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Diese verfluchte Liebe am Untersee

Die Seele der legendären rumänischen Sängerin Maria Tănase wehte am Dienstagabend durch das Phönix Theater Steckborn
Stefan Hilzinger
Eine musikalische Spurensuche nach Maria Tanase mit: Vivianne Mösli und Irina Ungureanu. (Bild: PD/Judith Schlosser)

Eine musikalische Spurensuche nach Maria Tanase mit: Vivianne Mösli und Irina Ungureanu. (Bild: PD/Judith Schlosser)

Hierzulande kennt kaum jemand ihren Namen: Maria Tănase, geboren 1913 in Bukarest. Gestorben daselbst 1963. Ihren Leichnam wollte sie der Wissenschaft überlassen, von ihrem Tod hätte niemand etwas erfahren sollen. Doch stattdessen säumten Hunderttausende die Strassen der rumänischen Hauptstadt, als Maria Tănase zu Grabe getragen wurde. Die Sängerin war schon zu Lebzeiten eine Legende und ist es in ihrer Heimat auch heute noch.

«Mein blaues Herz» heisst das Stück über Maria Tănase, das am Dienstabend im Phönix Theater Steckborn zu sehen war. Geschrieben hat es Irina Ungureanu, eine Schweizer Sängerin und Musikerin mit rumänischen Wurzeln. Ungureanu und Schauspielerin Vivianne Mösli als ihr Alter Ego, unterstützt von Vera Kappeler an Klavier und Harmonium, berichten sehr persönlich vom Schicksal der exilierten Familie Ungureanu und entwickeln dazu ein Porträt der Sängerin, die in ihrer Heimat oft verklärt wird, deren Biografie aber voller Brüche und Widersprüche ist.

14 Konzert in einer Nacht

Das Publikum liegt Tănase zu Füssen. Im Bukarest der späten 1930er-Jahre gibt sie in einer Silvesternacht allein 14 Konzerte. Beim letzten Auftritt kurz vor Morgengrauen weigert sie sich zu singen, bevor nicht die Gäste die schon etwas locker sitzenden Kleider in Ordnung gebracht hätten. «16000 Lei – den Gegenwert von 60 Damentaschen – verdient sie in der Nacht, erfährt das Publikum. Sie singt für alle. Für die Kommunisten vor dem Zweiten Weltkrieg, für die Faschisten während des Kriegs und für die Sowjet-Kommunisten nach 1945.

Maria Tanase (1913 bis 1963)

Maria Tanase (1913 bis 1963)

Nach einem Konzert in Istanbul noch vor dem Krieg gibt es Gerüchte, sie arbeite als Spionin für die Briten. «Ein Nachtclubtänzerin spioniert für die Engländer», wirft ihr Alter Ego ihr vor. «Ich bin keine Nachtclubtänzerin und auch keine Nachtclubsängerin», empört sich die Sängerin. «Für die Faschisten habe ich nur gesungen, um meine jüdischen Freunde zu retten.»

Tănase ist die Tochter eines schwermütigen Gärtner-Ehepaars, die bei den Angestellten Volkslieder aus allen Regionen des Landes hört und diese verinnerlicht und auf ihre unverkennbare Art interpretiert. «Sie hat kein Musik- und Taktgefühl», werfen ihr akademische Kritiker an den Kopf. Doch sie singt von verfluchter Liebe und vergeblicher Sehnsucht, von Tod und Trennung, vom guten Roséwein und vom Segen des Tabaks. Ihr Gesang trifft die geheimnisvolle, widersprüchliche rumänische Seele, sogar dann, als nach dem Krieg die Kommunisten ihre Musik für ihre Propaganda instrumentalisieren.

Gerne hätte man sie noch mehr singen hören

Die subtile Inszenierung lebt von den wechselnden Rollen der beiden Hauptdarstellerinnen, vom intelligenten, beweglichen Bühnenbild und von der Musik Ungureanus. Sie trifft Tănase in Gestik und Tonalität wunderbar. Gerne hätte man sie noch häufiger singen gehört. Berührend auch die Stellen, wo alte Tonbandaufnahmen zu hören sind, welche Ungureanus Grossmuter ihr in die Schweiz geschickt hat, mit «diesen schönen rumänischen Wörtern». «Inima», «Suflet» hört man da schwach im Rauschen, was zu deutsch «Herz» und «Seele» bedeutet.

Hinweis: «Mein blaues Herz» ist am 13. Januar, 17.30 Uhr im Theater Ticino in Wädenswil zu sehen. Infos über weitere Vorstellungen unter irinaungureanu.ch.

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