Diessenhofen
Wenn's pressiert, das Wichtigste zuerst retten: Im Schaudepot St. Katharinental wird im Notfall priorisiert

Historiker Peter Bretscher führte die Gäste der öffentlichen Führung vom Samstag, 9. Oktober, durch das Schaudepot St. Katharinental. Er zeigte besondere Stücke und erklärte, was im Notfall zuerst gerettet wird und weshalb.

Dieter Ritter
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Historiker Peter Bretscher präsentiert eine hölzerne Nähmaschine.

Historiker Peter Bretscher präsentiert eine hölzerne Nähmaschine.

Bild: Dieter Ritter

Peter Bretscher aus Andelfingen führte dreissig Gäste durch das Schaudepot St. Katharinental. Bretscher ist Volkskundler sowie Historiker und amtet als Kurator. Er erklärte die Kriterien, nach denen aus den rund 10'000 Ausstellungsobjekten jene ausgewählt werden, die besonders wertvoll sind. Diese müssen vordringlich geborgen werden, wenn eine Naturgewalt wie Feuer oder Wasser sie bedroht.

Der Wert hänge nicht von der Höhe des Betrages ab, der bei einem Verkauf erzielbar wäre, sondern, wie schwierig es ist, einen entsprechenden Gegenstand neu zu beschaffen, erklärte Bretscher. Dazu zeigt er ein Beispiel – einen kleinen geflochtenen Ring. Er diente als Polster, wenn schwere Lasten auf dem Kopf getragen wurden. Diese Methode sei in Europa seit dem Ersten Weltkrieg praktisch ausgestorben.

«Sie finden um kein Geld so einen Ring, aber wenn ich ihn verkaufen will, nimmt ihn niemand.»

Bretscher zeigte seinen Gästen noch weitere sehr seltene Objekte. Etwa ein Holzbottich, Durchmesser etwa ein Meter, mit Löchern im Boden. Es sei eine raffinierte Erfindung, um Trauben zu pressen. Er wurde auf einen grossen Bottich montiert und mit Trauben befüllt. Dann stieg ein Jüngling barfuss hinein und stampfte so lange, bis aller Saft im unteren Bottich war. Jetzt konnten die Häute weggeschüttet und neue Trauben eingefüllt werden. Der Umzug des Weines in ein anderes Fass ist nötig, um den Saft vom Bodensatz zu trennen. Das passierte früher durch das Erzeugen von Überdruck mit einem Blasbalg. Bretscher zeigte eine solche Einrichtung. Sie wurde vor fast fünfhundert Jahren gebaut.

Mit dem Ring, den Peter Bretscher auf seinem Kopf trägt, konnten schwere Lasten auf dem Haupt getragen werden.

Mit dem Ring, den Peter Bretscher auf seinem Kopf trägt, konnten schwere Lasten auf dem Haupt getragen werden.

Bild: Dieter Ritter

Er wies auch mit Begeisterung auf eine von Hand nachgebaute Nähmaschine hin. «Einem Bauern fehlte das Geld für eine Nähmaschine, also baute er sie nach. Alles aus Holz, auch die komplexe Mechanik, und sie funktioniert wirklich», erzählte er schmunzelnd.

Für den Ernstfall vorbereitet

Das Schaudepot ist für den Ernstfall gut vorbereitet. Alles, was vorrangig zu bergen ist, wird fotografiert, benannt und in einen Situationsplan eingetragen. Eine Brandmeldeanlage ist mit der kantonalen Notrufzentrale verbunden. Diese bietet die Feuerwehr auf und benachrichtigt den Notfallkoordinator. Je nach Bedarf werden zusätzlich das interne Notfallteam, ein Expertenteam und der Zivilschutz aufgeboten.

Das Schaudepot wurde 1995 im Kornhaus des ehemaligen Dominikanerinnenklosters St. Katharinental eingerichtet. Zu sehen sind alte Hilfsmittel für häusliche Arbeiten sowie Gerätschaften aus Landwirtschaft, Weinbau, Handwerk und Transportwesen. Die Besichtigung des Schaudepots ist nur in Verbindung mit einer Führung möglich.

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