Die neuen Rohre des Frauenfelder Wärmerings sind schweinchenpink

Derzeit entsteht zwischen Oberem Mätteli und Grabenstrasse 5/7 ein 400 Meter langer Leitungsarm. Die Baustelle ist ein Sinnbild für den positiven Aufschwung des Wärmerings. Für Schlagzeilen sollen in Zukunft vor allem neue Anschlüsse sorgen.

Mathias Frei
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Auf der Baustelle in der Grabenstrasse: Erich Stucki, Leiter Technisches Büro der Werkbetriebe, zeigt David Dünnenberger, Leiter Energiemarkt der Werkbetriebe, mit einem Doppelmeter, wo die Fernwärmeleitungen innerhalb des Grabens zu liegen kommen. (Bild: Andrea Stalder)

Auf der Baustelle in der Grabenstrasse: Erich Stucki, Leiter Technisches Büro der Werkbetriebe, zeigt David Dünnenberger, Leiter Energiemarkt der Werkbetriebe, mit einem Doppelmeter, wo die Fernwärmeleitungen innerhalb des Grabens zu liegen kommen. (Bild: Andrea Stalder)

Eigentlich hatte Erich Stucki orangefarbene Streifen auf den Rohren erwartet. Aber beim Giessen der Polyethylen-Kunststoffrohre hat sich durch die Hitze die Farbe verändert. «Wir nennen die Farbe Schweinchenpink», erklärt der Leiter des Technischen Büros der Werkbetriebe. Wenn man dereinst die Rohre freilegt, weiss man: Die Schweinchenpinken gehören zur Fernwärmeversorgung. Das ist relevant, auch wenn man die Rohre im Boden heutzutage dank GPS plus/minus fünf Zentimeter genau orten kann. Denn dort liegen gleichenorts Leitungen für Wasser, Abwasser, Strom, Gas und Kommunikation im Boden.

Mannstief ist der Graben an der Kreuzung Grabenstrasse/Oberstadtstrasse. Erich Stucki zeigt David Dünnenberger, Leiter Energiemarkt der Werkbetriebe, mit einem Doppelmeter das eine von zwei Fernwärmerohren. Grund für die Baustelle ist das Erstellen eines Leitungsarms vom Oberen Mätteli bis zum Geschäftshaus-Neubau an der Grabenstrasse 5/7. Rund 400 Meter misst das Stück. Nun geht’s an die letzten 80 Meter. Ist der Leitungsbau abgeschlossen, werden die beiden 200-Millimeter-Durchmesser-Rohre mit speziell aufbereitetem Wasser befüllt. Vor Inbetriebnahme müssen sie aber noch auf Dichtigkeit getestet werden, damit nichts leckt. Denn der Wärmering ist ein geschlossener Kreislauf. Im Vorlauf kommt das Wasser von der Kläranlage zu den Kunden, im Rücklauf geht es zurück, zwischen vier und sechs Grad kühler.

Bis Ende Jahr braucht Grabenstrasse 5/7 Wärme

Der Wärmering: Mehrere Jahre war er politische Causa. Viel wurde diskutiert, selten über die Anlage an sich, die laut Dünnenberger in den vergangenen fünf Jahren nahezu störungsfrei die angeschlossenen Objekte mit nachhaltiger Wärme versorgt hat.

Der Gemeinderat bewilligte am 22. August einen Bruttokredit über 800000 Franken für diese Erweiterung, schon wenige Tage später haben die Bauarbeiten begonnen. Dünnenberger sagt:

«Wir waren getrieben vom Bezug des Neubaus Grabenstrasse 5/7.»

Noch dieses Jahr kommt besagte Liegenschaft an den Wärmering. Man liege gut im Zeitplan. «Hier legen wir im Boden gewissermassen den Boden für eine nachhaltige Energiezukunft.» Eine Fernwärmeversorgung sei immer eine langfristig ausgelegte Investition. «Der Ertrag fliesst über längere Zeit zurück.» Bei den Leitungen nehmen die Werkbetriebe eine abzuschreibende Lebensdauer von 50 Jahren an. Stucki sagt:

«Aber wir gehen davon aus, dass sie länger halten.»

Man schaut in die Zukunft. Was war, ist aufgearbeitet. Seit Anfang Jahr ist der Wärmering in die Werkbetriebe integriert. Die Fernwärmeversorgung ist eine Abteilung geworden, nebst Elektrizität, Gas, Wasser. Die Werke haben sich personell reorganisiert. Neue Stellen mussten nicht geschaffen werden.

Die Wärmering-Affäre

Seit Anfang 2018 ist der Wärmering in die Werkbetriebe Frauenfeld (WBF) integriert. Die Wärme Frauenfeld AG (WFAG) war vorher Betreiberin der Anlagen. Die Gründung der AG mit einem Aktienkapital von 625000 Franken erfolgte 2012 durch die WBF (300000 Franken), Stadtwerk Winterthur (200000 Franken) und den Frauenfelder ARA-Verband (125 000 Franken). Doch die AG kam in finanzielle Probleme. Ein erster Sanierungsplan mit weiterexistierender AG kam im Sommer 2016 nicht zustande, weil Winterthur und infolge dessen auch der Frauenfelder Stadtrat externe Untersuchungen zur WFAG einleiteten. Erfolgreich war der zweite Sanierungsplan, zu dem das Frauenfelder Stimmvolk im Herbst 2017 Ja sagte. Es gab einen Schuldenschnitt. Frauenfeld übernahm die ARA-Heizzentrale sowie die Leitungen. (ma)

Derzeit fliessen 850 Kubikmeter Wasser im Wärmering. Knapp acht Kilometer Leitungen sind erstellt. Im Vollausbau misst das Netz 9400 Meter. Ende Oktober geht die Stadthof-Überbauung ans Netz. Das Geschäftshaus Grabenstrasse 5/7 als Passage-Erweiterung folgt bis Mitte Dezember. Im Laufe des nächsten Jahres planen die Werkbetriebe, das Netz Richtung Badi zu bauen. Die entsprechende Leitung endet derzeit hinter dem kantonalen Verwaltungsgebäude. Ziel ist es laut Erich Stucki, im Rahmen der angedachten Sanierung der St. Gallerstrasse die Leitungen zu verlegen, damit man den Boden nicht zweimal aufreissen muss.

Die Kläranlage in der grossen Allmend in Frauenfeld: Der Wärmering nutzt die Ara-Abwärme. (Bild: Andrea Stalder)

Die Kläranlage in der grossen Allmend in Frauenfeld: Der Wärmering nutzt die Ara-Abwärme. (Bild: Andrea Stalder)

Im Vollausbau wollen die Werke mit dem Wärmering pro Jahr etwa elf Gigawattstunden Energie absetzen. Mit dem Stadthof und der Grabenstrasse 5/7 werde man bei über 30 Prozent Auslastung liegen, erklärt Dünnenberger. In Zukunft sollen das Casino und die Stadtkaserne Anschluss finden, ein wichtiger Abnehmer wird das neue Hallenbad sein. Die Bollag-Gebäude in der Schlossmühle stehen zur Diskussion. Und voraussichtlich setzen dereinst auch das Einkaufszentrum Passage und die Adler-Passage auf die Fernwärme. Indem man das Netz – immer mit dem Willen des Gemeinderats – weiter ausbaue, sei man bereit, wenn bei einer grösseren Liegenschaft in Netznähe eine Heizungssanierung anstehe.

«Heute hat der Kunde viel mehr Flexibilität»

Ein neuer Anschluss sei mit einem Heizleistungsbedarf ab etwa 50 Kilowatt in einer energetisch modernen Liegenschaft sinnvoll, erklärt Dünnenberger.

Früher mussten Wärmeabnehmer das Full-Contracting der Wärme Frauenfeld AG in Anspruch nehmen. «Heute hat der Kunde viel mehr Flexibilität», sagt Dünnenberger. Die Werkbetriebe würden die Wärme bis zur Liegenschaft liefern, für den Betrieb der Wärmepumpe in der Liegenschaft sei der Kunde verantwortlich oder könne einen Contractor damit beauftragen. Auf Wunsch gebe man eine Empfehlung ab, zum Beispiel Stadtwerk Winterthur. Dass es dann auch funktioniert mit der Wärmepumpe und dem Beheizen der Liegenschaft, dafür ist der Kunde verantwortlich respektive dessen Contractor. Es gilt aber, vertraglich bindende «technische Anschlussbedingungen» einzuhalten. Dünnenberger sagt:

«So können wir unsere Risiken minimieren und einen sicheren Betrieb gewährleisten.»

Mit diesem Vorsatz kann der Wärmering entsprechend dem Reglement über die Fernwärmeversorgung eigenwirtschaftlich betrieben werden. «Wir sind auf gutem Weg.»

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