Die Werkbetriebe Frauenfeld haben ein Luxusproblem: Tarifrabatte an Kunden sind umstritten

Zwei Millionen Franken bekommen die Werkbetriebe-Kunden dieses Jahr rückvergütet. Diese Gewinnverwendung kommt bei der Ratslinken im Frauenfelder Gemeinderat nicht gut an. Ein Alternativvorschlag wäre etwa die Abgabe von Gutscheinen für Energiesparlampen.

Mathias Frei
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Ein Lager von Leerrohren auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld, die neu Thurplus heissen.

Ein Lager von Leerrohren auf dem Areal der Werkbetriebe Frauenfeld, die neu Thurplus heissen.

(Bild: Reto Martin)

Geiz ist nicht geil. Aber zu ein paar Prozenten, einem kleinen Rabatt, da sagt man doch nicht Nein. Die Frauenfelder Werkbetriebe, neu Thurplus, haben ihren Strom- und Gaskunden aus den Gewinnen der Rechnungsabschlüsse 2013 bis 2018 insgesamt 5,6 Millionen Franken an Rabatten rückvergütet. Auch dieses Jahr gibt es eine vom Gemeinderat genehmigte Tarifreduktion. Elektrizitätskunden profitieren von einer halben Million Franken, bei den Gasbezügern sind es 1,5 Millionen Franken.

Michael Pöll, Gemeinderat Grüne.

Michael Pöll, Gemeinderat Grüne.

(Bild: PD)

Kein Freund derartiger Rabatte ist Gemeinderat Michael Pöll von den Grünen. Das machte er an der diesjährigen Rechnungssitzung des Gemeinderats klar, zum wiederholten Mal. Die Arbeit der Werke lobte er. Aber: «Es ist wirklich einfach die Art und Weise, wie die Gewinne verwendet werden sollten, das stört mich persönlich.» Pöll schlug stattdessen die Abgabe von Gutscheinen für Energiesparlampen vor. Auch so werde verursachergerecht etwas zurückgegeben. Die Tarifreduktion sei für die Kunden einmalig.

«Aber wenn sie mit diesem Geld Energiesparlampen kaufen könnten, hätten sie für fünf oder zehn Jahre eine tiefere Stromrechnung.»

Schwieriger sei eine alternative Rabattierung indes bei den Gaskunden, dem ist sich Pöll bewusst.

Aktuelle Praxis geht in die verkehrte Richtung

Der Grünen-Politiker sagt auf Anfrage dieser Zeitung zur Thurplus-Gewinnverwendung: «Es muss etwas sein, das in seiner Wirkung den Energieverbrauch reduziert.» Einfach Rabatte zu sprechen, gehe in die verkehrte Richtung. Möglichkeiten, diese Problematik zu beheben, sieht er auch in der anstehenden Revision des Energiefonds-Reglements.

Die gegenteilige Meinung zu den Tarifrabatten vertritt Stadtrat Fabrizio Hugentobler als Vorsteher des Departements für Werke, Freizeitanlagen und Sport. Um diesem Luxusproblem zu entgehen, sagt er:

«Ziel ist es immer, möglichst genau zu budgetieren.»
Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher Werke, Freizeitanlagen und Sport.

(Bild: PD)

Damit sich keine unerwarteten Überschüsse ergeben würden. Aber das werde auch in Zukunft eine Herausforderung bleiben, weil zu viele Faktoren mitspielten. Wie Hugentobler sagt, entspricht es nicht der Haltung des Stadtrats, jedem Strom- und Gasbezüger im Giesskannenprinzip einfach ein Fünfzigernötli zurückzuzahlen. Vielmehr sollten die Kunden entsprechend dem Umfang ihres Energiebezugs anteilhaft einen Tarifrabatt erhalten.

Thurplus wird zukünftig weniger Gewinn machen

Indem Thurplus in Frauenfeld aktiv zum Erreichen der Energiewende beitrage und diese Massnahmen aus eigenen Mitteln finanziere, wie dies auch im Werkbetriebe-Reglement festgehalten ist, würden in Zukunft die Überschüsse tendenziell nicht mehr so hoch ausfallen, sagt Hugentobler. Oder nicht in den Worten des Stadtrats formuliert: Wenn man keinen Gewinn mehr macht, besteht auch das Problem der Gewinnverwendung nicht mehr. Für Hugentobler ist Pölls Vorschlag Symbolpolitik. «Wir investieren lieber in konkrete Projekte, um unseren Beitrag zum Erreichen der Energiewende zu leisten.»

Die Haltung des Stadtrats in dieser Sache stützt CVP-Gemeinderat Stefan Geiges, der Präsident ist der für die Werke zuständigen gemeinderätlichen Geschäftsprüfungskommission Bau und Werke.

«Wer als Energiebezüger zum guten Abschluss der Werke in der Rechnung 2019 beigetragen hat, soll auch 2020 davon profitieren können.»
Stefan Geiges, GPK-Präsident Bau und Werke sowie Gemeinderat CVP.

Stefan Geiges, GPK-Präsident Bau und Werke sowie Gemeinderat CVP.

(Bild: CVP)

Er sehe keine andere handhabbare Gewinnverwendung, welche direkt den Kunden zugutekommt. Und schliesslich sei es der Entscheid des Gemeinderats. Den Antrag des Stadtrats stützen in der Rechnungssitzung 25 Gemeinderäte, deren acht waren dagegen.