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Atemnot wegen Hitze: Diessenhofer Tierarzt verhilft überzüchteten Hunden zu mehr Schnauf

Zuchthunde mit zu kurzen Schnauzen leiden unter Atemnot. Eine Operation kann korrigieren, was der Mensch fehlgezüchtet hat. Ein Augenschein in der Tierarztpraxis von Daniel Koch.
Thomas Brack
Tierarzt Daniel Koch und Praxisassistentin Leandra Tschudi operieren die Nase von Bulldogge Florence.. (Bild: Thomas Brack)

Tierarzt Daniel Koch und Praxisassistentin Leandra Tschudi operieren die Nase von Bulldogge Florence.. (Bild: Thomas Brack)

Es ist Mittwochmorgen, Acht Uhr, als Hundebesitzerin Anita Wiedemeier aus Birchwil ZH mit ihrer Hündin in der in der Kleintierchirurgiepraxis Daniel Kochs in Diessenhofen erscheint. Der Grund: Die eineinhalbjährige französische Bulldogge Florence, genannt Flo, leidet wegen ihrer Kurznasigkeit unter schwerer Atemnot. «Eigentlich ist sie ein bewegungsfreudiges Tier, doch kriegt sie beim Rennen einfach nicht genügend Luft», sagt Wiedemaier. Hier soll der Tierchirurg Abhilfe schaffen, indem er das zu lange Gaumensegel verkürzt und die Nüstern erweitert.

Ästhetik kommt vor Ethik

Die Natur hat extreme Kurznasigkeit in der Evolution nicht vorgesehen. Es ist der Mensch, der die Tiere krankgezüchtet hat. Deshalb landen einige dieser Hunde schliesslich auf Kochs Operationstisch. Koch gilt als Spezialist auf dem Gebiet der extremen Kurznasigkeit bei Hunden. Mehrere publizierte Arbeiten zu dieser Thematik adeln Koch zur international bekannten Experten.

Koch sagt philosophisch zur bevorstehenden Operation: «Eigentlich korrigiere ich hier lediglich, was der Mensch in Lauf der letzten hundert Jahre krankgezüchtet hat.» Bei dieser Hunderasse gelten französische Standards, die sich mehr nach der Ästhetik als nach dem Tierwohl richten. Eine möglichst kurze Nase gelte als chic, obschon dies für das Tier fatale Folgen hat, meint Koch.

Flo soll wieder frei atmen können

Die Bulldogge Flo liegt liegt nun unbeweglich auf dem Operationstisch. Ein Tubus pumpt Sauerstoff und Narkosegas in ihre Lungen, im Hintergrund zeigt ein Bildschirm die Werte von Sauerstoffversorgung, Puls und Herzfrequenz an. Der Tierarzt schreitet zur Operation. Sorgfältig schneidet er im Rachen und in der Nase des Tieres die störenden Teile weg. Anschliessend näht er die Schnittwunden zu. Dann werden Wattestäbchen in die Nüstern gesteckt.
«Nun müssen wir warten, bis die Watte den Blutfluss gestoppt hat», kommentiert Koch. Auf der Edelstahlablage liegen die Gründe für diese Operation: Nasenknorpelteile und ein 20 Millimeter langes Stück des Gaumensegels. Es sind die stummen Zeugen qualvoller Überzüchtung.

Grosse Nachfrage fördert Qualzuchten

Prominente posten Bilder mit ihren Vierbeinern im Internet: Kurznasige Moderassen wie Möpse, französische Bulldoggen oder der Boxer – um hier nur die bekanntesten Vertreter zu nennen. Die riesige Nachfrage kann durch seriöse Züchter in der Schweiz nicht befriedigt werden, denn das schweizerische Tierschutzgesetz hält fest, dass einem Tier durch Zucht keine «Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen» zugefügt werden dürfen. Die Folge: Immer mehr dieser Tiere gelangen auf illegalen Wegen aus dem Ausland in die Schweiz.

Schnelles Geld statt Tierwohl

Das Interesse dieser dubiosen Züchter ist das schnelle Geld und nicht das Tierwohl. Alarm schlagen nun neben der Schweizerischen Kynologischen Gesellschaft SKG auch zahlreiche Tierärzte. Pro Woche operiert Koch zwei bis drei Hunde wegen Brachycephalie, Tendenz steigend. Koch ist nicht für ein generelles Verbot kurnasiger Hunde. «Aber beim Kauf eines solchen Hundes sollte darauf geachtet werden, dass selbst eine kurze Nase über eine gewisse Länge verfügt. Denn nur diese bietet Gewähr, dass dem Tier künftig wohl ist.»

Immer noch liegt Flo betäubt auf dem Operationstisch, mit sechs Wattestäbchen in den Nüstern. Doch sobald sie aufwacht, wird sie eine ungewohnte, freudige Erfahrung machen können: Sie kann jetzt wieder frei durch ihre Nase atmen.

Kurzschädlige Hunde leiden unter der Hitze

Der medizinische Fachbegriff lautet Brachycephalie, was Kurzköpfigkeit bedeutet. «Merkmale sind verengte Nüstern, ein schmaler Rachen, ein verlängertes Gaumensegel, ausgestülpte Kehlkopftaschen und eine dicke Zunge», beschreibt Tierarzt Daniel Koch die Missbildungen. «Da Hunde nicht schwitzen können und deswegen ihre Temperatur über einen Kühlvorgang in der Nase kontrollieren, leiden kurzschädlige Hunde stark unter Sommerhitze und körperlicher Belastung», sagt der Tierarzt (tbr)

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