überbetrieblichen Kurse besuchen. Heute finden sie an diversen Orten statt. Die Federführung des Projekts liegt beim Thurgauer Gewerbeverein. Von der Zusammenlegung erhofft man sich Synergien zwischen den Berufen, sagte die Uttwiler FDP-Kantonsrätin Brigitte Kaufmann, die auf der Geschäftsstelle des Gewerbeverband für den Bereich Politik zuständig ist.

• 50'000 Franken möchte die FDP zur Anschubfinanzierung eines Untergymnasiums verwenden. Kristiane Vietze will damit die Standortattraktivität erhöhen. Der laufende Betrieb würde aus dem ordentlichen Haushalt bestritten mit schätzungsweise 200000 Franken jährlich. Vietze und Parteipräsident David H. Bon erklärten, für Kader der Thurgauer Firmen sei es wichtig, dass ihre Kinder in ein Untergymnasium besuchen könnten. Auch Frauenfelder Eltern schickten ihre Kinder nach Winterthur ins Untergymnasium, sagte Anders Stokholm, Fraktionspräsident und Frauenfelder Stadtpräsident.

Die drei FDP-Vorschläge kosten zusammen 65'050'000 Franken – rund die Hälfte des TKB-Erlöses. Bon kommentierte:

«Vom grossen Kuchen bleibt auch noch viel für die Kultur.»
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