Diessenhofen
«Eigentlich habe ich nie so eine wichtige Funktion angestrebt»: Bundesrätin Viola Amherd im Gespräch mit Tele D

Viola Amherd stellt sich in einer Sendung des Diessenhofer Lokalsenders Tele D den Fragen von Moderator Matthias Wipf. Die Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) offenbart Persönliches, spricht über die Frauenförderung und den Umgang mit dem Ukraine-Krieg.

Thomas Brack
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Bundesrätin Viola Amherd im Tele D-Studio.

Bundesrätin Viola Amherd im Tele D-Studio.

Bild: Thomas Brack

Die Entscheidung, Bundesrätin zu werden, sei ihr nicht leicht gefallen, erzählte Viola Amherd im Studio des Fernsehsenders Tele D. Es war ein Gespräch zur Person Amherds und ihrer Tätigkeit im Bundesrat als Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS). Die 59-jährige Walliserin stellte sich den Fragen des Journalisten und Historikers Matthias Wipf und nahm an einer anschliessenden Diskussionsrunde mit den geladenen Gästen teil.

Erst nicht das favorisierte Departement

«Nach zwölf Jahren im Nationalrat wäre es für mich wegen der im Wallis geltenden Amtszeitbeschränkung Zeit gewesen, zurückzutreten und ein anderes Tätigkeitsfeld zu suchen», erzählte Amherd. «Andererseits bot sich mir die einmalige Chance, ein so hohes Amt auszuüben. Eigentlich habe ich nie so eine wichtige Funktion angestrebt. Aber da ich mich gerne einbringe, griff ich zu.» Doch es sei ihr nicht bewusst gewesen, in welch hohem Rhythmus die Regierungsarbeit verlaufe und wie fremdbestimmt ihre Agenda infolgedessen ist.

Das VBS ist nicht ihr Wunschdepartement gewesen, gestand Amherd. Doch bei der Wahl des Departements im Bundesrat gelte das Anciennitätsprinzip. Heute ist sie glücklich mit ihrem Amt und mit der guten Zusammenarbeit im Departement. Auf eine mögliche Austragung der Olympischen Spiele in der Schweiz angesprochen, meinte die Bundesrätin, dass bei mehr Bescheidenheit und einem Wirken im Einklang mit der Umwelt auch die Bevölkerung hierzulande dem Sportevent eine Chance geben würde.

Journalist Matthias Wipf stellt der Bundesrätin Viola Amherd Fragen zu ihrer Person, ihrer Vergangenheit sowie auch zu ihrer politischen Tätigkeit.

Journalist Matthias Wipf stellt der Bundesrätin Viola Amherd Fragen zu ihrer Person, ihrer Vergangenheit sowie auch zu ihrer politischen Tätigkeit.

Bild: Thomas Brack

Zu den Höhepunkten ihrer Arbeit zählen die zahlreichen Begegnungen mit Menschen, sagte Amherd – Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Forschung und Sport. Amherd ist selbst sportbegeistert, sie spielt Tennis, fährt Ski und wandert gerne. Kraft und Energie tankt sie seit ihrem dritten Lebensjahr im elterlichen Chalet in der Bettmeralp. Im urchigen Oberwalliser Dialekt erzählte sie von ihrer Kindheit und Jugend ihrer geliebten Heimat Wallis.

Zusammen mit ihrer vierzehn Jahre älteren Schwester habe sie im Elektrofachgeschäft ihrer Eltern früh gelernt, anzupacken und Verantwortung zu übernehmen. Nach der Matura studierte sie Jus an der Universität Bern, auch wenn sie mit einem Studium der Geschichte oder Archäologie liebäugelte. Doch das Studium der Rechte hat eine breitere Palette von beruflichen Möglichkeiten eröffnet.

Grosser Nachholbedarf in Sachen Frauenförderung

Das Gespräch drehte sich auch um die Frauenförderung – im Allgemeinen und speziell in der Armee. Ein Thema, dass Amherd besonders am Herzen liege. «Frauenförderung habe ich schon immer gemacht», sagte sie. Ihr Departement sei in diesem Bereich ein Glücksfall:

«Ich glaube, nirgends gibt es so viel Potenzial.»

Es gebe noch Nachholbedarf, aber der Prozentsatz an Frauen im Amt steige fortlaufend. Die Bedeutung des VBS hat sich seit dem Krieg in der Ukraine geändert. Dass in zwei Flugstunden Entfernung ein konventionell geführter Krieg tobt, sei schon sehr beunruhigend. «Wir sind nicht direkt bedroht», sagte die Verteidigungsministerin, fügte aber an: «Wir können in einer europäischen Sicherheitsarchitektur nicht die Rolle des Trittbrettfahrers spielen.» Es sei wichtig, die Zusammenarbeit mit anderen Ländern zu intensivieren – stets unter dem Prinzip der Neutralität. Es gilt, auf die verschiedensten Bedrohungsszenarien gefasst zu sein und mögliche Krisen frühzeitig zu erkennen.

Die Sendung nachschauen unter: www.tele-d.ch/onlinesendungen