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Die Vielschichtige in der Frauenfelder Baliere

Die Diessenhofer Künstlerin Tatjana Brock zeigt «Zwei- und Dreidimensionales» in der Stadtbaliere. Der schlichte Ausstellungstitel täuscht – hier ist nichts offensichtlich oder gar bieder.
Dieter Langhart
Tatjana Brock mit zwei ihrer Keramikskulpturen in der Baliere. (Bild: Dieter Langhart)

Tatjana Brock mit zwei ihrer Keramikskulpturen in der Baliere. (Bild: Dieter Langhart)

Tatjana Brock zeigt hierhin, erklärt da eine Technik, erkennt dort einen Zusammenhang: So gezielt Tatjana Brock durch ihre Ausstellung in der Stadtgalerie Baliere führt, so gezielt geht die Künstlerin vor. Man möchte sich an einer einzigen Motivlinie festhalten, sich auf eine einzige Technik beschränkt fühlen – und wird enttäuscht. Positiv enttäuscht, denn Tatjana Brock blendet mit ihrer vielfältigen Kunst das ein, was andere wegwerfen, ausblenden. Wie sie aus diesen Fundstücken etwas Neues, etwas Ungewohntes schafft, ist verblüffend.

Gehen wir hoch ins Obergeschoss. Da hat sie ausrangierte Unterwäsche in alte Holzschubladen gehängt wie in Bilderrahmen. «Ich will Altes in etwas Neues überführen, ihm eine neue Funktion geben», sagt Tatjana Brock. Die Wäschestücke sind mit einer dünnen Tonschicht konserviert, nun hart statt hautschmeichelnd, auch wenn Textur und Häkelmuster sichtbar bleiben. Diese Arbeit nennt sie «Gesocks», so schön doppeldeutig.

Momentaufnahmen von Erinnerungen

Und doppeldeutig ist gar manches Werk in ihrer Ausstellung «Zwei- und Dreidimensionales». Da ist etwa die fragile Skulptur «Das letzte Hemd» auf einem Sockel, der Beginn einer Serie aus Brautkleidern. Dort liegen auf Messerbänkchen nicht etwa Messer, sondern Pinzetten. Die Künstlerin fragt rhetorisch: «Wo ist das alltägliche Leben?» Für eine Serie von Bildern hat sie Fotografien einer Reise nach Israel verwendet und mit Flecken und Fehlstellen verändert; eine andere, «Window Shopping», verfremdet das reale Thema mit einer Drucktechnik, die sie nicht verraten mag. Die Bilder werden so zu Momentaufnahmen einer Erinnerung.

Im Keller eine grosse Holzkiste, mit «Paix» beschriftet: Hommage an die Städtefreundschaft zwischen Reims und Aix la Chapelle (Aachen) nach der französischen Besatzung des Rheinlands. An der Wand hängen Printen, eine Aachener Lebkuchenspezialität, mit bewussten Defekten versehen. In Schachteln liegen Puppen, mit Ton «eingefroren», eine Erinnerung an die Porzellanpuppen der Kindheit. Zuhinterst deformierte Keramikköpfe «wider den Schönheitswahn».

Abwechslung, spontanes Reagieren auf Dinge

Tatjana Brock will mehr als eine Seite unserer sehr konformen Gesellschaft zeigen. Als Künstlerin sucht sie die Abwechslung, das spontane Reagieren auf Dinge, macht keine Gebrauchskeramik, sondern verblüffende Werke wie «Lacrima»: Aus dem Ton scheint sich die eingebaute Tränenvase zu ergiessen.

Vernissage Do, 8.11., 19 Uhr, Stadtgalerie Baliere; bis 16.12. Do 17–20, Sa/So 14–18 Uhr. So, 2.12.: Gespräch mit Helga Sandl

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