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«Diese Sauen haben Schwein gehabt»

Die Schweine der Jugendstrafanstalt leben in Freiheit. Das gibt Lob vom Tierschutz.
Silvan Meile
Willi Knupp kümmert sich auf dem Landwirtschaftsbetrieb des Massnahmezentrums Kalchrain um die Schweine.

Willi Knupp kümmert sich auf dem Landwirtschaftsbetrieb des Massnahmezentrums Kalchrain um die Schweine.

Den Schweinen entgeht der Besuch auf dem Hof nicht. Quer über die Wiese rennen die Tiere und begrüssen die Gäste. Auf der einen Seite des Zauns wird sofort geschnuppert, auf der anderen in die Hosentasche gegriffen, das Handy gezückt und fotografiert. «Die Tiere gehen ohne Vorurteile auf die Menschen zu», sagt Urs Hartmann. Denen sei es egal, ob ein Bundesrat oder ein Sträfling daherkomme. Für die Schweine sind alle gleich interessant. Hartmann ist Leiter der landwirtschaftlichen Ausbildungsbetriebe am Massnahmezentrum Kalchrain. Hier verbüssen straffällig gewordene Jugendliche eine Strafe und können dabei unter anderem in der Landwirtschaft eine Lehre absolvieren.

Gestern interessierten sich Vertreter aus der Nahrungsmittelbranche, der Landwirtschaft und dem Tierschutz für die Schweine. Und zwar, weil den Tieren so sauwohl ist. Diese Schweine werden nicht in einer Bucht im Stall gemästet. Sie leben das ganze Jahr draussen. «Regen oder Schnee macht ihnen nichts aus», sagt Willi Knupp, Kalchrain-Mitarbeiter und zuständig für die Schweine. «Aber wenn der Wind weht, dann ziehen sie sich zurück.» Dafür haben sie ein Zelt. Die gewölbte Dachkonstruktion sieht aus wie das Bühnendach an einem Open Air. Hier finden die Schweine Wasser und Futter. Unter dem Zelt schlafen sie oft. «Im Winter bei Minustemperaturen liegen sie dann wie Cervelat an Cervelat unter dem Dach und geben sich gegenseitig warm», sagt Betriebsleiter Hartmann.

Dominic Möckli, Geschäftsleiter des Abholmarktes und Gastrozulieferer TopCC, sieht die Schweine gerne rumrennen. «Tiere, die draussen leben, die sich frei bewegen können, geben besseres Fleisch», sagt er auch im Namen des Detailisten Spar, wo das Schweinefleisch aus Freilandhaltung mit entsprechendem Label ebenfalls angeboten wird. Das Massnahmezentrum Kalchrain habe ein naturnahes Haltungssystem für Schweine wiederentdeckt. Während Möcklis Ausführungen brutzeln die ersten Würste und Schnitzel auf dem Grill.

«Wenn es überall so aussehen würde, ginge es mir deutlich besser», sagt Hans-Ulrich Huber, Geschäftsführer des Schweizer Tierschutzes. «Diese Sauen haben Schwein gehabt.» Denn die Vorschriften zur Haltung von Mastschweinen seien nach wie vor problematisch. «Die Tiere dürfen weiterhin mit dem Segen des Gesetzes ohne Auslauf, auf dem nackten Betonboden ohne Stroh zum Liegen in engen Buchten gehalten werden.»

Vor dem Bauernhof des Massnahmezentrums tummeln sich 150 Schweine eingezäumt auf zwei Flächen von insgesamt etwa fünf Fussballfeldern. Alle vier Monate müssen die Herden wieder umplatziert werden, weil sie die Wiese regelrecht umpflügen. Das erfordert grosse Landflächen. Denn erst nach vier Jahren kommen die Schweine wieder auf die gleiche Parzelle. Sie leben auf Fruchtfolgeflächen.

Die Besuchergruppe zieht am Feld vorbei. Die Schweine stecken ihre rosa Rüssel wieder ins Gras, wühlen darin und machen aus der grünen Wiese einen braunen Acker. Sie haben ein schönes Leben. Es dauert etwas mehr als ein halbes Jahr.

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