Diessenhofen
«Solarstrom boomt»: Verein Rhysolar ermöglicht Solarstromproduktion ohne eigenes Dach

Vor zehn Jahren ist der Verein Rhysolar in Diessenhofen gegründet worden. Das Ziel: Lokale können sich an Solaranlagen auf den Dächern öffentlicher Gebäude beteiligen. Dafür gibt es von der Stadtgemeinde halbjährlich eine Gutschrift. Doch neue Solaranlagen sind nicht mehr geplant.

Janine Bollhalder
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Der Verein Rhysolar bietet Lokalen die Möglichkeit, in Solaranlagen auf Dächern in Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen zu investieren.

Der Verein Rhysolar bietet Lokalen die Möglichkeit, in Solaranlagen auf Dächern in Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen zu investieren.

Bild: Keystone / Christian Beutler

Im Juni sind es zehn Jahre, seit sich der Verein Rhysolar aus Diessenhofen für Solarstrom starkmacht. Der Verein bietet die Möglichkeit, in Sonnenenergie zu investieren. Und das funktioniert so: Interessierte kaufen einen Anteil einer öffentlichen Solaranlage. Sie profitieren je nach Höhe ihrer Investition von einer halbjährlichen Gutschrift auf ihre Stromrechnung zur Förderung ökologischen Stroms.

Urs Wenger,Vereinspräsident Rhysolar Diessenhofen.

Urs Wenger,
Vereinspräsident Rhysolar Diessenhofen.

Bild: PD

«Inzwischen haben wir fünf Anlagen in Diessenhofen installiert und eine in Basadingen-Schlattingen», sagt Vereinspräsident Urs Wenger. Er hat auf seinem eigenen Haus sowie auf dem Dach seines Geschäfts für Fotovoltaik-(FV)-Anlagen gesorgt. Der Grund, weshalb er sich 2011 entschloss, mit Gleichgesinnten den Verein Rhysolar zu gründen und die Solarenergie zu fördern, ist die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011.

Investition in Solaranlage für alle möglich machen

«Das Ereignis hat vielen – wie mir auch – bewusst gemacht, dass wir vom Atomstrom wegkommen müssen», erklärt Wenger. Doch für viele sei es nicht möglich, auf Solarstrom umzusteigen, beispielsweise weil sie in einem Mehrfamilienhaus leben und daher nicht selbst über eine solche Anschaffung entscheiden können. Nach der Vereinsgründung hat Rhysolar seinen ersten Informationsanlass veranstaltet. Mit Erfolg – inzwischen haben sich 75 Personen an Solaranlagen beteiligt, der Grossteil ist von Beginn an dabei. Die FV-Anlagen sind hauptsächlich auf den Dächern öffentlicher Gebäude installiert. Wenger sagt:

«Gehört das Gebäude einer Privatperson oder einem Unternehmen, müssen wir stets davon ausgehen, dass es Änderungen geben könnte, etwa einen Umbau.»

Er ist gelernter Elektriker und Geschäftsführer eines Unternehmens, das Solaranlagen installiert. Er hat mit seinem Team bereits über 300 FV-Anlagen montiert und ein Ende sei nicht in Sicht. Wenger sagt: «Aktuell bemerken wir einen riesigen Boom, das Geschäft mit Solaranlagen zieht an.» Er vermutet, das liegt daran, dass die Leute vermehrt zu Hause sind und auf diese Weise Geld sparen. Dieses Ersparte soll nun investiert werden, wobei eine FV-Anlage sinnvoll erscheint.

Von den Solaranlagen von Rhysolar profitieren alle Investorinnen und Investoren gleichermassen. «Anfangs haben die Leute für eine spezifische Anlage bezahlt und die Vergütung bekommen», sagt Wenger. Doch nun wird alles in einen Topf gelegt – der erzeugte Strom und der Profit. So kann eine ungleiche Behandlung ausgeschlossen werden, etwa wenn eine Anlage weniger Strom produziert, weil sie an einer weniger sonnenreicheren Lage liegt, als eine andere.

Trotz seines Engagements für Solaranlagen sieht Wenger den Ausstieg aus der Atomenergie zum jetzigen Zeitpunkt als noch verfrüht, denn: «Es müssen zuerst geeignete Speichersysteme für den Solarstrom vorhanden sein, um den Strombedarf der Nächte und der Winter zu gewährleisten.»

Preise für Solaranlagen steigen

Seine erste Solaranlage hat Rhysolar dank eines Darlehens der Gemeinde Diessenhofen verwirklichen können. «Damals hat die Anlage zwischen 300'000 und 400'000 Franken gekostet», erinnert sich Wenger. Im Vergleich zu den sinkenden Preisen über die folgenden Jahre war das sehr teuer. Doch nun steigen die Kosten für eine FV-Anlage wieder an. «Wegen der Pandemie kam es zu Produktionsstopps und Rohstoffmangel.»

Die Subvention des ökologischen Stroms durch die Gemeinde hingegen ist gesunken. Waren es zu den Anfangszeiten von Rhysolar 17 Rappen, sind es heute noch 10.5 Rappen pro Kilowattstunde. «Die Stadtgemeinde Diessenhofen ist sehr grosszügig», sagt Wenger und fügt an:

«Je mehr Leute eine FV-Anlage installieren, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Vergütung weiter reduziert wird.»

Der Verein Rhysolar beabsichtigt nicht, in absehbarer Zeit neue Solaranlagen zu bauen. Der Grund – wie Wenger sagt: «Am meisten profitieren die Leute, wenn sie auf ihrem eigenen Dach eine Anlage haben und ihren eigenen Strom verwenden.» Auf diese Weise ist das Verhältnis zwischen eingekauftem und verkauftem Strom für die Hausbesitzer finanziell optimal. Natürlich sei es nicht immer möglich, sofort den eigenen Strom zu nutzen, sagt Wenger. «Aber einen gewissen Einfluss kann man schon nehmen, etwa die Waschmaschine tagsüber anschalten oder das Elektroauto laden.»