Serie

Die weisse Wand hellt den Stall in der dunkeln Jahreszeit auf

Vor dem Wintereinbruch muss der Stall in Ordnung gebracht werden. Mit Häckselstroh und Kalk bereiten wir die Liegeflächen vor. Aus dem Leben eines Landwirtschaftslehrlings. 

Sonja Schneider
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Sonja Schneider absolviert eine Landwirtschaftslehre. (Bild: PD)

Sonja Schneider absolviert eine Landwirtschaftslehre. (Bild: PD)

Vor dem Wintereinbruch muss im Kuhstall einiges vorbereitet werden. Denn im Moment sind die Kühe noch auf der Weide und sind uns bei der Arbeit nicht im Weg. Damit die Kühe bequeme Liegeboxen haben, machen wir eine sogenannte Kalk-Stroh-Matratze. Am Morgen hole ich mit Traktor und Anhänger bei unserem Nachbarn drei Tonnen Kalk ab. Bei der Bestellung musste mein Lehrmeister darauf achten, den richtigen Kalk auszuwählen.

Gebrannter Kalk ätzt die Euter

Gebrannten Kalk darf man nämlich auf keinen Fall zum Einstreuen des Liegebereiches verwenden. Er hat eine ätzende Wirkung und greift die Euter der Kühe an. Zu Hause fülle ich zusammen mit meinem Lehrmeister eine halbe Balle langes Weizenstroh in den Mischwagen. Dann lassen wir diesen kurz laufen, damit es das Stroh zerschneidet. Als nächstes kommt der erste Bigbag Kalk in den Wagen. Dazu hängen wir ihn an die Staplergabel und ich fahre von hinten so nah wie möglich an den Mischwagen heran, dass die untere Öffnung des Bigbags direkt im Wagen ist. Jetzt muss ich nur noch die Schlaufe öffnen und der Kalk fällt aus dem Sack.

Ich fahre mit dem Stapler wieder weg und lasse den Mischwagen erneut laufen. Während der Kalk sich mit dem Stroh vermischt, lasse ich mit einem Schlauch Wasser dazulaufen. Das ist wichtig, damit eine stabile Matratze entstehen kann. Nach ein paar Minuten stelle ich den Mischwagen wieder ab. Jetzt kommt eine ganze Balle Häckselstroh dazu. Auch diese kann ich mit dem Stapler in den Wagen befördern. Mein Chef hilft mir beim Entfernen der Drähte, welche die Balle zusammenhalten. Jetzt kann weitergemischt werden. Nach und nach können wir auch noch die anderen beiden Kalksäcke dazugeben. Besonders wichtig ist, dass der Mischwagen nicht läuft. Das wäre nämlich viel zu gefährlich. Durch das Wasser klebt der Kalk schön am Stroh. Ich bin erstaunt, wie viel Flüssigkeit es braucht, damit das Gemisch auch nur leicht feucht wird.

Die Stallwände weisseln

Mit dem Mischwagen können wir in den Laufhof fahren und von dort die erste Boxenreihe befüllen. Dann laden wir die Strohmischung im Laufhof ab und ich fahre sie anschliessend mit dem Hoflader auf die andere Seite. Wenn alle Liegeboxen befüllt sind, muss die Mischung regelmässig verteilt und gut angestampft werden. Die Kalk-Stroh-Matratze ist so schwer, dass ich ins Schwitzen komme.

Als wir fast fertig sind, kann ich die Arbeit Christian übergeben und mit dem Weisseln der Stallwände beginnen. Am Vortag habe ich diese alle mit einem Kratzer gereinigt, damit die Farbe gut haftet. Mit einer Rückenspritze trage ich vier bis fünf Schichten des speziellen Weisselkalk-Wasser-Gemischs auf die Wände auf. Dank der Weisselschicht an den Wänden ist der Kuhfladen besser ablösbar, was das Reinigen des Kuhstalls vereinfacht. Ausserdem hellt die weisse Farbe den Stall auf in der eher düsteren Herbst- und Winterzeit.

Kolumne

Ein neuer Lehrbetrieb mit neuen Herausforderungen

Sonja Schneider ist seit Sommer 2017 in der Lehre als Landwirtin. In einer Serie berichtet sie hier über ihren Alltag auf dem Lehrbetrieb, dem Hof von Christian Feller in Opfershofen (Bürglen) und von der Berufsschule auf dem Arenenberg.
Sonja Schneider